Postnatale Depressionen: Ursachen, Symptome und Behandlung

4. Juni 2018
Wenn wir den Begriff "Postnatale Depression" hören, dann stellen sich die meisten von uns wohl eine überforderte Mutter mit einem schreienden Baby auf dem Arm vor. Tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Erkrankung viel mehr.

Postnatale Depressionen sind eine Art der Depression, die bei Frauen unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes einsetzen kann. Meistens dauert sie bis zu einem Jahr danach an.

Es gibt tatsächlich auch so etwas wie postnatale Depressionen bei Männern. Diese treten allerdings deutlich seltener auf.

Laut Studien leiden bis zu 25% der Frauen unter einem oder mehreren Symptomen der postnatalen Depression.

Die Häufigkeit ist also signifikant und deshalb denken wir, dass es gut ist, darüber Bescheid zu wissen und sich damit auseinander zu setzen.

Ursachen einer postnatalen Depression

Eine depressive Phase nach der Geburt kann mehrere Ursachen haben. Einige davon sind:

  • Körperliche Veränderungen. Eine Schwangerschaft verändert den Körper einer Frau vollkommen. Wenn die Geburt vorüber ist, dann ist der Grund hierfür auf einmal außerhalb deines Körpers. Es ist außerdem schwierig zu akzeptieren, dass der Körper dann eine gewisse Zeit braucht, um sich zu erholen.
  • Das Lebensumfeld verändert sich. Jetzt hast du ein Kind und es braucht all deine Ressourcen. Du wirst merken, dass darunter deine sozialen und auch beruflichen Beziehungen leiden. Es ist einfach nicht mehr möglich alles unter einen Hut zu bringen.
  • Der Verlust der Unabhängigkeit und des persönlichen Freiraums. Dein Baby nimmt dich viel mehr in Anspruch als du es erwartet oder dir vorgestellt hast. Für eine gewisse Zeit wirst du deinen persönlichen Freiraum aufgeben müssen.
  • Schlafmangel. Die Müdigkeit, die mit den ersten Monaten des Elternseins kommt, ist jedem bekannt. Dieser Schlafmangel führt zu einem Erschöpfungszustand, der mit depressiven Gedanken einhergeht.
  • Der Druck eine gute Mutter zu sein. Du lässt dich von anderen beeinflussen im Hinblick darauf was du tun sollst. Das und deine eigene Meinung können scharf mit der Realität kontrastieren. Das kann sehr verwirrend sein.
  • Auch damit verbundene Krankheiten wie Depressionen, bipolare Störungen oder Angstzustände können eine postnatale Depression begünstigen.
  • Ebenfalls können der Missbrauch von Drogen, Alkohol sowie andere schädliche Verhaltensweisen in der Schwangerschaft zu einer postnatalen Depression führen.
postnatale Depressionen

Konzentriere dich auf deine Wiederherstellung nach der Geburt, um deinem Baby die beste Version deiner selbst geben zu können. 

Postnatale Depressionen – das sind die Symptome

  • Bevor wir über die Symptome sprechen ist es notwendig, vorab klar zu stellen, dass die ersten zwei Wochen nach der Geburt voll mit Weinen, Angst und dem Gefühl „alles ist zuviel“ sind. Das ist vollkommen normal. Doch eine postnatale Depression fühlt sich noch einmal anders an. Die Mutter kann ein Gefühl von so tiefer Traurigkeit empfinden, dass das auch ihr Verhalten dem Baby gegenüber beeinflusst.
    • Übermäßiges oder gar kein Interesse am neu geborenen Kind.
    • Angst, mit dem Baby alleine zu sein.
    • Vernachlässigung von sich selbst und auch dem Baby.

Auch die folgenden Symptome gehören dazu:

  1. Permanente Unruhe und Reizbarkeit.
  2. Ausgeprägte Angstzustände.
  3. Schlafstörungen.
  4. Veränderter Appetit.
  5. Gefühle von Sinnlosigkeit oder Schuld.
  6. Verlust von Konzentration und Energie.
  7. Gedanken an Tod und Selbstmord.

Was hilft gegen postnatale Depressionen?

Wichtig ist zunächst zu wissen, dass eine postnatale Depression viel häufiger auftritt als es scheint. Mutter zu sein und Mutter zu werden ist schwierig, auch wenn das nicht oft so ehrlich und offen ausgesprochen wird. Es wird von vielen tiefgreifenden Veränderungen begleitet, an die du dich schnell anpassen musst. Das alles zu akzeptieren ist nicht einfach.

postnatale Depressionen

Wenn du feststellst, dass Gefühle der Traurigkeit nach der Geburt länger als zwei Wochen anhalten, dann raten wir dir, dass du dir professionelle Hilfe holst. Es gibt keinen Grund sich dafür zu schämen! Je früher du dir Unterstützung holst, desto besser.

Ob das nun eine Therapie oder Medikation nach sich zieht – es ist wichtig, die Hilfe von Experten anzunehmen und ihre Ratschläge zu befolgen. Dafür sind Experten schließlich da, oder?

Auch die folgenden Tipps können gegen postnatale Depressionen helfen:

  • Schau dich in deinem nächsten Umfeld nach Unterstützung um. Dein Partner, deine Familie und deine engsten Freunde können dir in vielerlei Hinsicht helfen. Sie können dir Aufgaben im Haushalt abnehmen, Erledigungen für dich machen oder dir auch einmal das Baby abnehmen.
  • Schäme dich nicht für das was du durchmachst. Versuche nicht, deine Gefühle zu verstecken oder zu unterdrücken. Und keinesfalls solltest du dich schuldig fühlen. Das macht es meist nur schlimmer. Du hast ein Recht, traurig zu sein und dich mit der neuen Situation überfordert zu fühlen.
  • Versuche mit anderen Müttern darüber zu reden. Viele Mütter glauben, dass sie sich glücklich fühlen müssen und verstecken ihre wahren inneren Gefühle, weil sie Angst haben dafür verurteilt zu werden.
  • Verabschiede dich von der Vorstellung der perfekten Mutter! Es gibt keine perfekten Mütter, aber es gibt gute Mütter. Konzentriere dich auf deine Genesung und schau auch nach dir selbst. Nur so kannst du auch für dein Baby da sein. Und mach dir keine Sorgen, dein Baby wird dich bedingungslos lieben.

Das Wissen, dass dein Kind dich braucht und zwar mehr als jeder andere auf dieser Welt wird dir dabei helfen, deine innere Stärke zu entdecken. Und das ist alles was du brauchst.

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