Wann solltest du zum Kinderpsychotherapeuten?

9. Oktober 2019
Für die meisten Eltern ist der Schritt, einen Kinderpsychotherapeuten aufzusuchen, ziemlich schwierig. Doch manchmal kann es einfach notwendig sein. Denn bestimmte Situationen, Emotionen oder auch Verhaltensweisen können das Wohl deines Kindes sehr negativ beeinflussen. Daher solltest du in solchen Fällen tatsächlich professionellen Rat suchen.

Das Elternsein kommt nicht mit einer Gebrauchsanweisung. Natürlich versuchst du, zusammen mit deinem Partner oder deiner Partnerin, alles so gut wie möglich zu machen. Nichtsdestotrotz gibt es sicher Momente, in denen ihr euch überfordert fühlt. Dann solltet ihr um Hilfe bitten. Immer noch ruft die Vorstellung, einen Kinderpsychotherapeuten aufzusuchen, viele Zweifel und Ängste hervor. Aber professionellen Rat zu suchen, ist in vielen Fällen die richtige Entscheidung.

Was ist „normal“?

Fast alle Eltern fragen sich irgendwann: Ist das Verhalten meines Kindes normal? Und geht das wieder vorbei? Oder muss ich mir Sorgen machen? Bevor du aber verzweifelst, ist es wichtig, über bestimmte Dinge Bescheid zu wissen. Nämlich darüber, dass Kinder in ihrer Entwicklung verschiedene Phasen durchlaufen. Jede davon geht mit charakteristischen Verhaltensweisen einher. Diese helfen den Kleinen, sich als Personen zu entwickeln.

So gibt es zum Beispiel etwa im Alter von zwei Jahren eine Phase der Negation und von Wutanfällen. Das ist völlig normal. Ebenso üblich ist es, dass Kinder bis zum Alter von sieben Jahren häufig Schwierigkeiten haben, sich über längere Zeit zu konzentrieren, oder ihr Verhalten zu kontrollieren, wenn sie aufgeregt sind.

Das heißt, gewisse Verhaltensweisen oder Ängste können in einem bestimmten Alter durchaus angemessen sein. Und sie verschwinden, wenn das Kind etwas älter ist. Andererseits spielt auch die Persönlichkeit des Kindes eine entscheidende Rolle. Denn ein eher introvertiertes Kind wird Momente, in denen es für sich sein kann, mehr genießen während ein eher aktives und unruhiges Kind ein größeres Bedürfnis nach äußeren Reizen hat.

Junge beim Kinderpsychotherapeuten

Also sollten die Eltern, bevor sie ein Verhalten als problematisch einstufen, zunächst klären: Ist diese Verhaltensweise vielleicht nur ein Teil des Entwicklungsstadiums, das unser Kind durchläuft? Oder ist es Teil seiner Persönlichkeit?

Auch ist es zuweilen möglich, dass gar nicht das Kind sondern seine Eltern im Mittelpunkt des Problems stehen. Denn vielleicht sind sie zu anspruchsvoll, oder sie sind übertrieben fürsorglich und überbehüten ihr Kind und haben keine realistische Vorstellung davon, was Kindheit eigentlich ist.

In solchen Fällen kann eine Beratung durch einen Kinderpsychotherapeuten weiterhelfen. Denn dadurch kann eine Orientierung der Eltern stattfinden und so eine Lösung für die Situation gefunden werden.

Wann solltest du also Rat bei einem Kinderpsychotherapeuten suchen?

Leider ist die Entscheidung, Rat bei einem Kinderpsychotherapeuten zu suchen, noch immer mit einem gewissen Tabu behaftet. Denn manche Eltern denken vielleicht, dass so etwas nicht wirklich notwendig ist. Andere sehen es als Zeichen von Schwäche.

Doch die Suche nach professioneller Hilfe bedeutet in keiner Weise, dass ihr schlechte Eltern seid oder etwas falsch gemacht habt. Im Gegenteil, es zeigt nur, dass ihr das Beste für eure Kinder wollt, und zwar nicht nur in Bezug auf Bildung. Ihr wollt ihnen auch eine glückliche und erfüllte Kindheit bieten.

Natürlich gibt es Situationen, in denen es einfach nur etwas Zeit braucht. Die Dinge regeln sich sozusagen allmählich von selbst. So kann das der Fall sein, wenn im Leben des Kindes eine Veränderung stattfindet. Wie z. B. bei einer Scheidung oder einem Schulwechsel. Dann dauert es meist einfach nur einige Zeit, bis das Kind sich an die neue Situation gewöhnt hat. Dennoch ist es natürlich angebracht, genau darauf zu achten, ob diese Gewöhnung auch tatsächlich reibungslos stattfindet.

Ihr könnt als Eltern auch in solchen Fällen einen Kinderpsychotherapeuten aufsuchen, wenn ihr es für notwendig haltet. Denn es kann gegebenenfalls dem Kind helfen, diese kritische Phase besser zu bewältigen. Wie es so schön heißt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Und manchmal ist es besser, einfach vorzubeugen. Ein Besuch beim Kinderpsychotherapeuten kann verhindern, dass bestimmte Vorkommnisse im Umfeld des Kindes dieses negativ beeinflussen oder gar dazu führen, dass es sich überfordert fühlt.

Andererseits ist klar, dass es auch Situationen gibt, in denen ihr als Eltern so schnell wie möglich handeln solltet. Denn andernfalls könnten sich die Symptome verschlimmern. Oder chronisch werden. Und darüber hinaus wird das Kind, so lange man keine Lösung findet, so einen Teil seiner Kindheit verlieren.

Mädchen beim Kinderpsychotherapeuten

Worauf sollten Eltern unbedingt achten

Als Eltern steht ihr vor der Entscheidung: Sollen wir zum Kinderpsychotherapeuten gehen oder nicht? Dann gibt es folgende Dinge, auf die ihr besonders bei eurem Kind achten solltet:

  • Verhaltensweisen, die aus dem „normalen“ Rahmen fallen. Entweder, weil euer Kind ein ganz anderes Verhalten zeigt als der Rest seiner Altersgenossen oder weil sich sein Verhalten von einem Tag auf den anderen radikal ändert. Aus diesem Grund ist es wichtig, sowohl die verschiedenen Entwicklungsstufen als auch die Persönlichkeit des Kindes gut zu kennen.
  • Wie lange dauert die problematische Verhaltensweise an? Gibt es bei dem Kind ein unübliches Verhalten oder auch eine seltsame Stimmungslage, die über mehrere Monate andauert? Dann sollten die Eltern darüber nachdenken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn dies kann ein Hinweis darauf sein, dass das Kind nicht in der Lage ist, alleine mit der Situation zurechtzukommen und dass es Hilfe benötigt.
  • Einfluss auf den Alltag und das Wohlbefinden. Wenn ein Verhalten oder ein emotionaler Zustand das tägliche Leben und das Wohlbefinden des Kindes bedeutend beeinflusst, solltet ihr als Eltern Rat bei einem Kinderpsychotherapeuten suchen. Das gilt auch, wenn noch nicht viel Zeit vergangen ist. Wenn die auftretenden Beeinträchtigungen zu groß sind, solltet ihr nicht warten.
  • Unerklärliche körperliche Symptome. Wenn das Kind ohne irgendeinen medizinischen Befund häufig Kopfschmerzen, Magenschmerzen oder Hautprobleme hat, könnte es eine Somatisierung von emotionalen Problemen durchleben.
  • de Piaget, T. D. D. C. (2007). Desarrollo Cognitivo: Las Teorías de Piaget y de Vygotsky.
  • Masuello, A. S. (1933). Introversión Extroversión. Jung, 86.