Ausgangsbeschränkung und Kinder mit geistiger Behinderung

21 Mai, 2020
Die aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen wegen der Pandemie sind für alle kompliziert. Aber gerade für Kinder mit geistiger Behinderung kann diese Zeit eine noch größere Herausforderung darstellen. Aus diesem Grund findest du hier ein paar Ideen, die dir helfen können, mit dieser Situation besser zurechtzukommen.

Die weltweite Krise wegen des Coronavirus hat in vielen Ländern zu Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen geführt. Diese stellen natürlich für alle eine Herausforderung dar. Doch besonders kompliziert kann diese Situation für Familien sein, die Kinder mit geistiger Behinderung zu Hause haben.

In den meisten Ländern betreffen die Maßnahmen auch die Schließung von Bildungseinrichtungen. Ebenso von Frühförderstellen, Tagesstätten oder Berufszentren. All diese Einrichtungen mussten geschlossen werden. Daher stehen viele Menschen mit Behinderung jetzt ohne ihre Therapien, ohne ihre gewohnten sozialen Beziehungen und ihre beruflichen Aktivitäten da. Das gilt nicht nur für Kinder mit geistiger Behinderung. Sondern auch für Erwachsene und ältere Menschen.

Daher findest du in diesem Artikel einige Ideen, die dir vielleicht helfen können. Damit du und dein geistig behindertes Kind in dieser Zeit der Ausgangsbeschränkung besser zurechtkommt.

Folgen der Ausgangsbeschränkung für Kinder mit geistiger Behinderung

Diejenigen Eltern, die die Ausgangsbeschränkungen mit geistig behinderten Kindern zu bewältigen haben, stehen vor einer ganz besonderen Herausforderung. In manchen Ländern gibt es aber bestimmte Ausnahmen der strengen Regelungen. Diese erlauben es zum Beispiel in Spanien, dass Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen oder anderen Verhaltensstörungen wenigstens für kurze Zeit aus dem Haus gehen können. Allerdings immer mit Begleitung.

Dort wurden diese Maßnahmen ergriffen, weil sich gerade bei diesen Kindern bestimmte negative Verhaltensweise verschlimmern könnten, wenn sie so lange Zeit nicht aus dem Haus dürfen. Dazu zählen Dinge wie Selbstverletzung, aber auch andere Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität. Einige der Auswirkungen der Ausgangsbeschränkung sind für Kinder mit geistiger Behinderung beispielsweise diese:

Kinder mit geistiger Behinderung: lachendes Kind mit Down-Syndrom

  • Gesteigerte Reizbarkeit
  • Wutausbrüche von großer Intensität
  • Nichtakzeptanz von Grenzen
  • Übermäßige motorische Unruhe
  • Gesteigerte Aggressivität

Ausgangsbeschränkung: Ideen für Kinder mit geistiger Behinderung

Besonders wichtig: Aufrechterhalten von Routinen

Gerade in dieser Ausnahmesituation ist vor allem eins wichtig: Die gewohnten Routinen müssen so weit wie möglich aufrecht erhalten werden. Also solltet ihr als Familie einen gut organisierten Zeitplan für Mahlzeiten, Körperpflege, Schlafen und weitere Aktivitäten einhalten. Und das tut nicht nur den Kindern gut. Sondern ist auch für die Erwachsenen wichtig und wohltuend.

Du solltest unter diesen Umständen nicht zu viel verlangen

Auch wenn du gern alles unter Kontrolle hast: Unter diesen Umständen wird das kompliziert sein. Aus diesem Grund ist es besser, deine Erwartungen während dieser Ausnahmesituation ein wenig anzupassen und nicht zu große Ansprüche an dich oder die anderen zu stellen.

Besser ist es, du setzt dir und deiner Familie jeden Tag ein paar bestimmte Ziele und verlangst dabei nicht zu viel. Denn auf diese Weise wirst du dich über die kleinen Errungenschaften freuen können, die alle gemeinsam erzielen.

Sicherheit und Vertrauen vermitteln und eine angenehme Umgebung schaffen

Eine gute Idee für Kinder mit geistiger Behinderung könnte auch folgende sein: Du kannst ihnen kleine Aufgaben und damit Verantwortung übertragen. Also zum Beispiel indem sie dir helfen, den Tisch zu decken, oder die Waschmaschine zu füllen usw. Außerdem könnt ihr gemeinsam Spiele spielen, die die Kinder besonders gut können. Denn das gibt ihnen das Gefühl von Sicherheit und sie fühlen sich wertgeschätzt und anerkannt.

Auch eine gute Idee: Körperliche Bewegung für Kinder mit geistiger Behinderung

Gerade während dieser Zeit ist ausreichend körperliche Bewegung für Kinder mit geistiger Behinderung wichtig. Dadurch wird die Ausgangsbeschränkung etwas leichter zu ertragen.

Dies kannst du zum Beispiel mit verschiedenen Spielen erreichen. Dabei ist wichtig, dass diese viel Bewegung mit sich bringen und die Kinder so Energie freisetzen können. Also könntet ihr Kitzelspiele oder Ballspiele machen. Aber auch Yoga für Kinder ist eine gute Möglichkeit, oder ihr erstellt einen kleinen Hindernisparcours mit den Dingen, die ihr zu Hause habt.

Hauptsache ist, dass sich die Kleinen bewegen. Denn so kannst du vermeiden, dass es zu bestimmten problematischen Verhaltensweisen wie beispielsweise Wutausbrüchen kommt. Denn diese treten häufig auf, wenn Kinder lange Zeit nicht in der Lage sind, sich ausreichend Bewegung zu verschaffen.

Leichter durch die Ausgangsbeschränkung mit Kreativität

Natürlich ist die Förderung von Kreativität immer wichtig für Kinder mit geistiger Behinderung und das gilt umso mehr für diese Zeit. Also kannst du die Gelegenheit nutzen und Spiele vorschlagen, die für die Kinder neu und attraktiv sind. Zum Beispiel könnt ihr gemeinsam basteln. Denn da gibt es Tausende von Ideen zur Auswahl. Man findet immer etwas, was den Interessen und Vorlieben jedes einzelnen angepasst werden kann.

Auch wichtig: Zeit zum Ausspannen

So wie sonst, ist auch jetzt wichtig, dass es Zeit zum Ausspannen für die ganze Familie gibt. Und das können Dinge sein, die jeder für sich macht, oder auch gemeinsame Aktivitäten. Also vielleicht das Lesen eines Buches, oder das gemeinsame Anschauen eines Films. Ihr könnt auch zusammen spielen, oder mit Freunden sprechen… Jeder kann hier wählen, was er oder sie gerade will und braucht.

Junge hört Musik

Jeden Tag Zeit einplanen für die Aufgaben, die die besondere Konzentration der Kinder mit geistiger Behinderung erfordern

Es ist zu empfehlen, dass du auch Folgendes versuchst: Mit den Kindern ähnliche Aktivitäten durchzuführen, wie sie es in ihren therapeutischen Einrichtungen normalerweise machen. Denn auf diese Weise kannst du ihnen dabei helfen, ihre Routine beizubehalten. Ihr werdet den Zielen, die ihr euch gesetzt habt, näher kommen. Außerdem wird es dadurch nach dieser Zeit der Ausnahmebeschränkung einfacher, wieder zur gewohnten Routine zurückzukehren.

Auch eine gute Idee: Musik hören

Falls das Kind unruhig ist, kann Musik dabei helfen, dass es sich entspannt. Am besten sollte das Kind dabei die Augen schließen. Du kannst ihm helfen, sich schöne Dinge vorzustellen. Du kannst Musik aber auch noch auf andere Art und Weise nutzen: Ihr könnt zu Musik tanzen oder singen. Wichtig ist, dass den Kindern die Musik gefällt und dass sie dabei Spaß haben!

Nicht vergessen: Gesunde Ernährung und natürliches Sonnenlicht sind auch wichtig

In dieser Zeit kannst du mit deinen Kindern nicht richtig rausgehen. Aber wir alle brauchen natürliches Sonnenlicht und das damit einhergehende Vitamin D. Deshalb ist es eine gute Idee, dass du dafür sorgst, dass deine Kleinen möglichst viel an die Sonne kommen. Das kann draußen im Garten oder auf dem Balkon sein, zur Not auch einfach an einem Fenster.

Genauso wesentlich ist es, dass du darauf achtest, dass sich deine Familie gesund ernährt. Denn eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist unerlässlich dafür, dass alle gesund bleiben. Natürlich gehört auch dazu, dass ihr ausreichend Flüssigkeit zu euch nehmt.

Wir hoffen, dass diese Ideen und Ratschläge helfen können, die Zeit der Ausgangsbeschränkung für Eltern und ihre Kinder mit geistiger Behinderung leichter zu machen. Natürlich sind all diese Tipps auch auf den Rest der Kinder sowie die Erwachsenen ausdehnbar. Denn allen können diese Ideen helfen, in dieser komplizierten Zeit körperlich und emotional gesund zu bleiben.