Zu strenge Eltern, rebellische Kinder

22. Oktober 2019
Oft geht man davon aus, dass eine zu nachsichtige und freizügige Erziehung zu rebellischen Kindern führt. Doch auch zu strenge Eltern mit einem autoritären und restriktiven Erziehungsstil bringen aufmüpfige und störrische Teenager hervor. Tatsächlich sieht es so aus: Je strenger die Erziehung, desto mehr verspüren die Jugendlichen das Bedürfnis, sich gegen die Familie aufzulehnen.

Die Kindheit und die Beziehung zu den Eltern prägen die Persönlichkeit für das ganze Leben. Oft glauben Mütter und Väter, dass sie mit einer autoritären Erziehung das Richtige für ihren Nachwuchs tun. Doch können zu strenge Eltern damit durchaus das Gegenteil erreichen. Denn oft kommt es dadurch dazu, dass ihre Kinder rebellieren.

Zu strenge Eltern

Es gibt ganz verschiedene Erziehungsstile. Dabei unterscheiden sie sich zum Beispiel in Bezug auf das Maß an von den Eltern gestellten Ansprüchen. Sowie das Maß an Zugneigungsbekundungen. Ein autoritärer Stil, den zu strenge Eltern gern anwenden, zeichnet sich durch sehr hohe Ansprüche und Erwartungen aus. Zudem herrschen auch starke Kontrolle sowie Disziplin vor. Normalerweise kommt es zu wenigen offenen Bekundungen von Zuneigung, oder es werden überhaupt kaum Gefühle ausgedrückt.

Im Falle dieser Eltern sind folgende Erziehungsmethoden üblich: Sie setzen auf Disziplin, Bestrafung und auch Drohungen. Dabei bestrafen sie eventuell unangemessenes Verhalten ihrer Kinder hart, aber ohne ihnen eine Erklärung dafür zu geben. Außerdem liegt ihr Interesse darin, dieses falsche Verhalten auszumerzen. Sie glauben, dass dafür ein Dialog nicht notwendig ist. Denn es zählt nur der Gehorsam.

Darüber hinaus legen zu strenge Eltern ihre Regeln einfach ohne jeglichen Raum für Diskussionen fest. Sie erlauben ihren Kindern in der Regel nicht, ihre Meinung zu äußern. Ebenso wenig sind sie in irgendeiner Weise bereit, zu verhandeln. So unterdrücken und beschränken sie die individuelle Freiheit ihrer Kinder. Außerdem missachten sie damit auch die Bedeutung und den Wert der Interessen und Bedürfnisse ihres Nachwuchses.

Beim autoritären Erziehungsstil verlangen Eltern also vor allem Gehorsam und Respekt. Außerdem üben sie eine übermäßige Kontrolle aus. Sie versuchen, bei ihren Kindern um jeden Preis gutes Verhalten zu erreichen. Doch ohne sich darüber bewusst zu sein, können sie auf diese Weise etwas ganz anderes erreichen: Denn so passiert es, dass zu strenge Eltern junge Menschen aufziehen, die unterdrückt sind und die im Ungehorsam den einzigen Weg sehen, um auf diese Situation zu reagieren.

Zu strenge Eltern: Rebellische Tochter mit Mutter

Rebellische Kinder

Viele denken, dass eine zu nachsichtige und freizügige Erziehung zu rebellischen Kindern führt. Und sicher stimmt das auch. Aber genauso kann auch eine zu strenge Erziehung zu diesem Ergebnis führen. Auch wenn sich darüber bisher wenige bewusst sind.

Denn oft nimmt man an, dass Eltern, die auf strenge Art und Weise erziehen, erreichen, dass ihre Kinder das richtige Verhalten erlernen. Aber normalerweise führt dieser übermäßig strenge Erziehungsstil zu folgenden Szenarien bei den Kindern: Entweder wachsen sie zu ängstlichen Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl heran. Oder es werden aus ihnen Rebellen. Denn so finden sie ein Ventil, um sich gegen diese ungerechte Situation zu wehren. Beide Wege sind gleichermaßen ungesund.

Man muss bedenken, dass alle Menschen den Wunsch und das Bedürfnis haben, ihre Individualität zu entwickeln und diese auch zum Ausdruck zu bringen. Alle sehnen sich von klein auf danach, von den Eltern anerkannt und gehört zu werden und alle wollen selbstständige Entscheidungen treffen können. Auch bei kleinen Dingen, wie zum Beispiel, was man jeden Tag anzieht.

Es ist die Pflicht jedes Elternteils, seinen Kindern ein sicheres Umfeld zu bieten und dafür zu sorgen, dass sie in diesem Umfeld ihre Persönlichkeit entdecken und entwickeln können. Ein Ort, an dem sie ihr eigenes Wesen entfalten können.

Wenn Eltern zu streng und restriktiv sind, finden Kinder keinen Platz und kein Gehör. Denn zu strenge Eltern führen keinen Dialog mit ihren Kindern und sie hören nicht auf sie. Auch verbringen sie keine Zeit damit, ihre Sprösslinge wirklich kennenzulernen. Denn sie wollen nur blinden Gehorsam.

Das schafft jedoch ein familiäres Umfeld voller Stress, in dem es an Zuneigung mangelt. All dies führt zu einem starken Gefühl von Unglück. Solche Kinder, die ihre ganze Kindheit lang zum Schweigen gebracht wurden, werden dann in der Pubertät kämpfen, um sich Gehör zu verschaffen.

Die Pubertät

Die Pubertät ist das Stadium der Rebellion par excellence. In dieser Phase neigen alle jungen Menschen dazu, Autorität in Frage zu stellen und Regeln zu brechen. Doch sie tun es nicht, um ihre Eltern zu ärgern. Vielmehr sind sie einfach Individuen, die sich entwickeln und nach ihrer Identität suchen.

Jugendliche raucht eine Zigarette

In einer familiären Atmosphäre, in der es gesunde und liebevolle Beziehungen gibt, werden die Jugendlichen diese Phase ohne große Schwierigkeiten überstehen. Denn sie wissen sich von ihren Eltern respektiert und unterstützt. Daher werden sie in der Lage sein, ihren Eltern in der Wahl bestimmter Kriterien zu vertrauen und diese zu respektieren. Außerdem wissen sie auch, wie sie mit ihnen auch darüber verhandeln können.

Doch Eltern, die von Anfang an einen autoritären Erziehungsstil verfolgen, haben auf diese Art eine ganz andere familiäre Atmosphäre geschaffen. Nämlich eine, in der das Gefühl von Ungerechtigkeit und Zwängen vorherrscht. Dies erzeugt bei ihren Kindern ein extremes Bedürfnis danach, sich als Personen zu behaupten. Und auch danach, ihre Unversehrtheit zu bewahren.

Dann kann in der Pubertät dieser rebellische Ausbruch der Teenager und ihr entschlossener Widerstand gegenüber den Eltern durchaus ernsthafte Probleme bereiten. Dabei kann es dazu kommen, dass sie auf eine Art persönliche Rebellion setzen und damit einhergehend zu Tabak, Alkohol oder Drogen greifen. Auch passiert es in anderen Fällen, dass die Jugendlichen völlig über die Stränge schlagen und sich völlig unverantwortlich und aggressiv verhalten, wenn ihre Eltern nicht anwesend sind.

Daher sollten Eltern, die diese Art von Situationen vermeiden wollen, versuchen, einen anderen Erziehungsstil zu wählen. Dieser sollte möglichst klare und schlüssige Regeln aufweisen und vor allem sollten aber Liebe und Unterstützung vorherrschen. Denn als Mutter und Vater musst du in der Lage sein, deinen Kindern zuzuhören und sie zu respektieren. Zudem musst du ihnen Raum geben, um sich als unabhängige Wesen zu entwickeln.

Zu strenge Eltern: Kein Gleichgewicht zwischen Regeln und Freiräumen

Das Ziel der Erziehung sollte Folgendes sein: Deine Kinder sollten Respekt und Gehorsam aus Überzeugung annehmen. Weil sie bestimmte Werte verinnerlicht haben und niemals aus Angst vor den Eltern oder der Bestrafung. Ein junger Mensch, dessen Eltern das Gleichgewicht zwischen dem Setzen von Grenzen und einem Freiraum zum Experimentieren gefunden haben, wird in der Pubertät nicht das Bedürfnis verspüren, zu rebellieren.

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  • Calleja, N., & Aguilar, J. (2008). Por qué fuman las adolescentes: Un modelo estructural de la intención de fumar. Adicciones20(4), 387-394.