Kinder vor anderen loben, zu Hause zurechtweisen

20. März 2019
Der einflussreiche brasilianische Pädagoge Paulo Freire lehrte, dass die Erziehung immer mit Liebe und nie mit Schmerzen erfolgen sollte. Doch sehr häufig sehen wir Eltern, die ihre Kinder vor anderen zurechtweisen, oder sogar anschreien.

Der einflussreiche brasilianische Pädagoge Paulo Freire lehrte, dass die Erziehung immer mit Liebe und nie mit Schmerzen erfolgen sollte. Doch sehr häufig sehen wir Eltern, die ihre Kinder vor anderen zurechtweisen, oder sogar anschreien.

Dies ist ein großer Fehler, denn damit werden negative Emotionen nur verstärkt, ohne eine Lösung zu finden.

Sie sagen Dinge, die unpassend sind, stören andere, weil sie zu laut sind oder berühren Dinge zur falschen Zeit und am falschen Ort. Das macht uns nervös und kann dazu führen, dass wir sie vor anderen zurechtweisen und wir verärgert reagieren. Doch das ist nicht der beste Weg.
Es geht nicht darum, alles zu erlauben. Doch man muss Fehlverhalten weise, passend und respektvoll stoppen. 
Du kannst dein Kind dann zu Hause zurechtweisen und ihm erklären, was an seinem Verhalten falsch war. Doch vor anderen solltest du das nicht tun und du solltest auch nicht verletzend werden.
Du würdest dich selbst auch nicht freuen oder wohl fühlen, wenn man dich vor anderen rügt. Oder dich in der Öffentlichkeit anschreit und sagt: „Man kann dich nirgends mitnehmen, du bist hoffnungslos verloren, du kannst dich nicht benehmen.“ Was gewinnst du damit?
Du erreichst damit nur, negative Gefühle zu intensivieren und gerätst in einen Teufelskreis. Ihr werdet euch beide schlecht fühlen, doch die Situation wird damit nicht besser. Es ist unpassend und kontraproduktiv, deshalb solltest du dein Kind nicht vor anderen zurechtweisen. 
Vater soll Tochter nicht vor anderen zurechtweisen

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Ein Kind vor anderen aggressiv zurechtweisen ist kontraproduktiv

Denke an eine Situation, die sehr häufig vorkommt: Ein Lehrer korrigiert seine Schüler und weist sie auf verschiedene Arten zurecht.

Dabei können Aussagen wie „du bist faul“, „du wirst dieses Fach nie bestehen“, oder „du bist in Mathe vollkommen unfähig“ fallen. Doch dies ist für den Schüler frustrierend und motiviert ihn keinesfalls. 

  • Man sollte ein Kind nie vor anderen zurechtweisen oder disqualifizieren. Damit wird es emotional belastet, sein Selbstwertgefühl wird verletzt und es wird als „faul“ oder „unfähig“ etikettiert.
  • Langfristig kann sich diese „Prophezeiung“ tatsächlich erfüllen. Denn das Kind denkt: „Warum soll ich mich anstrengen, wenn mein Lehrer sagt, dass ich in Mathe unfähig bin?“
  • Außerdem glauben durch diese Aussagen auch die Mitschüler, dass das Kind faul oder unfähig ist, denn schließlich hat dies der Lehrer gesagt.

Man kann ein Kind zurechtweisen, damit es aufhört während des Unterrichts zu sprechen. Danach ladet man es zu einem Privatgespräch ein. Es ist nicht notwendig, vor anderen weiter über das Thema zu sprechen.

Der Lehrer kann dem Kind dann Strategien zeigen, um sich zu verbessern. Dadurch kann es motiviert werden und auch sein Verhalten ändern. Außerdem verbessert sich so die Beziehung und das Kind kann seine Gedanken und Bedürfnisse ausdrücken. 

Löwe und Kaninchen

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Eltern, die das Kind aggressiv zurechtweisen

Wenn der Vater oder die Mutter das Kind anschreit, fehlt es ihnen an emotionaler Intelligenz. Sie lassen sich von negativen Emotionen leiten und können das Kind traumatisieren.

  • Wenn man in der Öffentlichkeit zornig auf das Verhalten des Kindes reagiert, kann man damit genau das Gegenteil erreichen und sich weiter von der Lösung entfernen.
  • Anschreien führt zu AngstDas ist keine Erziehungsform und hat negative Konsequenzen für die Entwicklung des Kindes: Damit wird sein Selbstwertgefühl geschwächt, es wird unsicher, frustriert, aggressiv…

Zu Hause zurechtweisen, in der Öffentlichkeit loben

Wann hast du deinen Sohn oder deine Tochter zuletzt vor anderen gelobt? Heute? Du weißt wahrscheinlich, wie wichtig es ist, vor anderen zu zeigen, wie stolz du auf dein Kind bist.

Du machst das sicher auch zu Hause, doch wenn du dein Kind vor anderen lobst, kannst du sein Selbstwertgefühl auf ganz besondere Weise stärken, insbesondere wenn das Kind noch klein ist.

Wir nennen anschließend noch einige Aspekte, die du nicht vergessen solltest:

Vergleiche dein Kind nie mit anderen. Lass es fühlen, dass es der oder die Beste ist!

Manche Eltern begehen den Fehler, vor ihren Kindern Aussagen wie folgende zu zu anderen zu sagen und zu glauben, dass ihre Kinder diese nicht wahrnehmen:

  • „Dein Sohn ist meinem um einiges voraus.“
  • „Der Kleinste ist der der Langsamste von allen, ich weiß gar nicht, was ich mit ihm tun soll.“

Vermeide diese oder ähnliche Sätze. Du musst sie positiv formulieren:

  • „Mein Kind ist ein ganz besonderer Mensch, es ist das beste der Welt!“
  • „Meine Tochter ist jeden Tag noch hübscher und intelligenter, sie wird alles, was sie will, erreichen!“
Eulenmama wird ihr Eulenbaby nicht vor anderen zurechtweisen

Verwende positive Möglichkeiten

Du solltest dein Kind zu Hause auf einfühlsame, nahe und liebevolle Weise zurechtweisen. Vermeide es, es zu ettikettieren oder fatalistisch zu sein („Du wirst das nie lernen!“).

Übe konstruktive und positive Kritik:

  • Wenn du dich ein bisschen mehr bemühst, wirst du es schaffen. Ich bin hier, um dir zu helfen.
  • Du hast dich schlecht benommen, doch ich bin mir sicher, dass du mir auch zeigen kannst, wie gut und verantwortungsbewusst du bist.
  • Ich weiß, dass du dich geirrt hast, doch ich vertraue in dich und weiß auch, dass du es beim nächsten Mal perfekt machen wirst.
  • Du musst verstehen, dass du dich nicht richtig benommen hast. Ich werde dir jetzt zeigen, wie es richtig ist, damit du mir beweisen kannst, wie wunderbar du bist.

Wenn du diese einfachen Ratschläge praktizierst, wirst du damit viel mehr Erfolg haben, als wenn du dein Kind vor anderen schlecht machst. Erziehe es ohne Angst! Liebe, Respekt und Zärtlichkeit sind wichtig, um glückliche Kinder zu erziehen. 

Bilder von Sonja Wimmer