Die Geburt ist ein Akt der Liebe zwischen zwei Wesen: Niemand sollte ihn stören!

12. März 2018
Es gibt keine intensiveren Schmerzen als die einer Geburt. Keine Liebe, die so tiefgründig ist wie die der Mutter, die zum ersten Mal ihr Kind sieht, das sie in sich getragen hat. Wie können wir es wagen, diesen magischen, bedeutungsvollen Moment zu stören? Wir wissen, dass es ein Sakrileg ist, denn die Geburt ist ein Akt der Liebe, aber wir stören sie trotzdem.

Wir sprechen nicht nur von der Notwendigkeit, die Geburt in intimer Atmosphäre zu absolvieren. Wir sprechen auch über viele andere Faktoren, die die Intensität der ersten Begegnung, die für viele Experten essentiell ist, abschwächen. Wir beziehen uns auch auf jene Verwandte, die manchmal das neu geborene Baby vor der Mutter auf den Arm nehmen.

Es gibt viele, sehr viele Dinge, die diesen Akt der Liebe stören können. Die meisten von ihnen sind jedoch mit medizinischen Abläufen verbunden, in jenen aseptischen Umgebungen, und mit jenen standardisierten Ritualen, in denen die Nabelschnur schnell durchtrennt wird, um das Neugeborene so schnell wie möglich zu waschen.

Es gibt interessante Ansätze, die uns ermutigen, diesen Prozess auf eine andere Weise zu sehen. Es besteht kein Zweifel daran, dass wir jederzeit medizinische Hilfe zur Verfügung haben sollten. Aber wir brauchen eine neue Sensibilität, aus einer anderen Perspektive, in der auch die Familienmitglieder der gebärenden Frau mitwirken sollten.

Hier erklären wir dir einen dieser Ansätze.

Die Geburt - Baby liegt auf Mamas BrustDie Geburt ist ein Akt der Liebe, kein Instrumentalprotokoll

Wir möchten mit dir über jemanden sehr speziellen sprechen. Vielleicht kennst du ihn schon. Michel Odent, ein französischer Geburtshelfer.

  • Dank ihm haben wir wirklich interessante Literatur über die Idee, die Geburt zu reformieren, um sie einfühlsamer und zärtlicher zu gestalten. Odent verteidigt den Standpunkt, dass die Geburt ein Akt der Liebe zwischen zwei Wesen ist, der nicht gestört werden sollten.
  • Ihm zufolge haben wir die Grenzen dessen, was erlaubt sein sollte, längst überschritten. Heutzutage ist die Geburt angeblich „humanisiert“. In Wirklichkeit vernachlässigen wir das humane, und automatisieren die Geburt.
  • Es wird synthetisches Oxytocin verwendet und vor allem werden Kaiserschnitte missbraucht.

All dies soll vor allem die Sicherheit von Mutter und Kind gewährleisten. Das ist positiv, ohne Zweifel. Aber wir verzichten auf andere Dinge: Wir bringen Frauen dazu, mit Stress, Angst und Unbehagen zu gebären. Seinerseits erschreckt sich das Baby vor all den Händen, die es berühren, umdrehen und waschen, während es nicht weiß, wo seine Mutter ist.

Niemand sollte diesen Moment stören.

Die Geburt - Neugeborenes wird untersuchtDie Geburt – Das Paradigma des Schutzes

Dr. Odent, der 83 Jahre alt ist, verteidigt weiterhin die Notwendigkeit, „das Paradigma des Schutzes“ in die Praxis umzusetzen. Es würde auf diesen Punkten basieren:

  • Es muss auf das körperliche und seelische Wohlbefinden der Mutter und des Neugeborenen geachtet werden.
  • Die Mutter sollte sich geschützt, respektiert und wohl fühlen. Dies bedeutet, dass sie das Recht hat zu wählen, wie sie gebären möchte. Im Liegen zu gebären ist nicht immer die bevorzugte Position für Frauen. Es gibt einige, die sich besser fühlen wenn sie im Stehen gebären.
  • Das Rasieren, die Einleitung von Wehen mit Oxytocin oder die Anwendung der Epiduralanästhesie ist etwas, das die Frau wählen sollte, wenn sie von ihrem Arzt beraten wird.
  • Das Baby muss nicht sofort gewaschen werden. In der Tat ist diese weiße Schicht, die es bedeckt, eine Art natürlicher Schutz für seine Haut, die nicht schädlich oder störend ist, während es mit seiner Mutter den ersten Hautkontakt hat.
  • Die Nabelschnur sollte erst durchgetrennt werden, wenn diese aufhört zu pumpen. Laut Michel Odent bekommt das Baby durch sie einen Impfstoff gegen Krankheiten wie „neonataler Tetanus“.
  • Dr. Odent ist auch der Autor des ersten schriftlichen Dokuments über die Notwendigkeit, mit dem Stillen in der ersten Stunde nach der Geburt zu beginnen.

Die Geburt - Neugeborenes WassergeburtKommunikation mit der Mutter während der Geburt

Dieser Aspekt ist sehr interessant. Innerhalb des Paradigmas, das Dr. Odent verteidigt, schreibt er, dass die Mutter nicht angeschrien werden sollte. Man solle Sätze wie „pressen“ nicht mit lauter Stimme immer wieder wiederholen und sie nicht mit Forderungen ansprechen.

  • Während der Geburt verringert der Neocortex der Frau (unser rationales Gehirn) seine Aktivität, um sich auf den instinktiven und rein emotionalen Bereich zu konzentrieren. Deshalb werden verbale Anordnungen und sogar Worte im Umfeld, nur ihren Stress erhöhen.
  • Es lohnt sich dies zu berücksichtigen. Es ist notwendig, sich daran zu erinnern, was wir am Anfang gesagt haben: die Geburt sollte als ein delikater Akt der Liebe ausgeführt werden.

Liebe Familie, lasst die neuen Eltern in Ruhe

Sobald die Geburt vorbei ist, braucht die Mutter nur Ruhe, Stille, ihr Baby und ihren Partner. Es wird noch viel Zeit dazu geben das Neugeborene kennen zu lernen. Wir haben ein ganzes Leben dafür, aber sowohl die Geburt als auch die Stunden danach gehören nur ihnen.

Der neuen Familie.

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