Einfluss von Geschwistern in der Adoleszenz

08 April, 2019
Die Adoleszenz ist ein komplizierter Lebensabschnitt, der auch die Beziehung zwischen Geschwistern beeinflussen kann. 
 

Zweifellos üben Geschwister in der Adoleszenz einen großen Einfluss aufeinander aus. Es handelt sich um eine Zeit der Veränderungen, in der die Familie nur noch zweitrangig ist. Das wichtigste Vorbild ist jetzt der Freundeskreis des Jugendlichen.

Deshalb kommt es oft dazu, dass die Beziehung zwischen Geschwistern in dieser Zeit leidet. Zuvor haben sie gemeinsam gespielt, doch jetzt stören sie sich gegenseitig und verwandeln sich zum Teil in fast unbekannte Menschen. 

Die Beziehung, die Geschwister während der Kindheit aufgebaut haben, ist auch in der Adoleszenz grundlegend.

Man wächst gemeinsam mit seinen Geschwistern auf, hat vielleicht sogar gesehen, wie sie zur Welt kamen oder hat in der Erziehung mitgeholfen. Deshalb wiederholen Eltern ihren Kindern immer wieder, dass Geschwister die besten Freunde sind, die sich gegenseitig den Rest des Lebens bedingungslos begleiten werden. 

Der reine Zufall, Gene, das Zuhause oder die Eltern zu teilen, bedeutet nicht, dass eine Beziehung unzerstörbar ist.

Was beeinflusst die Beziehung zwischen Geschwistern in der Adoleszenz

  • Der Charakter des Bruders oder der Schwester wird die Beziehung einfacher oder schwieriger gestalten.
  • Auch der Altersunterschied spielt eine wichtige Rolle. Je größer er ist, desto weniger Erfahrungen können die Geschwister teilen. Deshalb sind sie oft auch weniger eng miteinander verbunden.
  • Die Erziehung und Behandlung, die die Geschwister von den Eltern bekommen haben, ist ebenfalls wichtig. Wenn der Jugendliche das Gefühl hat, dass sein Bruder oder seine Schwester bevorzugt behandelt wird, kann er Groll hegen oder eifersüchtig sein. Das kann die Beziehung zwischen den Geschwistern erschweren und zu Rivalitäten führen.
 
  • Die Interessen der Geschwister. Je mehr Interessen und Vorlieben sie miteinander teilen, desto einfacher wird es ihnen fallen, eine gute Beziehung zueinander zu pflegen.
Geschwister in der Adoleszenz

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Adoleszenz und kognitive Entwicklung

 “Die Adoleszenz gleicht einer degenerativen Krankheit.”

– Salvador Martínez, Direktor des Institus für Neurowissenschaften in Alicante –

In diesem Lebensabschnitt findet eine Reorganisation des Gehirns statt, wobei es zum Abbau von synaptischen Verbindungen kommt. Zwischen dem 12. und dem 20. Lebensjahr findet der Reifungsprozess des Gehirns statt.

Kognitive Fähigkeiten und die Autoregulation werden in dieser Zeit perfektioniert. Dafür ist unter anderem das Lernen durch persönliche Erfahrungen notwendig.

Um dies zu erreichen, erfährt das Gehirn morphologische und funktionale Veränderungen durch den Abbau, die Bildung und Reorganisation von neuronalen Verbindungen.

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Zusätzlich zur Reorganisation des Gehirns, die in der Adoleszenz abläuft, sind folgende Dinge zu berücksichtigen:

 
  • Physische und hormonelle Veränderungen
  • Der Einfluss des sozialen Kontexts auf den Jugendlichen
  • Die Suche nach dem Sinn und der eigenen Identität
  • Neue soziale Situationen, die der Jugendliche selbst lösen muss.

All diese Faktoren führen zu emotionalen Veränderungen, die manchmal schwierig zu verstehen und zu managen sind, sowohl für den Jugendlichen als auch für seine Umgebung.

Das wiederum verursacht oft eine Distanzierung von der Familie und auch eine Veränderung in der Beziehung zu den Geschwistern. 

Bruder oder Schwester, die immer Komplizen und Spielgefährten waren, verursachen jetzt Stress, Wut, Spott oder Gleichgültigkeit. Das bedeutet, dass das (jüngere) Geschwister die Abwesenheit seines Vorbildes bemerkt und schlecht gelaunt und traurig ist. 

Wie kann man in der Adoleszenz eine gute Beziehung zwischen Geschwistern fördern?

Das beste Rezept, um eine gute Beziehung zwischen Geschwistern zu fördern, die auch in der Adoleszenz anhält, ist, damit bereits von Geburt an zu beginnen. Eine demokratische und respektvolle Erziehung ohne Unterscheide zwischen den Geschwistern ist dafür grundlegend.

Die Kinder sollten im Rahmen des Möglichen an Entscheidungen teilnehmen, die sie betreffen.

Sobald die Grundlage aufgebaut ist, kannst du folgende Ratschläge umsetzen:

  • Muntere dein jugendliches Kind auf, Zeit mit seinem Bruder oder seiner Schwester zu verbringen. Dies sollte sich natürlich nicht negativ auf seine eigenen Aktivitäten auswirken. Der oder die Jugendliche kann sein Geschwisterkind zum Beispiel zu außerschulischen Aktivitäten bringen oder auf es aufpassen, wenn die Eltern nicht zu Hause sind.
 
  • Lass dein jugendliches Kind wissen, was es für seinen Bruder oder seine Schwester bedeutet. Du musst vor allem verhindern, dass es sich als Rivale fühlt, um die Geschwisterbeziehung zu fördern. 
  • Erinnere dein Kind daran, dass kleine Veränderungen in der Behandlung des kleinen Geschwisters die Beziehung verbessern können.
Bruder in der Adoleszenz hilft Schwester

Lesetipp: Ein neues Geschwisterchen kommt nach Hause

  • Stelle keine Vergleiche zwischen den Geschwistern an. Das Wichtigste ist, keinen zu bevorzugen.
  • Bringe ihnen bei, Probleme zu lösen. Du stehst deinem Jugendlichen zur Verfügung, wenn er dich braucht, respektierst jedoch auch seine Entscheidungen. Natürlich musst du falls notwendig Grenzen setzen
  • Erkläre beiden, was Adoleszenz bedeutet: Der Schritt vom Kind zum Erwachsenen und alles, was damit einhergeht.