Warum sind Jugendliche so leicht beeinflussbar?

7. Dezember 2019
Viele Eltern fragen sich, warum ihre Kinder während der Pubertät so empfänglich für soziale Einflüsse sind. Emotionale Instabilität, Unsicherheit und ihr Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit machen Jugendliche so beeinflussbar.

Warum sind Jugendliche so leicht beeinflussbar? Die Pubertät ist eine wichtige Entwicklungsphase. Während dieser Phase formt sich unsere Identität, durch die wir uns definieren und die uns einzigartig macht.

Obwohl dies widersprüchlich scheinen mag, haben Teenager nicht wirklich das Bedürfnis, anders zu sein. Die Angst davor, anders als ihre Freunde zu sein, verursacht emotionale Unsicherheit. Daher sind Teenager auch so empfänglich für soziale Einflüsse und lassen sich leicht beeinflussen.

Heranwachsende sehnen sich danach, ein Teil ihres sozialen Umfelds zu sein. Sie brauchen das Gefühl, ein Teil der Gesellschaft zu sein. Ganz besonders wollen sie sich unter Gleichaltrigen zugehörig fühlen. Diese Gruppenzugehörigkeit spielt in der Pubertät eine ganz wichtige Rolle. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Eltern ihre Vorbilder, an denen sie sich orientiert haben.

Allerdings ändert sich dies, wenn sie in die Pubertät kommen. Dann gibt es einen weiteren, sehr wichtigen Bezugspunkt in ihrem Leben: ihre gleichaltrigen Freunde.

Wenn wir davon sprechen, dass Teenager leicht beeinflussbar sind, dann ist dies nicht ausschließlich negativ. Wenn sie beispielsweise in der Schule einen guten Lehrer hatten und daher entscheiden, dieses Fach zu studieren, dann ist dies durchaus positiv. Es kann auch sein, dass sie mit einer bestimmten Sportart beginnen, weil ihre Freunde ebenfalls diesen Sport betreiben.

Was genau ist sozialer Einfluss und warum sind Jugendliche so leicht beeinflussbar?

Der Psychologe P. G. Zimbardo und Michael Leippe verstehen sozialen Einfluss als einen Prozess, der das Verhalten einer Person verändert, je nachdem wie sich ein anderer Mensch verhält, fühlt oder über bestimmte Reize denkt. Daher lässt sich feststellen, dass sozialer Einfluss Auswirkungen auf die Gedanken und das Verhalten hat.

In der Sozialpsychologie unterscheidet man zwei Arten sozialer Einflüsse:

  • Informativer sozialer Einfluss. Besonders in der Pubertät können verschiedene Kontexte Auswirkungen auf diesen sozialen Einfluss nehmen. Beispielsweise beobachten Teenager andere, um dadurch Informationen von ihrem Umfeld zu erhalten. Sie tun dies auch, wenn sie in einer bestimmten Situation unsicher sind.
  • Normativer sozialer Einfluss. Lange wurde die Pubertät als rebellische Phase angesehen. Allerdings ist der Überlebensinstinkt während dieses Lebensabschnitts noch stärker. Daher passen sich die Jugendlichen instinktiv ihrem Umfeld an. Damit sie in die Gesellschaft integriert werden, müssen sie auch die gesellschaftlichen Normen akzeptieren.
Jugendliche - Gruppe

Soziale Konformität nach Asch

Salomon Asch war der erste, der die soziale Konformität untersucht hat. In seinem Konformitätsexperiment zeigte Asch den Einfluss auf, den soziale Gruppen auf Individuen ausüben.

In seiner Studie wurden den Probanden Fragen gestellt, die sie beantworten sollten. Dabei wurden sie sowohl alleine als auch in einer Gruppe befragt (die anderen Gruppenmitglieder waren allerdings Schauspieler). Das Experiment zeigte, dass die Probanden ihre Antworten änderten, wenn sie in der Gruppe befragt wurden.

Daraus wird ersichtlich, wie die Gruppenmeinung die Probanden beeinflusst hat. Die Gruppe setzte den Einzelnen unter Druck  (Gruppenzwang), bis dieser seine Meinung an die Gruppenmeinung anpasste, selbst dann, wenn diese Einschätzung falsch war.

Soziale Konformität ist ein normativer Einfluss. Dank dieser Theorie können wir auch verstehen, warum sich Jugendliche zu Hause, in der Schule oder mit ihren Freunden anders verhalten.

Obwohl Jugendliche durchaus ihre eigene Meinung haben, ändern sie diese Meinung je nach dem Druck, den sie von anderen verspüren. Daher verhalten sie sich auch anders, wenn sie mit Gleichaltrigen zusammen oder alleine sind.

Die Motive, die zu sozialer Konformität führen, sind vielfältig. Jugendliche vergleichen sich mit ihren Freunden und akzeptieren dann auch deren Kriterien. Außerdem wollen sie dadurch verhindern, sich lächerlich zu machen, da sie Angst davor haben, aus der Gruppe ausgegrenzt zu werden.

“Selbstvertrauen führt nicht zwangsläufig zum Erfolg, aber mangelnder Glaube an sich selbst und Selbstzweifel führen ganz sicher zum Scheitern.“

–Albert Bandura–

Jugendliche und sozialer Druck

Wenn Jugendliche sich von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt fühlen, dann kann dies dazu führen, dass sie Dinge tun, die sie eigentlich gar nicht wollen. Teenager verändern ihre eigenen Werte, weil sie von ihren Freunden akzeptiert und geschätzt werden wollen. Daher passen sie sich an, um sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass Eltern wissen, wie sie ihre Kinder dabei unterstützen können, mit sozialem Druck umzugehen. Folgende Dinge kannst du tun:

  • Bringen ihnen bei, „Nein“ zu sagen. Wenn deine Kinder sich schwer damit tun, „Nein“ zu sagen, dann kann es hilfreich sein, dass du ihnen andere Wege beibringst, ihren Standpunkt zu vertreten. Wenn jemand deinem Kind eine Zigarette anbietet, dann könnten mögliche Antworten lauten: „Ich mag den Geschmack nicht“ oder „Ich mag den Geruch von Zigarettenrauch nicht“.
  • Erweitere ihren sozialen Kreis. Unterstütze deine Kinder dabei, Freundschaften in verschiedenen sozialen Umfeldern zu schließen. Wenn sie verschiedene Freundeskreise haben, dann haben sie dadurch unterschiedliche Optionen und sind nicht auf ein einziges Umfeld angewiesen, falls es zu Problemen kommen sollte.
  • Ermutige und bestärke sie darin, sie selber zu sein. Häufig bewahrt ein gesundes Selbstbewusstsein Teenager davor, dem Gruppenzwang zu erliegen. Wenn Jugendliche nicht mit sich selber zufrieden sind oder an ihrer eigenen Meinung zweifeln, dann solltest du ihnen dabei helfen, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Zeige ihnen, dass der beste Weg, glücklich zu sein, darin besteht, sie selbst zu sein.
  • Stärke ihr Selbstwertgefühl. Je stärker das Selbstwertgefühl von Kindern und Teenagern ist, desto besser können sie dem sozialen und medialen Druck standhalten und widerstehen.
Jugendliche - gemeinsame Aktivität

Jugendliche ändern ihr Verhalten nicht nur, um sich an ihr Umfeld anzupassen. Gleichzeitig wird ihre Identität auch durch zahlreiche soziale Einflüsse geprägt.

Abschließende Gedanken

Es ist ganz normal, dass Teenager von ihrem Umfeld leichter beeinflussbar sind. Dies gilt in der heutigen Zeit ganz besonders, da die sozialen Medien einen entscheidenden Einfluss auf die Teenager haben.

Außerdem sind Teenager anfälliger für sozialen Druck und Gruppenzwang, weil sie nicht nur sich selber entdecken, sondern gleichzeitig auch ihren Platz in der Welt finden wollen. Daher ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass Jugendliche ein Gleichgewicht finden, bei dem sie einerseits sie selbst sein können und sich gleichzeitig an ihre Umgebung anpassen.

  • Asch, S. (1956). Studies of independence and conformity: I. A minority of the one against a unanimous majoriy. Pshychological Monographs, 70 (9): 1-70.
  • Zimbardo, P.G., y Leippe, M.R. (1991). McGraw-Hill series in social psychology. The psychology of attitude change and social influence. New York, NY, England: Mcgraw-Hill Book Company