Kinder anschreien: Was ich gelernt habe, nachdem ich aufgehört habe!

7. März 2018
Manchmal vergessen wir durch die Last des Alltags, dass unser Job als Eltern eigentlich wunderbar ist. Stattdessen schreien wir unsere Kinder an und streiten mit ihnen.

Wir tun das nicht weil wir es Leid sind, sondern weil die endlosen Aufgaben zusätzlich zum Muttersein uns so müde machen und ihren Tribut verlangen. Trotzdem habe ich es geschafft: ich werde nie mehr meine Kinder anschreien und habe Einiges gelernt.

Kinder anschreien – das muss nicht sein!

Man sagt, Muttersein ist eine schwierige Aufgabe und das stimmt! Aber es kann auch das schönste Geschenk der Welt sein!

Manchmal stecken wir uns selbst zu hohe Ziele. Wir wollen perfekte Kinder, die nie laut werden oder sich schmutzig machen, die ruhig sind und uns mit einem Kuss begrüßen.

Sie sollen gute Noten haben, ihr Zimmer aufräumen, mit 6 Jahren Bücher lesen, ihre Haare ordentlich lassen, ihr Spielzeug nie verlieren und ihre Hausaufgaben selbstständig erledigen… Doch Kinder anschreien – das hilft bei keinem dieser Dinge!

Wir wollen die Art von Kindern, die nur in Magazinen existieren! 

Mutter und Kind lachen kein Schreien

Was ich gelernt habe, nachdem ich aufgehört habe, meine Kinder anzuschreien:

Perfekt ist der Feind von Gut.

Als ich aufgehört habe meine Kinder anzuschreien, ist mir klar geworden, dass ich gar keine perfekte Mutter sein muss, denn ich befinde mich nicht in einem täglichen Wettbewerb, in dem ich irgendjemandem irgendetwas beweisen muss.

Ich habe verstanden, dass meine Kinder es lieber mögen, wenn ich nicht perfekt bin und ich nicht alles durchplane, sondern spontaner und fröhlicher sein kann.

Vielleicht macht es mich menschlicher, glücklicher und entspannter wenn ich die Wäsche morgen zusammen lege und das Geschirr ein anderes Mal spüle. Und das wiederum macht mich zu einer besseren Mutter.

Mein Haus sieht möglicherweise nicht aus wie in einem Hochglanzmagazin, aber das Lachen meiner Kinder schon und zwar deshalb weil ich sie nicht mehr anschreie. 

Ich habe keine perfekten Kinder und ich will auch keine.

Meine Kinder sind perfekt unperfekt. Sie sind wirkliche Kinder: sie verschütten Saft, wollen nicht baden, meckern über das Aufräumen ihrer Zimmer, mögen kein Gemüse und wollen immer neues Spielzeug… und wie sollte es anders sein!? Es sind schließlich Kinder!

Ich liebe sie so wie sie sind, ein Wirbelwind aus Lachen und schlunzigen Küssen, manchmal nachlässig, weil sie spontan sind, manchmal mürrisch, weil sie ihre eigene Sichtweise vertreten und manchmal launisch, weil sie einfach nur glücklich sein wollen.

Das ist es, was meine Kinder sind: perfekt unperfekt.

Mutter schreit nicht, küsst Kind auf dem Arm auf die Wange

Ich bin die Mutter, die ihre Kinder brauchen. Und sie brauchen keine Mutter, die schreit.

Schon bevor sie in mein Leben kamen hatte ich Vorstellungen davon, wie ich meine Kinder groß ziehen wollte. Als sie unterwegs waren, plante ich genau, was ich in welcher Situation tun würde. Ich wollte keine unvorbereitete Mutter sein. Und ich wollte keine Mutter sein, die ihre Kinder anschreit.

Ich stellte mir vor, wie ich ihnen beibringen würde zu beten und gute Tischmanieren zu haben. Niemals würde ich ihnen Junk Food geben. Ich würde ihnen zeigen, wie man mutig, unabhängig und großzügig ist.

Kurz gesagt: Ich machte Pläne mit Menschen, die ich noch gar nicht kannte – ein großer Fehler!

Dann realisierte ich, dass ich die Mutter sein muss, die jedes von ihnen braucht und nicht die, die ich geplant hatte zu sein. Das bedeutet manchmal streng zu sein, dann wieder warm, manchmal beschützend und manchmal ermutigend.

Denn jedes Kind braucht mich auf seine Weise, weil jedes von ihnen eigen ist.

Die Meinung anderer zählt nicht.

Ich habe sehr gute Freunde, mit denen ich offen über meine Schwierigkeiten in der Erziehung reden kann und denen ich ebenso zuhöre.

Wir lachen zusammen und machen uns gemeinsam Sorgen. Wir lösen Probleme gemeinsam und warnen uns gegenseitig vor dem, was kommt. Nach dem Vater meiner Kinder sind sie meine Verbündeten.

Ich habe auch gelernt, dass mancherlei Worte und Blicke unnötig sind, nämlich die von falschen Menschen, die Perfektion nur um der Erscheinung Willen vortäuschen.

Deren Meinung und Rat sind mir jetzt gleichgültig. Ich denke, diese Menschen brauchen mich nur, um vor jemandem anzugeben.

Ich habe gelernt mich selbst zu motivieren. Ohne Kinder anschreien.

Eines der vielen Dinge, die meine Kinder mir beigebracht haben ist, in genau den Momenten wo ich mich erschöpft fühle, weiterzumachen. Das ist richtig, sie haben mir beigebracht mich selbst anzutreiben und ein besserer Mensch zu sein.  Durch sie lerne ich, mir selbst zu vergeben mit standhaftem Glauben an die nächste Möglichkeit.

Sie haben mir gezeigt, dass ich stark und ausdauernd bin, und das viel mehr als ich dachte. Sie haben mich gelehrt mich auf das Ziel zu konzentrieren, nicht die Hindernisse und das kann ich auch, ohne sie anzuschreien.

Im Vergleich zu vor ihrer Geburt, bin ich heute wirklich eine bessere Version von mir selbst. Sie haben mich dazu gebracht, mich neu zu erfinden und besser zu werden.

Möglicherweise sagen mein Körper und meine Augenringe etwas anderes und meine Fingernägel werde ich gar nicht erst erwähnen!

Ich sage nicht, dass ich es nicht vermisse, wie ich vor ihnen aussah, aber für nichts in der Welt würde ich diesen Werdegang eintauschen.

Jeden Tag wache ich auf mit dem Wunsch, ihnen eine gute Mutter zu sein und unfassbar stark, um ihnen die Mutter zu geben, die sie individuell brauchen und nicht, um mein Ego zu befriedigen.

Ehrlich gesagt gehe ich nicht jede Nacht ins Bett und bin rundum zufrieden mit mir. Manchmal ist es so und manchmal nicht. Manches Mal gehe ich zu Bett und fühle mich, wie wenn ich ihnen einen besseren Tag schuldig bin – mit mehr Umarmungen und vielleicht mehr Geduld.

An solchen Tagen, mehr als an anderen, gehe ich schlafen mit der Entschlossenheit, dass morgen ein neuer Tag ist an dem ich die Chance habe, ihn so zu gestalten, dass ich nicht den Impuls verspüre, meine Kinder anschreien zu müssen.

 

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