Das Wochenbett: psychologische Aspekte

17 Juli, 2019
Das Wochenbett ist nicht nur ein körperlicher Rückbildungsprozess nach der Entbindung, sondern auch ein psycho-emotionaler Prozess, in dem sich eine Frau als Mutter neu entdeckt, verändert und die emotionale Bindung zu ihrem Kind aufbaut. 
 

Das Wochenbett ist die Zeit nach der Geburt, in der sich die schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen des Körpers wieder zurückbilden. Von der Ablösung der Plazenta bis zur Rückbildung der Gebärmutter und der Erholung des gesamten Körpers oder bis die erste Periode wieder auftritt, spricht man vom Wochenbett oder Kindbett.

Doch dabei geht es nicht nur um physische und physiologische Aspekte. Auch psychologische Veränderungen sind in dieser Zeit von großer Bedeutung. 

Es handelt sich um eine Phase der physischen und psychischen Anpassung der Frau, die sich nach der Geburt ihres Kindes an einen neuen Lebensabschnitt gewöhnen muss. Alles verändert sich, doch oft werden die psychologischen Aspekte zu wenig beachtet und wir wissen auch zu wenig Bescheid darüber. 

Sie sind jedoch so wichtig, dass manche vom „psychologischen Wochenbett“ sprechen. Damit wird der gesamte psycho-emotionale Prozess nach der Entbindung bezeichnet, in dem sich eine Frau neu entdecken und an ihre neue emotionale Situation mit ihrem Baby anpassen muss. 

Das Wochenbett: Was bedeutet diese Zeit für die frischgebackene Mutter?

Ein Kind verändert das ganze Leben, die tägliche Routine und natürlich auch den Körper der Mutter. Die körperlichen Veränderungen sind der Spiegel der veränderten Hormonproduktion, die für besondere emotionale Empfindlichkeit sorgt. Dies kann sich beispielsweise an unerwarteten Stimmungsschwankungen oder intensiven emotionalen Ausbrüchen von Zorn, Traurigkeit, Fröhlichkeit usw. zeigen.

 
Das Wochenbett kann Depressionen zur Folge haben

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Diese psychologischen Aspekte, die das Kindbett mit sich bringt, sind kein Problem, sondern vielmehr eine Notwendigkeit. Denn die Mutter braucht alle ihre Sinne in Bestform, um ihr Baby kennen- und verstehen zu lernen und um seine Emotionen und seine Bedürfnisse zu erkennen.

In der Zeit nach der Geburt und bis zum ersten Lebensjahr des Kindes hängt dieses ganz besonders von seiner Mutter ab. Das kann für die Mutter sehr anstrengend sein, insbesondere anfangs, wenn sich der Körper noch von den Strapazen der Geburt erholen muss.

Ein Baby hat viele Bedürfisse und muss 24 Stunden am Tag versorgt werden, was dazu führt, dass die frischgebackene Mutter oft ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen muss, insbesondere was Essen und Schalfen anbelangt.

Sich auf das Baby einzustellen und es tiefgehend zu kennen braucht seine Zeit. Die Mutter muss lernen, das Weinen ihres Kindes zu verstehen, sie muss wissen, wann es Essen braucht und wann und wie es am besten schläft. All dies ist anfangs eine Herausfroderung.

 

In dieser Zeit ist die Bindung zwischen Mutter und Kind besonders wichtig, doch auch dies braucht Zeit und Konzentration.

Dazu kommt, dass auch das normale Alltagsleben weiter geht: Hausarbeiten, Besuche empfangen, Geschwisterchen betreuen oder zurück zur Arbeit… Deshalb experimentieren viele Frauen in dieser Zeit Traurigkeit, die auch als „Baby Blues“ bezeichnet wird, oder fühlen sich psychologisch überfordert. 

Jede Frau befindet sich in einer unterschiedlichen sozialen und familiären Situation; jeder Frau stehen auch verschiedene emotionale Werkzeuge zur Verfügung, um sich all den Aufgaben zu stellen. Das Wochenbett und die erwähnten psychologischen Aspekte haben keine bestimmte Zeitdauer. Doch im Allgemeinen kann diese Anpassungsphase ein bis zwei Jahre dauern.

Das Wochenbett: Wie können die psychologischen Aspekte kontrolliert werden?

Die Unterstützung und das Verständnis seitens des Partners und der Familie sind grundlegend, um ein Gleichgewicht herzustellen und mit der Situation richtig umzugehen. Außerdem haben wir noch ein paar Tipps für dich, damit du das Wochenbett auch genießen kannst.

 
  • Informiere dich bereits vor der Geburt deines Kindes ausreichend und bereite dich vor. Es ist wichtig, dass du dir dein neues Leben vorstellst und gewisse alltägliche Situationen vorwegnimmst (denke beispielsweise darüber nach, wer kochen wird, wer möglicherweise vorhandene Geschwister in den ersten Tagen betreuen wird, welche Probleme in dieser Zeit häufig auftreten, wie der Stillprozess abläuft usw.).
  • Akzeptiere jede Hilfe von Freunden und Familie. Das Wochenbett ist nicht der geeignete Augenblick, um dir oder anderen zu beweisen, dass du alles alleine erledigen kannst. Unterstützung ist in dieser Zeit wichtig und kann dir helfen, die ersten Wochen besser zu bewältigen.
  • Die goldene Regel im Wochenbett: „Baby schläft, Mama schläft.“ Nutze jeden Augenblick, um auch selbst zu entspannen! Dein Partner oder deine Familie können dir im Haushalt helfen und Besuche in Empfang nehmen, damit du Zeit zum Schlafen hast!
  • Bringe deine Gefühle zum Ausdruck, reagiere dich ruhig ab. Sprich mit deinem Partner, damit er dich besser versteht. Oder pflege Kontakt zu Personen, die sich gerade in derselben Lage beefinden und gerne Erfahrungen mit dir austauschen.
das Wochenbett: Mutter braucht auch Auszeit
 

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  • Falls nötig, solltest du dir professionelle Hilfe besorgen. Zwar experimentieren alle Frauen im Wochenbett starke emotionale Schwankungen, doch in manchen Fällen ist professionelle Unterstützung wichtig, um eine postpartale Depression zu vermeiden. 

«Im Allgemeinen kann diese Anpassungsphase ein bis zwei Jahre lang dauern.»

Jede Veränderung stellt uns emotional auf die Probe. Doch vergiss nicht, dass die Mutterschaft die beste Möglichkeit ist, sich persönlich zu entwickeln, zu reifen und zu erneuern. Gönne dir Ruhe, emotionale Unterstützung und informiere dich ausreichend, um auch diese Lebensphase genießen zu können.