Strategien für das Klassenzimmer: Haben die Schüler es verstanden?

24. Oktober 2019
Lehrkräfte müssen oft viel Stoff in kurzer Zeit durchnehmen. Dabei hoffen sie natürlich, dass die Schüler das Gesagte verstehen und sich auch merken. Um zu überprüfen, ob das Verständnis im Klassenzimmer auch wirklich stimmt, gibt es einige praktische Strategien.

Im Klassenzimmer geht es vor allem darum, den Kindern etwas beizubringen. Aber die Lehrkräfte müssen sich auch sicher sein, dass die SchülerInnen alles richtig verstanden haben. Um das zu überprüfen, gibt es einige Strategien, die praktisch sind. In diesem Artikel erfährst du mehr darüber.

Mit diesen Strategien müssen die LehrerInnen nicht mehr nur hoffen, dass die Ergebnisse in den Prüfungen gut ausfallen. Vielmehr können sie so vorher schon wissen, ob sie ihre Arbeit gut gemacht haben. Also, ob sie ihren SchülerInnen alles verständlich gemacht haben oder nicht.

In der Regel besteht folgendes Problem: Die Lehrkräfte sind auf die Tests angewiesen. Denn nur anhand dieser können sie überprüfen, ob die Kinder oder Jugendlichen den im Klassenzimmer durchgenommenen Stoff richtig verstanden haben. Aber dann setzen sie unabhängig von den erreichten Ergebnissen den Unterricht mit den im Lehrplan folgenden Themen fort.

Nur wenige Lehrer nehmen sich die Zeit, sich nach den Prüfungen genauer mit den eventuell bestehenden Schwächen und Missverständnissen auf Seiten der SchülerInnen zu beschäftigen. Und selbst dann ist es oft zu spät, die Lernenden haben schon das Interesse verloren. Daher ist es also offensichtlich, dass eine Veränderung notwendig ist: Man muss die Vorgehensweise bei der Beurteilung im Klassenzimmer überdenken.

In diesem Sinne gilt es, als Lehrkraft stets aufmerksam für eventuelle Verständnisprobleme zu sein. Denn um den Schülern und Schülerinnen den Stoff zu vermitteln, reicht es nicht aus, diesen gut zu erklären. Zudem muss man immer genau verfolgen, ob im Klassenzimmer alle alles verstanden haben. In dem Moment, in dem irgendwelche Zweifel aufzukommen scheinen (ja sogar, wenn vielleicht nur ein leichtes Stirnrunzeln eines Schülers zu verzeichnen ist), sollten die Lehrer direkt handeln und angemessen darauf reagieren können.

Kinder und Lehrerin im Klassenzimmer

Dabei helfen ihnen die folgenden einfachen Strategien. So können Lehrer und Lehrerinnen schnell und einfach überprüfen, ob im Klassenraum alles richtig verstanden wurde.

„Ja-/Nein-Fragen“ im Klassenzimmer vermeiden

Zunächst ist es einmal wichtig, keine Entscheidungsfragen im Unterricht zu stellen. Also solche Fragen, auf die die Antwort nur „ja“ oder „nein“ lauten kann. Auch sehr offene Fragen wie „Ist das klar?“ sollte man als Lehrender besser vermeiden. Denn  normalerweise antworten die SchülerInnen immer mit „Ja“ auf diese Fragen.

Wenn dann später mehrere in der Klasse zugeben, dass sie nichts verstanden haben, sind die Lehrer natürlich überrascht. Um also solche Überraschungen zu vermeiden und den Schülern zu helfen, den Stoff im Klassenzimmer besser zu folgen, sollten ganz spezifische Fragen gestellt werden. Denn solche sind es, die die SchülerInnen dazu bringen, sowohl ihr neu erworbenes also auch das bereits vorhandene Wissen anzuwenden.

Momente der Reflexion über das behandelte Thema anbieten

So können die Lehrkräfte die letzten fünf Minuten des Unterrichts zum Beispiel dazu nutzen, die Schüler um eine kurze Reflexion über das behandelte Thema zu bitten. Dabei sollen diese über den verhandelten Stoff nachdenken und dann in wenigen Zeilen aufschreiben, was sie gelernt haben.

Diese schriftlichen Überlegungen sammelt der Lehrer oder die Lehrerin dann ein und geht sie anschließend durch. Darüber hinaus kann die Aufgabenstellung auch diese sein: Die Kinder oder Jugendlichen sollen kurz darlegen, wie sie das Erlernte in der Praxis anwenden könnten.

Handzeichen zur Überprüfung des Verständnisses im Klassenzimmer

Eine weitere Möglichkeit, um zu überprüfen, ob im Klassenzimmer alle den Stoff verstanden haben, ist diese: Zunächst legt man gemeinsam eine Reihe von Handzeichen fest. Mit diesen können die SchülerInnen dann den vermittelten Inhalt bewerten sowie ihr Verständnis davon anzeigen. Diese Strategie erfordert das Engagement der ganzen Schülergruppe und sie ermöglicht es den Lehrenden, das Verständnis in einer großen Gruppe zu testen.

Also kann man zum Beispiel folgende Handzeichen festlegen: Die SchülerInnen heben die Hand und zeigen dabei entweder alle Finger oder nur ein paar oder nur einen einzigen. So können sie fünf Finger zeigen, wenn sie glauben, dass sie ein maximales Verständnis des behandelten Stoffs erreicht haben. Und weniger Finger je nachdem, wie gut oder schlecht sie ihr Verstehen einschätzen. Ein einziger Finger würde in diesem Fall bedeuten, dass die Lernenden meinen, sie haben so gut wie gar nichts verstanden.

Schilder als Zeichen des Verstehens

Ähnlich funktioniert folgende Strategie: Die SchülerInnen erstellen verschiedene Schilder, mit denen sie während des gesamten Schuljahrs Antworten anzeigen können. Dazu können alle möglichen Materialien, die man sowieso zur Verfügung hat, verwendet werden: individuelle Schreibtafeln, Karton oder einfach Blätter. Daraus können, wie schon angedeutet, Schilder werden, die man während des gesamten Schuljahrs und mit mehreren möglichen Antworten verwenden kann.

Mit diesem System kann der Lehrer oder die Lehrerin die Antworten der einzelnen SchülerInnen leicht überprüfen. So kann beispielsweise ein grünes Schild anzeigen, dass die Kinder alles verstanden haben. Orange bedeutet, dass das betreffende Kind den Stoff nur halb verstanden hat. Rot kann deutlich machen, dass noch viel Arbeit vor den LehrerInnnen und SchülerInnen liegt.

Unterricht in einem Klassenzimmer

Die „sokratische Methode“ im Klassenzimmer

Die so genannten „sokratische Methode“ geht, wie der Name schon sagt, auf Sokrates zurück. Dabei geht es darum, Themen und Stoffe im offenem Dialog mit den Lernenden zu erschließen und zu entwickeln. Man geht von einem bestimmten Text aus, den man gemeinsam liest und analysiert. Man kann dabei aber auch ein Bild, ein Lied oder ein Video als Ausgangspunkt verwenden.

Die SchülerInnen fragen sich gegenseitig nach einem wichtigen Thema, das mit dem gewählten Text, Bild oder Lied zusammenhängt. Diese Fragen bilden den Einstieg für ein Gespräch, bei dem wiederum weitere Fragen und Antworten entstehen werden.

So lernen sie, themenspezifische Fragen zu formulieren. Dadurch wird es ihnen möglich, eine eigene Diskussion zu führen. So können sie zu einem neuen Verständnis gelangen. Die Lehrkräfte können überprüfen, in welchem Grad die Schülergruppe den Stoff verstanden hat, indem sie diesen Dialog von Fragen und Antworten aufmerksam verfolgen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der effektivste Weg, das Verständnis der im Klassenzimmer durchgenommenen Themen zu überprüfen, ist, dies noch während der Behandlung des Stoffs zu tun. Denn hinterher ist es wenig sinnvoll, die SchülerInnen zu bitten, einen Fragebogen diesbezüglich auszufüllen. Wenn man erst im Nachhinein versucht, Fehler zu korrigieren und Wissenslücken zu schließen,  wird das nicht funktionieren. Denn die Lernenden haben da bereits das Interesse verloren.

  • Carlos Lomas. Aprender a comunicar (se) en las aulas. 2003. Ágora digital 5.1.
  • Lorrie Shepard. La evaluación en el aula. 2006. Educational Mesasurement.