Verwöhnen: weniger ist in der Erziehung oft mehr!

2. Oktober 2018
Wenn du dein Kind zu sehr verwöhnst, wird es keine Grenzen kennen und nicht wissen, wie es mit Frustrationen umgehen soll, wenn es etwas nicht haben oder tun kann.

Eltern, die ihre Kinder verwöhnen, meinen es doch nur gut mit ihnen. Sie wollen das Beste und bemühen sich, dass es ihrem Liebling an nichts fehlt. Vergiss jedoch nicht: weniger ist in der Erziehung oft mehr!

Du musst Grenzen setzen und Mut haben, nein zu sagen. Nur so kann sich dein Kind richtig entwickeln und zu einem verantwortungsvollen Menschen heranwachsen.

Viele Eltern glauben, dass Kinder, die zu sehr verwöhnt werden, ihre Aufmerksamkeit mit Wutanfällen auf sich ziehen wollen. Dieses Verhaltensmuster muss jedoch nicht immer auf den Erziehungsstil zurückzuführen sein.

Fast jedes Kind durchläuft die Trotzphase, in der es mit Zorn und Wut reagiert und versucht, bis an die äußersten Grenzen zu gehen. Insbesondere in der Öffentlichkeit werden diese Wutanfälle von Eltern gefürchtet. 

Doch diese Phase geht wieder vorbei. Allerdings darfst du nicht zulassen, dass dieses Verhalten Teil der Persönlichkeit deines Kindes wird, um so zu erreichen, dass all seine Wünsche erfüllt werden. 

Wenn wir Kinder zu sehr verwöhnen, lernen sie nicht, was Grenzen bedeuten und wie man sich richtig verhält.

Es geht nicht darum, immer nur nein zu sagen und alles zu verbieten. Du musst jedoch deinem Kind erlauben, selbst ein Bewusstsein für richtiges Verhalten zu entwickeln.

Es muss lernen, selbst einschätzen zu können, was wann, wo und wie angebracht ist.

Die Psychologin Violeta Alcocer, die sich für Attachment Parenting einsetzt, schreibt dazu:

Wir müssen erreichen, dass das Kind von sich aus den Wunsch nach Kooperation entwickelt, ohne Androhung von Strafe oder Belohnungen. Das heißt, dass das Kind sich selbst regulieren kann und nicht auf ständige Aufmerksamkeit angewiesen ist.

Darüber hinaus erwähnt Alcocer, dass das Beste für ein Kind ist, zu lernen, sich selbst zu schützen und sein Leben auf die Werte aufzubauen, die es in seinem emotionalen Gepäck mit sich trägt. 

Ein Kind zu sehr verwöhnen hat negative Konsequenzen.

Wo liegen die Grenzen?

Die Grenzen (über die so viel gesprochen wird aber die niemand ganz genau kennt) sind nichts anderes als der gemeinsame Ort, an dem die eigenen Bedürfnisse nicht mehr denen des anderen entsprechen.

Sie sind der Raum, aus dem ein gesundes Gleichgewicht entsteht; der Raum, der gesunde Beziehungen zu dir selbst, zu anderen und zur Umwelt zulässt.

Alcocer hält in einem anderen Artikel fest, dass es bei Grenzen nicht immer um Härte, Autorität oder die Fähigkeit, „nein“ zu sagen, geht: Vielmehr geht es darum, die eigenen Bedürfnisse mit denen des Kindes harmonisch zu verbinden.

Andererseits haben wir Erwartungen an unsere Kinder an uns selbst als Eltern und an unsere Familie.

Grenzen und Erwartungen sind zwei eng miteinander verbundene Begriffe, denn unsere Erwartungen sind der Bezugsrahmen unserer Grenzen. Sie definieren sich gegenseitig, so Alcocer.

Es reicht nicht, einfach „nein“ zu sagen

Es ist wichtig, darüber nachzudenken, welche Rolle das „Nein“ im Leben eines Kindes spielt.

„Ich persönlich bin ganz und gar gegen Theorien, die „Nein“ als pädagogisches Allheilmittel vorschlagen (dies sind oft Theorien, die uns nahelegen wollen, dass aktive Frustration, d.h. das bewusste Verleugnen von Wünschen des Kindes, notwendig ist und die Entwicklung fördert, weil es damit auf das spätere Leben vorbereitet wird)“, so die Expertin.

Damit ein Lernprozess stattfinden kann, ist es wichtig, dass wir uns auch an den Wünschen unseres Kindes orientieren, anstatt das Thema einfach mit einem „Nein“ abzuschließen. 

Wir können zum Beispiel sagen „Ja gerne, aber nur bis hier“. Ein klares „Nein“ ist in Ordnung, wenn es sich um eine gefährliche Situation handelt.

Doch Respekt ist immer grundlegend für jedes Zusammenleben, er darf deshalb auch in der Beziehung zu einem Kind nicht fehlen. Es handelt sich um einen in der Erziehung außerordentlich wichtigen Faktor.

Eltern verwöhnen ihr Kind.

Gespräche und Verständnis statt das Kind zu sehr zu verwöhnen

In ihren Büchern erklärt die Psychologin und Schriftstellerin Rosa Jove eine Technik für den Umgang mit Wutanfällen von Kindern. Sie empfiehlt in dieser Situation, dem Kind immer genau zuzuhören.

Diese Vorgehensweise erfordert viel Selbstbeherrschung und Geduld. Es ist wichtig, zuerst bei sich selbst zu schauen, mit welchen Situationen man gut umgehen kann und mit welchen schlechter.

Du musst auch die Schwächen deines Kindes erkennen und erklären, warum es die Süßigkeiten nicht haben kann oder warum es zum Beispiel etwas nicht tun darf.

Die Expertin empfiehlt, Kinder spüren zu lassen, dass sie immer geliebt werden. Sie müssen aber auch wissen, dass Meinungsverschiedenheiten ganz normal sind und dass sie nicht alles jederzeit haben oder tun können.

Dein Kind muss wissen, dass du es lieb hast, auch wenn du es in seine Grenzen verweist. Denn deine Liebe zu deinem Kind ist unermesslich. 

Natürlich kannst und sollst du dein Kind auch manchmal verwöhnen, doch das heißt nicht, dass immer alle nach seiner Nase tanzen müssen.