Wie du das Selbstwertgefühl deiner Kinder zerstörst

27. Februar 2018
Für die Entwicklung unserer Kinder ist es sehr schädlich, wenn wir allgegenwärtig sind und in jeder Situation versuchen, jegliches Leid von ihnen abzuwenden.

Unsere Worte und Taten formen häufig keine fähigen Menschen, sondern verursachen tiefe Traurigkeit und ein geringes (oder nicht existierendes) Selbstwertgefühl.

Niemand weiß von vornherein, was eine perfekte Mutter oder einen perfekten Vater, Onkel, Großvater, usw. ausmacht. Das ist nur verständlich und so erzählen wir dir nachfolgend, wie du gewisse Gewohnheiten im Umgang mit deinen Kindern vermeiden kannst. Das Ziel ist es, auf ihr Selbstwertgefühl zu achten und es sogar zu stärken.

Hast du dich schon einmal schlecht gefühlt, wenn du dein Kind mit geringem Selbstvertrauen gesehen hast. Gehörst du zu denjenigen, die ständig versuchen, sie vor der Welt zu schützen? Wann hast du deinem Kind das letzte Mal erlaubt, etwas zu tun, was es wirklich tun wollte?

Wenn du die Antwort auf diese Frage bejahst, ist es an der Zeit, ein wenig darüber nachzudenken. Denk daran, dass Kinder ihre Eltern brauchen. Sie wollen von ihnen geliebt, unterstützt, angeleitet und ermutigt werden.

Das Leben kann einen ziemlich komplexen Weg nehmen. Daher ist es notwendig zu wissen, wie man ein gutes Leitbild für die Kleinen ist. 

Das Selbstwertgefühl hilft, uns selbst aufzubauen.

Dank eines guten Selbstwertgefühls und einer guten psychoemotionalen Gesundheit können wir eine positive Einstellung entwickeln. Beziehungen und Erfahrungen werden gefördert und kommen unserer Umgebung zugute.

Selbstwertgefühl motiviert und inspiriert

Der venezolanische Psychologe Pablo Ríos Cabrera schreibt in seinem Buch Psicología: la aventura de conocernos (zu Deutsch: Psychologie: das Abenteuer sich zu kennen, noch nicht auf Deutsch verfügbar), dass Selbstwertgefühl, Erwartungen und Erfolg miteinander verbunden sind.

Das Selbstwertgefühl treibt uns also an, zu wachsen und unsere Ziele zu erreichen, mit der Absicht, dabei erfolgreich zu sein.

Stellen wir uns zum Beispiel vor, dass unsere Tochter Astronautin werden möchte. In Bezug auf die Erfüllung ihres Traumes wird sie bestimmte Erwartungen haben.

Hat sie diese, kann man von einem Indikator für ein gesundes Selbstwertgefühl sprechen. Houston, wir haben ein Problem.  Dieser Satz trifft zu, wenn es sich als schwierig herausstellt, Erwartungen an die Erfüllung eines Traumes zu formulieren.

Wir können das Beispiel anhand der folgenden möglichen Szenarien weiter analysieren:

Mögliches Szenario Nummer 1

Unsere Tochter sagt uns, dass sie später Astronautin werden möchte. Wir fangen also an, uns darüber Gedanken zu machen und begehen dabei einige Fehler:

  1. Bei den Hausaufgaben, die einen Bezug zum Thema Weltraum haben, möchten wir ihr unbedingt helfen. Schlussendlich erledigen wir sie komplett, in dem Glauben, dass unsere Tochter durch die „perfekte“ Hausaufgabe besser wird. (Es ist gut, sich aktiv an den Hausaufgaben unserer Kinder zu beteiligen. Wir müssen ihnen aber auch Raum geben, um über Probleme nachzudenken und diese selbst zu lösen. Wir sollten nicht ihre Abhängigkeit fördern).
  2. Ja, wir kaufen Bücher und ein Teleskop, um die Sterne zu beobachten, aber erlauben ihr nicht, dieses selbstständig aufzubauen. Das erledigen wir. (Es ist völlig in Ordnung, das Zusammenbauen aus einer gewissen Distanz zu überwachen, nicht aber, alles selbst zu erledigen und sie nur nutzlos zuschauen zu lassen).
  3. Wir gehen mit ihr weder ins Planetarium noch in irgendeinen Kurs zum Thema Weltall, denn zu Hause ist sie „besser aufgehoben“. (Übermäßiger Schutz schränkt Kinder stark ein, macht sie unsicher, ängstlich und schwächt ihr Selbstvertrauen).

Ergebnis: Unsere Kleine kann sich nicht mehr vorstellen, Astronautin zu werden, weil wir ihren Traum sabotiert haben. Wir wollen nur das Beste für sie und besorgen alles, was unserer Meinung nach, der Erfüllung ihres Traumes dient. Dabei schränken wir in Wirklichkeit ihre Entwicklungsmöglichkeiten und somit auch ihr Selbstwertgefühl ein.

Selbstwertgefühl stärken

Mögliches Szenario Nummer 2

Unsere Tochter erklärt uns, dass sie Astronautin werden möchte. Ganz gleich wie realistisch dieser Traum uns erscheinen mag, gehen wir zu Folgendem über:

  1. Wir helfen ihr jedes Mal bei den Hausaufgaben zum Thema Weltall, wenn sie uns darum bittet.
  2. Wir bieten ihr ein Teleskop, Buch, Spielzeug, usw. in Bezug auf das Thema ihres Traumes an. Vom ersten Moment an erlauben wir ihr, alles für sich selbst zu entdecken. Wenn sie ein Problem hat, können wir ihr helfen, aber nicht weiter eingreifen. Wichtig ist, dass sie selbstständig lernt und sich dabei zwar angeleitet, aber nicht eingeschränkt fühlt.
  3. Denken wir besser über den Vorschlag, ins Planetarium zu gehen oder einen Weltallkurs zu machen, nach. Wenn wir die Möglichkeit haben, wieso schreiben wir unsere Tochter nicht ein? Sollte er nicht den Erwartungen entsprechen, hat sie zumindest nicht das Gefühl, es nicht versucht zu haben.

Achtung! Sollte sich ein Plan nicht verwirklichen lassen, wird es immer das Beste sein, Alternativen zu suchen und anderweitig Zeit mit unserer Tochter zu verbringen. Warum nicht zum Beispiel eine Nacht mit Weltraumfilmen organisieren?

Selbstwertgefühl durch Gespräche erlangen

Was passiert, wenn wir ihnen nicht erlauben, Fehler zu machen?

Wenn Kinder keine Fehler machen dürfen und wir sie übermäßig davor beschützen, negative Erfahrungen zu machen, hindern wir sie daran, sich zu entwickeln und erziehen sie somit zu abhängigen Personen.

Sie werden zudem ein schwaches oder auch negatives Selbstbild entwickeln. Dabei werden sie glauben, dass es etwas Schlechtes ist, Fehler zu begehen.

Daher sollten wir ihnen nicht die Gelegenheit rauben, aus Fehlern zu lernen. Vielmehr sollten sie die Möglichkeit erhalten, Probleme selbst zu lösen.

Bring deinen Kindern bei, Dinge auf die bestmögliche Weise zu tun und für die eigenen Handlungen verantwortlich zu sein. Fehler werden so zu etwas Greifbarem und sie werden erkennen, wie nützlich sie doch sind. Dafür werden sie dir ihr ganzes Leben lang dankbar sein und sich deutliche wohler fühlen. Hab den Mut dazu!

Auch interessant