Wie kannst du Kaufsucht bei Kindern verhindern?

15 Oktober, 2020
Es ist keine einfache Aufgabe, dem Entstehen einer Kaufsucht bei deinen Kindern entgegenzuwirken. Denn der Werbung entkommt heutzutage fast niemand mehr. Und sie erreicht immer einfacher auch die Zielgruppe der Kinder. Was kannst du also tun, um zu vermeiden, dass es bei deinen Kleinen zu einem solchen zwanghaften Kaufverhalten kommt?

Heutzutage ist Kaufsucht bei Kindern in den entwickelten Ländern zunehmend verbreitet. Allgemein geht man davon aus, dass jede zwanghaft ausgeübte Tätigkeit der Gesundheit der Betroffenen schadet. Wie kann man also verhindern, dass es zu einem solchen zwanghaften Kaufverhalten bei Kindern kommt? Und was kannst du persönlich tun, damit eine solche Kaufsucht bei deinen Kleinen nicht entsteht?

Es gibt bestimmte Zeiten im Jahr, in denen deine Kinder noch konsumfreudiger werden, als sie vielleicht normalerweise schon sind. So gibt es, wenn beispielsweise Weihnachten vor der Tür steht, viel mehr Anreize. Und sie alle werden vom Massenkonsum hervorgebracht. Mit hinein spielen auch der Einfluss der Familie, die Schulfreunde sowie die Medien in Form von Fernsehen und Internet.

Man ist ununterbrochen einem wahren Werbe-Bombardement ausgesetzt. Und das mit dem Ziel, die Menschen dazu zu bringen, etwas kaufen zu wollen. Auch wenn keine Notwendigkeit dafür besteht. Gerade in der Weihnachtszeit wird besonders stark auf Kinder abgezielt. Praktisch fast alle der Werbespots im Fernsehen sind an diese Zielgruppe gerichtet.

Ja, so sieht es aus: Weihnachten, das Fest der Freude und Liebe bringt viele gute Dinge mit sich. So zum Beispiel die Möglichkeit, mit der ganzen Familie zusammen zu sein. Aber mit einher gehen auch einige negative Aspekte. Denn diese Festlichkeiten machen uns auch zu wahren Sklaven des Konsums. Und wir verfallen tatsächlich oft in ein zwanghaftes Kaufverhalten.

«Der Konsumismus hat starke Wurzeln in der Massenwerbung und in dem Bombardement von Angeboten, das bei uns falsche Bedürfnisse schafft.»

– Enrique Rojas –

Kaufsucht bei Kindern vermeiden

Zum Kaufen geboren

Ich will dies, ich will das, ich will jenes, ich will, ich will, ich will … Wahrscheinlich sind das die Worte, die Kinder heutzutage am meisten in den Mund nehmen. Sie sind es gewohnt, dass sie jedes Mal, wenn sie etwas verlangen, das Objekt ihrer Begierde auch bekommen. Nach und nach werden sie zu zwanghaften Konsumenten. Und die Vermeidung von zwanghaftem Kaufverhalten bei den Kindern gestaltet sich dann als schwierige Aufgabe. Ohne dass sich die Eltern dessen bewusst sind, schaffen sie wahrhaftige und vollkommene Konsumenten.

In dem (bisher nicht auf Deutsch erschienenen) Buch The Material Child: Growing Up in Consumer Culture (2011) schreibt der Autor David Buckingham, dass die Massenproduktion von speziell für Kinder gedachten Waren wie Bücher, Spielzeug und Spiele bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann (PLUMB, 1982). Und dass man auch bereits im 16. Jahrhundert schon Anleitungen sowie Spielzeug und Kleidung der Kinder des Adels und des reichen Bürgertums in größerem Maßstab herstellte (LUKE, 1989).

Mitte des 19. Jahrhunderts beschleunigte sich die Entwicklung dieser auf Kinder ausgerichteten Konsumkultur. Das geschah parallel zum Aufkommen neuer, postromantischer Auffassungen von Kindheit. Man erkannte Kinder als eine eigene und besondere Gruppe an. Diese galt als rein und unschuldig und auch als besonders schutzbedürftig. Doch zugleich erkannte man auch, dass Kinder einen potentiellen Markt darstellen konnten.

Und bis heute wird dieser potenzielle Markt immer noch genutzt. Obwohl man vielleicht denkt, dass das Phänomen noch relativ neu ist, ist es doch so, dass immer mehr Kinder von immer aggressiverer Werbung als Zielpublikum auserkoren werden. So kommt es, dass deine Kleinen am Ende alles kaufen wollen, was sie sehen. Oder, schlimmer noch: Dass sie am Ende alles kaufen, was in den Medien erscheint.

«Der Konsumideologie liegt der Wunsch zugrunde, die ganze Welt zu verschlingen. Der Konsument ist der ewige Säugling, der nach der Flasche schreit. Das wird offenkundig bei pathologischen Phänomenen wie Alkoholismus und Drogensucht.»

– Erich Fromm –

Kleines Mädchen betrachtet Kleider

Tipps, wie du Kaufsucht bei deinen Kindern vermeiden kannst

Im Folgenden findest du einige Tipps, die dir helfen können, dass es bei deinen Kleinen nicht zu einer Kaufsucht kommt. Es sind Richtlinien dafür, wie du ihnen verantwortungsbewussten Konsum vermitteln kannst und es damit schaffst, ein zwanghaftes Kaufverhalten der Kinder zu verhindern:

  • Zunächst solltest du ihnen einen wichtigen Unterschied beibringen: Nämlich zwischen den Dingen, die tatsächlich notwendig sind und denen, die man aus einer Laune heraus haben will. Dazu kannst du Fragen stellen wie: “Warum hältst du das für notwendig?“. Oder: “Wofür wirst du es verwenden?“. Oder auch: “Brauchst du es, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen?“.
  • Auch wäre es gut, deinen Kindern beizubringen, richtig mit ihrem Taschengeld umzugehen. Wichtig ist, dass sie lernen zu sparen. Denn wenn sie alles auf einmal ausgeben, haben sie später kein Geld mehr übrig. Eine gute Idee ist, ihnen eine Spardose zu schenken. Dadurch kannst du ihnen helfen, dass sie lernen, bestimmte Dinge zu wollen. Also ein Ziel zu haben und es dann zu schaffen, durch Sparen das Erwünschte auch kaufen zu können.
  • Denn es gibt doch nichts Befriedigenderes, als etwas durch eigene Kraft zu erreichen. Daher kannst du neben dem Sparen den Kindern auch zu vermitteln versuchen, welche Arbeit es braucht, um das Geld zu verdienen. Eine Möglichkeit dafür könnte darin bestehen, ihnen für bestimmte kleine Hilfeleistungen oder Hausarbeiten, die sie übernommen haben, etwas Geld zu geben.

Was kannst du noch tun, damit deine Kinder keine Kaufsucht entwickeln?

  • Außerdem ist es wichtig, dass deine Kleinen lernen, scheinbar nutzlose oder ausgediente Gegenstände zu recyceln und wiederzuverwenden. Wann immer möglich solltest du mit deinen Kindern gekaufte Artikel durch handgefertigte ersetzen. Auch ist es interessant, selbst Spielzeug herzustellen.
  • Ebenso unerlässlich ist es, dass du deinen Kindern vor Augen führst, wie Werbung funktioniert. Dazu kannst du sie darauf aufmerksam machen, wie Hersteller und verschiedene Werbeagenturen Tricks anwenden, um bestimmte Produkte zu verkaufen. Auf diese Weise förderst du in deinen Kleinen die Fähigkeit zu einer kritischen Wahrnehmung. Und so werden sie sich nicht gleich mit dem erstbesten Produkt, das sie sehen, zufriedengeben, sSondern nach weiteren Informationen suchen und die Waren vergleichen. Sie sind so besser in der Lage, zwischen den Produkten auszuwählen.
  • Kurz gesagt: Du solltest den Kindern den Wert der Dinge vermitteln.
  • Buckingham, D. (2013). La infancia materialista. Crecer en la cultura consumista. Ediciones Morata.
  • Freitas, A. A. F., & Apolônio, L. P. M. (2015). Nascidos para comprar: notas sobre o consumismo infantil. Zero-a-Seis17(32), 210-223.