Wie erleben die Jugendlichen die Ausgangsbeschränkung?

21 Mai, 2020
Jugendlichen macht die lange Ausgangsbeschränkung ziemlich zu schaffen. Diese stellt bereits für Erwachsene eine große Herausforderung dar und umso mehr gilt das für Teenager. Denn sie befinden sich in der Phase der Sozialisierung und brauchen besonders den Kontakt zu anderen. Wie kannst du also deinem Kind helfen, besser damit fertig zu werden?

Teenager und Ausgangsbeschränkung: Wie gehen die Jugendlichen mit dieser komplizierten Situation in dieser Phase ihres Lebens um? Gerade jetzt brauchen sie ja ihre Unabhängigkeit und müssen aber wegen der Corona-Krise seit Wochen vor allem zu Hause ausharren. Dieses erzwungene ständige Zusammensein der Familie hat natürlich Auswirkungen auf die Beziehungen.

Gerade mit heranwachsenden Kindern kann diese Zeit der Ausgangsbeschränkung schwierig zu meistern sein und die kleineren Konflikte, die bisher bestanden, können sich jetzt zu größeren Problemen entwickeln. Denn es ist eine Tatsache: Die Jugendlichen sind dazu gezwungen, wochenlang nur mit ihren Eltern zu Hause zu sein.

Doch durchlaufen sie gerade eine wichtige und intensive Lebensphase und in dieser sind sie vor allem auch auf der Suche nach mehr Unabhängigkeit. Daher stellen die Jugendlichen eine der Bevölkerungsgruppen dar, für die diese Zeit der Ausgangsbeschränkung wahrscheinlich am schwierigsten zu ertragen ist.

Wie kannst du deinen Teenagern verständlich machen, dass es sich nur um eine vorübergehende Situation handelt?

Alle machen momentan eine schwierige Situation durch und niemand findet die aktuellen Umstände besonders schön. Aber die Erwachsenen sind meist in der Lage, sich damit zu arrangieren. Sie gehen anders damit um als es die meisten Jugendlichen können. Denn Teenager müssen raus! Weil ihr Körper es einfach braucht. Sie befinden sich in einer Phase, in der sie sich mit ihren Freunden treffen müssen! Und gerade jetzt können sie das Haus nicht mehr verlassen…

Also ist es wichtig, dass du deinen jugendlichen Kindern vor allem Folgendes vermittelst: Diese Maßnahmen sind nicht das Produkt einer willkürlichen Laune der Eltern. Sondern es herrscht weltweit eine wirkliche Ausnahmesituation. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, dass alle möglichst zu Hause bleiben. Denn nur so kann man diese Situation in den Griff bekommen.

Mädchen sitzt am Fenster und blickt hinaus

Heute sind die Menschen mehr denn je daran gewohnt, ein Leben der “Unmittelbarkeit” zu führen: Alles was man will, steht im Grunde auch sofort zur Verfügung. Oder kann umgehend gemacht werden. Da ist diese Situation, in der man warten und geduldig sein muss, nicht einfach. Natürlich ist sie besonders schwierig für die Jugendlichen.

Die Jugendlichen und die Ausgangsbeschränkung: Wie kannst du am besten mit der Situation umgehen?

Sicher ist, dass es in dieser Zeit der Ausgangsbeschränkung verschiedene Reibereien mit deinen Teenagern geben wird. Aber du solltest versuchen, dass diese keine tieferen Spuren hinterlassen und mit der Zeit wieder vergessen sein werden.

  • Wie du ja sicher aus eigener Erfahrung weißt: Teenager können dir, wenn sie wütend und aufgebracht sind, so einige harsche Dinge an den Kopf werfen. Aber es ist wichtig, dass du diese Sätze nicht persönlich nimmst. Denn sie sind eine Folge der Ohnmacht und des Zorns, den die Jugendlichen angesichts der Situation fühlen. Weil sie einfach nicht aus dem Haus können.
  • Und natürlich werden bestimmte Auseinandersetzungen während dieser Zeit unvermeidlich sein. Doch geht es dabei nicht darum, rationale Erklärungen zu geben. Sondern du musst dich bemühen, deine jugendlichen Kinder soweit es geht zu beruhigen. Denn sie verspüren nun mal ein dringendes Bedürfnis, mit ihren Freunden zusammen zu sein. Sie erleben diese Zeit, in der sie keine Gleichaltrigen sehen können, als sehr belastend.
  • Auch ist klar, dass es Momente geben wird, die ihr als Familie miteinander teilen werdet. Aber es ist genauso wichtig für alle Beteiligten, dass jeder auch Zeit für sich allein im eigenen Zimmer hat.
  • Außerdem ist es besser, dass du jetzt nicht unbedingt auf bestimmten Diskussionen beharrst. Vor allem nicht auf solchen, die am Ende zu nichts führen. Vielmehr ist es angebracht, von Zeit zu Zeit auch einfach mal nachzugeben.
  • Jetzt ist es auch besonders wichtig, dass du deinen Teenagern zuhörst und auf sie eingehst, ohne dabei auf die Uhr zu schauen. Denn sie brauchen manchmal einfach Zeit, um mit dir über bestimmte Dinge zu sprechen.

Tipps, um den Jugendlichen die Zeit der Ausgangsbeschränkungen zu erleichtern

Versuche, dich in sie hineinzuversetzen

Mehr denn je musst du dich jetzt darum bemühen, dich in deine jugendlichen Kinder hineinzuversetzen. Die Phase der Pubertät ist eine Zeit voller Unsicherheiten und Veränderungen. Für Teenager ist vor allem eine Sache wichtig: ihr Sozialleben. Also Kontakte zu Freunden und Gleichaltrigen. Das macht natürlich diese Situation für sie noch komplizierter.

Mädchen mit Handy in Kontakt mit anderen Jugendlichen

Sprich mit deinen jugendlichen Kindern über die Situation

Du musst dir bewusst darüber sein, dass Jugendliche noch nicht den gleichen Reifegrad erreicht haben wie Erwachsene und dass es daher für sie schwieriger ist, mit der aktuellen Situation zurecht zu kommen. So ist es wichtig, ihnen zu erklären, dass die aktuelle Maßnahme der Ausgangsbeschränkungen Leben rettet und dass du ihre Hilfe im Haushalt brauchst. Denn in dieser Situation können die Eltern nicht alles alleine schaffen.

Erkläre ihnen, dass es sich nicht um Ferien handelt: Leg einen Zeitplan fest

Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass deine Kinder nicht erst mittags aufstehen und sich dann mit dem Handy in der Hand direkt aufs Sofa legen. Du musst ihnen vermitteln, wie wichtig es ist, bestimmte Routinen einzuhalten.

Das heißt natürlich nicht, dass sie in aller Früh aus dem Bett müssen. Aber es ist durchaus notwendig, dass dies zu einer vernünftigen Zeit geschieht und dass die Kinder den Vormittag nutzen, um ihre Hausaufgaben für die Schule zu machen. Auf diese Weise haben sie dann den Nachmittag frei und können tun, was immer sie wollen.

Lass den Jugendlichen Zeit für ihre Sozialkontakte am Handy, achte aber darauf, dass sie es damit nicht übertreiben

Alles braucht seine Zeit und das trifft natürlich auch für die sozialen Kontakte zu. Denn deine Teenager brauchen Zeit, um sich mit ihren Freunden auszutauschen, oder mit ihnen Online-Spiele zu spielen. Dabei ist natürlich wichtig, dass die Kinder die Nutzung des Handys auf ein vernünftiges Maß beschränken. Klare Zeitpläne können dabei eine große Hilfe sein.

Wenn du es schaffst, dass deine Teenager einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Mobiltelefon entwickeln, ist ein großer Schritt gemacht. Denn dann werden sie selbst es sein, die den Gebrauch regeln, ohne es damit zu übertreiben.

Fazit

Die Jugendlichen und die Ausgangsbeschränkung sind ganz klar zwei Dinge, die sich nicht gut vertragen. Aber wenn du versuchst, diese Tipps in die Praxis umsetzen, wird diese Zeit sicher erträglicher. Ihr könnt so unnötige Konflikte in der Familie vermeiden. Denn jetzt ist es an der Zeit, dass alle gemeinsam etwas tun, um die aktuelle Situation zu verbessern. Also heißt es vorerst: Zu Hause bleiben und sich Geduld und Optimismus üben!