Körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft

31. Juli 2019
Bei schwangeren Frauen gibt es viele körperliche Veränderungen. Hier kannst du mehr darüber erfahren, was alles während der Schwangerschaft mit deinem Körper passiert und warum.

Körperliche Veränderungen bei Schwangeren treten aus einem ganz einfachen Grund auf: Der ganze Organismus stellt sich komplett um. Denn jetzt gilt es, bereit zu sein für die Bedürfnisse und neuen Anforderungen des heranwachsenden Fötus. Dieser Anpassungsprozess betrifft alle Teile und Systeme deines Körpers.

Dabei erleben jedoch nicht alle Frauen diese Entwicklung auf die gleiche Weise. Jede kann in unterschiedlichem Maße körperliche Veränderungen erfahren. In diesem Artikel stellen wir sie dir vor.

Körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft

Veränderungen im Fortpflanzungsapparat

In diesem Fall ist die Gebärmutter das Organ des weiblichen Fortpflanzungsapparats, das die meisten Veränderungen erfährt. Denn sie nimmt deutlich an Größe zu. Dabei erreicht sie schließlich ein Fassungsvermögen von etwa 5 Litern. Am Ende der Schwangerschaft ist sie bereit für ein Gewicht von 1.100 Gramm.

Bei einer nicht schwangeren Frau befindet sich die Gebärmutter auf der Höhe des Beckens. Während der Schwangerschaft jedoch nimmt sie immer mehr Platz ein und reicht schließlich bis in den Bauchraum. Deshalb kannst du sie mit zunehmender Größe sogar durch den Bauch hindurch ertasten.

Das Anwachsen der Gebärmutter ist eines der üblichsten Kriterien, um die Entwicklung der Schwangerschaft zu kontrollieren. Dieses Wachstum ist zum einen auf die Wirkung der Hormone Östrogen und Progesteron zurückzuführen; zum anderen jedoch darauf, dass sich die Gebärmutter dem Wachstum des Fötus entsprechend von innen her ausdehnt.

Zudem fließt mit fortschreitender Schwangerschaft auch mehr Blut durch die Gebärmutter. Denn dadurch wird für eine ausreichende Versorgung der Plazenta – und damit des Fötus – gesorgt.

Schwangere Frau sitzt auf einem Bett

Weitere Veränderungen im Fortpflanzungsapparat

Im Gebärmutterhals nimmt die Sekretbildung der Zervixdrüsen zu. Dadurch entsteht der so genannte Schleimpfropf, der den Muttermund verschließt. So dient er als Schutz gegen das Eindringen von Mikroorganismen in die Scheide.

Auch erhöht sich die Durchblutung des Gebärmutterhalses. Zudem lagert sich mehr Flüssigkeit ein. Dadurch wird dieser Bereich insgesamt weicher (das sogenannte Hegar-Zeichen). Und es kommt zu einer leicht bläulichen Färbung.

Ebenso nimmt die Durchblutung auch im Bereich der Vagina und Vulva zu. Dadurch wird auch hier das Gewebe weicher. Außerdem enthält es etwas mehr Flüssigkeit und nimmt ebenfalls eine leicht bläuliche Färbung an (das sogenannte Chadwick-Zeichen).

Die Scheide wird zur Vorbereitung auf die Geburt elastischer. Auch kommt es zu vermehrter Ausscheidung von etwas zähem, weißlichem Vaginalausfluss. Der saure pH-Wert dieses Vaginalausflusses schützt zwar einerseits vor vielen Infektionen. Andererseits stellt er aber auch einen Nährboden für Pilze dar. Daher treten Pilzinfektionen (Candidose) während der Schwangerschaft relativ häufig auf.

Etwa bis zur siebten Schwangerschaftswoche enthält der Eierstock den Gelbkörper. Dieser sorgt dafür, dass die notwendige Hormonproduktion aufrechterhalten wird. Denn diese Hormone ermöglichen das normale Fortschreiten der Schwangerschaft. Solange bis dann die Plazenta die Rolle der Hauptproduzentin der Hormone übernimmt.

Du siehst schon: Körperliche Veränderungen während der Schwangerschaft betreffen in sehr hohem Maße den weiblichen Fortpflanzungsapparat.

Auch deine Brüste verändern sich

Weitere körperliche Veränderungen wirst du an deinen Brüsten beobachten können. Denn diese werden nach und nach größer. Zudem nimmt die Pigmentierung des Brustwarzenhofes sowie der Brustwarze zu.

Auch treten um die Brustwarze herum kleine Erhebungen auf. Diese sind durch bestimmte Talgdrüsen, den so genannten Montgomery-Drüsen, bedingt. Ebenso wird das Venengeflecht um die Brustwarze sichtbar. Und ab dem 4. Monat der Schwangerschaft ist es möglich, dass die erste Milchsekretion auftritt.

Was passiert mit deiner Haut?

Die Ursache für die meisten Veränderungen der Haut ist die hormonelle Umstellung deines Körpers. So kann es während der Schwangerschaft zu folgenden Erscheinungen kommen:

  • Es kann eine linienförmige dunkle Verfärbung auf der Bauchhaut auftreten. Das ist die so genannte „Linea fusca“ (lateinisch für ‚braune Linie‘). Dasselbe kann im Bereich der Brustwarzen, des Warzenhofs oder der Vulva passieren.
  • Auch können Flecken im Gesicht auftreten.
  • Manchmal kommt es zu Besenreisern im Gesicht, am Hals, an den verschiedenen Gliedmaßen oder an der Brust.
  • Oft gibt es Dehnungsstreifen an Brust, Bauch oder Gesäß.
  • Zudem erhöht sich die Aktivität der Schweiß- und Talgdrüsen.

Veränderungen im Stoffwechsel

Auch dein Stoffwechsel erfährt einige Umstellungen während der Schwangerschaft:

  • Zunächst kommt es natürlich zu einer Gewichtszunahme. Das liegt vor allem am heranwachsenden Fötus. Außerdem gibt es ein erhöhtes Blutvolumen sowie mehr Gewebsflüssigkeit. Die Gebärmutter sowie die Brüste werden größer und es kommt zu neuen Fetteinlagerungen.
  • Auch gibt es Änderungen im Stoffwechsel der Kohlenhydrate. Die Produktion von Insulin steigt, gleichzeitig kommt es zu einer zunehmenden Insulinresistenz. In peripheren Geweben wird mehr Glukose aufgenommen. Und parallel dazu nimmt die Glukoseproduktion in der Leber ab.
  • Ebenso ist der Stoffwechsel von Fetten betroffen. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel erhöhen sich die Werte von Cholesterin und Triglyceriden. Ebenso kommt es zur verstärkten Ansammlung von Fett im Gewebe.
  • Beim Proteinstoffwechsel bringt das Wachstum des Fötus einen hohen Bedarf an Proteinen mit sich.
  • Auch nimmt der Wasserumsatz im Stoffwechsel von schwangeren Frauen zu. Es kommt zu körperlich bedingten Wassereinlagerungen. Das können bis zu 7 Liter Wasser sein, aufgeteilt auf Mutter, Fötus und Fruchtwasser.

Auch deine Atemwege spüren die Folgen der Schwangerschaft

Die erhöhten Östrogenwerte verursachen eine Überempfindlichkeit der Nasenschleimhaut. In Folge kann es zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut, zu Schnupfen oder auch zu Nasenbluten kommen.

Auch verändert sich dein Brustkorb während der Schwangerschaft. Denn das Zwerchfell steigt etwas nach oben. Auch die Breite der Brust nimmt zu. Diese Umwandlungen sind vor allem auf die Vergrößerung der Gebärmutter zurückzuführen. Außerdem spielt dabei auch die durch hormonelle Veränderungen hervorgerufene Lockerung der Zwischenrippenbänder eine Rolle.

Schwangere Frau lacht in die Kamera

Auch bei den Lungenfunktionen treten Veränderungen auf:

  • Die Kapazität der Lunge sinkt insgesamt etwas ab.
  • Schwangere atmen etwas tiefer ein.
  • Auch steigt die Atemfrequenz leicht an. Vor allem in der Spätschwangerschaft.

Körperliche Veränderungen im Verdauungstrakt

Es ist allseits bekannt, dass schwangere Frauen häufig Übelkeit und Brechreiz verspüren. Das liegt vor allem an der Wirkung von Beta-hCG sowie Progesteron. Beides sind Hormone, die während der Schwangerschaft auftreten.

Sogar in deinem Mund kommt es während der Schwangerschaft zu Veränderungen: Denn die Hormone bewirken, dass der pH-Wert des Speichels sinkt. Das wiederum kann die Bakterienflora beeinflussen. Du solltest also besonders auf eine angemessene Mundhygiene achten. Denn sonst kann dieser Umstand zu Karies führen.

Zudem sorgen die Östrogene für eine stärkere Durchblutung der Gefäße. Dies kann Zahnfleischbluten und Entzündungen des Zahnfleisches zur Folge haben.

Im Verdauungstrakt an sich sieht die Situation folgendermaßen aus: Die Gebärmutter verdrängt mit zunehmender Größe die im Bauch befindlichen Organe. Dadurch steigt der Druck im Bauchraum. Das Hormon Progesteron sorgt für eine Entspannung des Magen-Darm-Trakts. Dadurch verlangsamt sich die Darmtätigkeit. In der Folge kann es zu diesen Symptomen kommen:

  • Sodbrennen
  • Verstopfung
  • Langsame und schwerfällige Verdauung
  • Zwerchfellbruch

Die Wirkung von Progesteron beeinflusst auch die Gallenblase. Dadurch kommt es zu einer langsameren Entleerung derselben. Dies wiederum führt dazu, dass sich die Galle verdickt. Das kann die Entstehung von Gallensteinen begünstigen.

Und was passiert mit deinem Harnwegssystem?

Deine Nieren vergrößern sich ebenfalls in der Schwangerschaft. Denn sie müssen unter anderem das zunehmende Blutvolumen filtern. Auch das Nierenbecken und die Harnleiter erweitern sich.

Dabei sind diese Veränderungen am deutlichsten in der rechten Niere zu verzeichnen. Das liegt an der Rotation der Gebärmutter. Du kannst sie ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel beobachten. Darüber hinaus kann es in manchen Fällen zu Harnstauung kommen und das kann zu Infektionen oder Nierensteinen führen.

Außerdem übt die vergrößerte Gebärmutter immer mehr Druck auf die Blase aus. Zudem steigt auch die Urinproduktion. Beides hat zur Folge, dass du viel öfter Wasserlassen musst als sonst.

Veränderungen im Hormonhaushalt

Das weißt du sicher schon: Während der Schwangerschaft kommt es zu einer starken Umstellung der Hormone. Zudem werden auch ganz neue Hormone freigesetzt. Im Folgenden findest du eine Aufzählung von einigen Hormonen, die bei der Schwangerschaft eine besondere Rolle spielen:

Humane Choriongonadotropin (hCG)

Das ist ein Hormon, das von der Plazenta gebildet wird. Eine seiner Untereinheiten ist das oben bereits erwähnte Beta-hCG. Dieses Hormon hat am meisten Einfluss auf deinen schwangeren Körper. Im ersten Drittel sind die Werte sehr hoch. Dann sinken sie ab und bleiben für den Rest der Schwangerschaft stabil.

Dieses Hormon ist wichtig für das Wachstum des Embryos. Es sorgt für den Gelbkörper, bis die Plazenta in der Lage ist, genügend Steroide zu produzieren. Und es stimuliert die Hoden des Fötus, Testosteron zu produzieren.

Außerdem ist es das Hormon, das bei einem Schwangerschaftstest nachgewiesen wird. Sowohl im Blut als auch im Urin.

Schwangere Frau isst eine Wassermelone

Lactogen der Plazenta

Auch dieses Hormon bildet sich im Mutterkuchen. Seine Funktionen sind die Erhöhung der Fettspaltung sowie der Insulinresistenz. Außerdem sorgt es für eine Verringerung der Blutzuckerkonzentration und für das Wachstum des Brustgewebes.

Östrogene und Progesteron

Genau wie die gerade genannten Hormone werden auch diese von der Plazenta produziert. Sie sind an den meisten Veränderungen während der Schwangerschaft beteiligt.

Gonadoliberin

Dieses Hormon wird im Hypothalamus gebildet. Es hat Einfluss auf das Wachstum des Mutterkuchens. Mit fortschreitender Schwangerschaft nimmt seine Menge zu.

Prolaktin

Das ist ein Hormon, das im Hypophysenvorderlappen gebildet wird. Es ist unter anderem für die Milchsekretion während der Stillzeit verantwortlich. Daher steigt der Prolaktinspiegel mit fortschreitender Schwangerschaft.

Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)

Dieses Hormon bildet sich in der Schilddrüse. Seine Werte sinken im ersten Drittel leicht ab, während das oben erwähnte hCG zunimmt. Beide haben eine ähnliche Struktur. Dann kehren sie auf Normalwerte zurück.

Körperliche Veränderungen im Herz-Kreislauf-System

Bei schwangeren Frauen steigt die Blutmenge auf 1.500 bis 1.700 ml an. Dabei ist die Zunahme des Volumens nicht regelmäßig. Denn die Menge an Blutplasma nimmt stärker zu als das der zellulären Blutbestandteile. Dadurch kann es zu Blutverdünnung und Blutarmut kommen.

Diese Erhöhung des Blutvolumens während der Schwangerschaft hat unterschiedliche Funktionen:

  • Zum einen schützt sie die Mutter vor dem Blutverlust während der Geburt.
  • Auch können so die neuen Anforderungen an den Stoffwechsel erfüllt werden.
  • Außerdem beugt dies eventuell schädlichen Auswirkungen vor, die durch den verschlechterten Rückstrom des Blutes zum Herzen während der Schwangerschaft entstehen können.

Weiterhin kommt es zu einem Anstieg der weißen Blutkörperchen. Die Zahl der Thrombozyten kann dagegen leicht abnehmen. Die Gerinnungsfaktoren nehmen zu und damit nimmt die Blutgerinnselauflösung ab. Das kann das Risiko einer Thrombose erhöhen.

Auf der anatomischen Ebene passiert Folgendes: Vorhin haben wir schon gesehen, dass das Zwerchfell sich anhebt. Außerdem bewegt es sich auf die linke Seite des Herzen. Das Herzzeitvolumen (HZV) steigt an. Ebenso wie die Herzfrequenz. Diese steigt auf 15-20 Schläge pro Minute.

Nichtsdestotrotz ändern sich die Werte des Blutdrucks während der Schwangerschaft nicht, sie können in einigen Fällen sogar sinken.

Weitere körperliche Veränderungen bei schwangeren Frauen

Auswirkungen auf deine Knochen

In der Schwangerschaft nehmen Frauen mehr Kalzium und Phosphor auf. Auch wird das in ihren Knochen enthaltene Kalzium und Phosphor aktiviert, um die richtige Entwicklung des Fötus zu ermöglichen. Nach der Entbindung normalisiert sich die Knochendichte dann wieder. Es hat sich gezeigt, dass eine Schwangerschaft kein Risikofaktor dafür darstellt, später an Osteoporose zu leiden.

Körperliche Veränderungen im Bewegungsapparat

Deine Wirbelsäule versucht, sich an die Gewichtszunahme anzupassen. Dabei können die Nervenwurzeln der Wirbel komprimiert oder gelockert werden. Diese Veränderungen können zu Rückenschmerzen oder auch Nervenschmerzen führen.

Körperliche Veränderungen bei schwangerer Frau

Dein Immunsystem reagiert auch auf die Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft werden bestimmte Immunfunktionen unterdrückt. Denn so kann sich der „Fremdkörper“ (also der Embryo) im Körper ansiedeln.

Auswirkungen auf dein Liebesleben

Die oben beschriebenen Veränderungen können auch Einfluss auf deinen Intimverkehr haben. Denn die stärkere Durchblutung des Genitalbereichs erhöht die Empfindlichkeit. Und das kann bei einigen Frauen zu größerer sexueller Befriedigung führen. Andere hingegen empfinden diesen Umstand als eher unangenehm.

Bei einer normalen Schwangerschaft lösen die Kontraktionen, die nach einem Orgasmus in der Gebärmutter entstehen, keine Geburt aus. Denn sie sind nur von sehr geringer Intensität.

So viele körperliche Veränderungen während der Schwangerschaft!

Ja, das stimmt: Es passiert wirklich viel in deinem Körper während der Schwangerschaft. Und da gibt es viele Fragen und Unsicherheiten. Deshalb solltest du auf jeden Fall bei weiteren Zweifeln deine Hebamme oder deine Frauenärztin konsultieren. Denn sie können dir ganz sicher alle Fragen über die Veränderungen in deinem Körper beantworten.

  • Espinilla Sanz, B., Tomé Blanco, E., Sadornil Vicario, M., Albillos Alonso, L. (2016). Anatomía y fisiología del embarazo. Manual de obstetricia para matronas. 2nd ed. Valladolid: DIFÁCIL; 2016. 53-64.