Schulversagen hat nicht unbedingt mit Intelligenz zu tun

14. September 2019
Oft bringt man Schulversagen in Zusammenhang mit mangelnder Intelligenz. Aber das ist nicht unbedingt richtig. Denn dies stellt eine sehr vereinfachende und nicht wirklich durchdachte Sicht auf die Dinge dar.

Weltweit betrifft das Problem Schulversagen eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen. Und tatsächlich zählt es als eines der großen Probleme der heutigen Bildungssysteme.

Dabei stellt man oft einen Zusammenhang zwischen Schulversagen und einem angeblichen Mangel an Intelligenz der betreffenden SchülerInnen her. Allerdings ist dies eine völlig falsche Sicht auf die Dinge. Denn wir werden gleich sehen: Die Ursachen für Schulversagen sind sehr vielfältig und sie hängen keineswegs immer mit Lernschwierigkeiten zusammen.

Das Problem Schulversagen

Mit dem Begriff Schulversagen bezieht man sich allgemein auf folgenden Umstand: Es bestehen Schwierigkeiten, die vom Bildungssystem festgelegten schulischen Lernziele zu erreichen. Dies kann sich auf folgende Weise manifestieren:

  • Die SchülerInnen erhalten schlechte Noten.
  • Sie brechen die Schule ab.
  • Oder sie zeigen schulische Leistungen, die weit unter dem Potenzial ihrer intellektuellen Fähigkeiten liegen.

Leider kommt es relativ häufig vor, dass zumindest einer dieser Punkte an Schulen und anderen Lehreinrichtungen auftritt.

So ist die Situation in Bezug auf Schulversagen in Deutschland beispielsweise folgende: Die Quote von Schulabbrechern ist inzwischen auf 6,3 Prozent gestiegen. Bei Ausländern beträgt sie sogar 18,1 Prozent. Dies geht aus dem neuen Bildungsmonitor hervor und wird als „alarmierend“ betrachtet.

Das ist eine sehr beunruhigende Situation. Denn Bildung stellt eine Verantwortung der gesamten Gesellschaft dar. Es ist ganz offensichtlich, dass es hier ein gesellschaftliches Versagen gibt und einige Dinge falsch gemacht werden.

Schulversagen: Mädchen steht vor Tafel

«Wenn ein Kind in der Schule versagt, dann ist es nicht das Kind, das versagt. Sondern es sind vielmehr alle Erwachsenen um das Kind herum, die versagen.»

– Anonym –

Worin besteht Intelligenz und wie wirkt sie sich auf den schulischen Erfolg aus?

Laut dem Psychologen Howard Gardner bedeutet Intelligenz die kognitiven Fähigkeiten zu haben, die notwendig sind, um ein Problem zu lösen. Oder um Produkte herzustellen, die in einem bestimmten kulturellen Kontext wichtig sind. Daher lässt sich sagen, dass es mehrere Intelligenzen gibt. Und diese helfen uns, in verschiedenen Disziplinen kompetent zu sein.

So hat jeder Mensch auf der einen Seite bestimmte Einschränkungen und auf der anderen Seite ein gewisses Potenzial in den unterschiedlichen Wissensgebieten. Aber das Bildungssystem bewertet in der Regel nur die intellektuellen Fähigkeiten im Zusammenhang mit Linguistik und mathematischer Logik. Daher gibt es viele Kinder, die von den Anforderungen in der Schule frustriert sind. Denn sie haben das Bedürfnis, auch andere kognitive Fähigkeiten zu entwickeln.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass ein Schüler oder eine Schülerin mit guten schulischen Leistungen nicht unbedingt einen hohen IQ haben muss. Denn die guten Noten können auch auf folgende Faktoren zurückzuführen sein:

  • Die SchülerInnen widmen dem Lernen für die Schule viel Zeit.
  • Sie strengen sich sehr an, um gute Ergebnisse zu erzielen.
  • Außerdem haben sie eine große schulische Motivation und
  • sie zeigen großes Interesse an den Themen.

„Im besten Fall scheint der IQ nur 20 % der Faktoren, die für den Erfolg ausschlaggebend sind, darzustellen.”

– Daniel Goleman –

Schulversagen hat nur wenig mit Intelligenz zu tun

Sobald man das Konzept von Intelligenz verstanden hat, ist es ein Leichtes, zu erkennen, dass Schulversagen recht wenig mit Intelligenz zu tun hat. Natürlich beeinflusst Intelligenz die schulischen Leistungen der Schüler und Schülerinnen. Aber es gibt noch ganz andere innere und äußerliche Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg beim Lernen entscheiden.

Trauriger Junge mit nicht bestandenem Test

So kann ein Schulversagen aus ganz verschiedenen Gründen auftreten. Zum Beispiel durch folgende Faktoren:

  • Die betreffenden SchülerInnen zeigen ein geringes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration im Unterricht.
  • Außerdem verfügen sie über ein begrenztes Kurzzeitgedächtnis.
  • Auch weisen sie einen deutlichen Mangel an Motivation zum Lernen auf
  • und sie zeigen offensichtliche Langeweile im Unterricht.
  • Ebenso spielt eine mangelnde Unterstützung und Ermutigung eine Rolle, die sowohl in der Schule als auch Zuhause erfahren werden kann.
  • Ein weiterer Faktor ist, wenn die SchülerInnen aus einer armen oder dysfunktionalen Familie oder einem entsprechenden soziokulturellen Kontext stammen.
  • Sie zeigen Anzeichen von Stress, Depressionen oder Angstzuständen.
  • Zudem benötigen sie vielleicht irgendeine Art von besonderer pädagogischer Unterstützung.

All diese Faktoren können verhindern, dass die SchülerInnen ihre Qualitäten richtig entwickelnt. Dieser Umstand kann letztlich zum Schulversagen des Kindes führen.

Um es kurz zusammenzufassen: Als wichtigste Schlussfolgerung lässt sich sagen, dass Schulversagen bei jedem Kind auftreten kann. Und zwar unabhängig von Alter und intellektueller Leistungsfähigkeit. Daher hat das Bildungssystem die Pflicht, alle Schüler sorgfältig zu beobachten und besonders denen zu helfen, die eine schlechte Schulleistung aufweisen.

  • Gardner, H. (1998). Inteligencias múltiples. Barcelona: Paidós.
  • Sánchez-Ávila, A. (2010). El fracaso escolar: definición, causas, diagnóstico, prevención y tratamiento. Revista digital para profesionales de la enseñanza, (11). 
  • Tierno Jiménez, B. (1984). El fracaso escolar. Barcelona: Plaza y Janés.