Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik Erikson

Bei der Persönlichkeitsentwicklung nach Eriksons psychosozialem Stufenmodell geht es um die Lösung von lebenswichtigen Konflikten zwischen zwei in Spannung stehenden Kräften. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lies einfach weiter!
Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik Erikson

Letzte Aktualisierung: 16. April 2022

Die fortschreitende Entwicklung des Menschen war schon immer ein Thema für die Psychologie. Die verschiedenen Strömungen betonen den einen oder anderen Aspekt und einer der bekanntesten Vorschläge ist das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik Erikson.

Einer der interessantesten Punkte, die dieses Modell beinhaltet, ist die psychosoziale Sichtweise und der erweiterte Ansatz für die Entwicklung der Persönlichkeit über den gesamten Lebenszyklus. Schauen wir uns an, was es damit auf sich hat.

Was besagt das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik Erikson?

Erikson hebt in seinem Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung die Idee hervor, dass Entwicklung ein fortschreitendes Phänomen ist, bei dem die Menschen verschiedene Stadien durchlaufen, um zu werden, was sie sind. In den 8 aufeinanderfolgenden Stadien entdecken sie die Identität des Selbst, gelangen zur Selbsterkenntnis und stellen eine Beziehung zu anderen her.

Der Autor stellt fest, dass jedes dieser Stadien eine Reihe von Konflikten oder Krisen für die Subjekte bedeutet. Wenn sie diese Konflikte erfolgreich lösen, werden sie mit bestimmten Kompetenzen oder Stärken ausgestattet, die ihnen ihr ganzes Leben lang helfen werden. Im Gegensatz dazu kann die Nichtbewältigung dieser Konflikte zu bestimmten Schwierigkeiten führen. Zum Beispiel in Bezug auf den künftigen Umgang mit Widrigkeiten.

Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung - Glühbirne mit Zahnrädern und schematischem Gehirn

Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung und die einzelnen Stadien

Die Stadien, die Erikson vorschlägt, zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein Spannungsverhältnis zwischen zwei Entwicklungskräften aufrechterhalten, die die Subjekte herausfordern, sie zu lösen. Die ersten 4 Stadien konzentrieren sich auf die Kindheit. Die folgenden 4 auf das Jugend- und Erwachsenenalter.

Stadium 1 im Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung: Ur-Vertrauen versus Ur-Misstrauen (1. Lebensjahr)

Diese Phase ist sehr wichtig. Denn durch die Beziehung zu den Eltern und ihren Bezugspersonen beginnt das Kind, die Grundlagen für das Verständnis von Beziehungen zu legen.

Aus den Antworten, die sie erhalten, schöpfen Kinder die Gewissheit, dass sie wichtig sind und dass auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird. Außerdem lernen sie, sich selbst kennen zu lernen, ihre Gefühle zu erkennen und ihnen Bedeutung beizumessen. In diesem Alter werden auch die Grundlagen der Bindung gelegt.

Stadium 2: Autonomie versus Scham und Zweifel (2. bis 3. Lebensjahr)

Hier beginnt das Kind zu üben, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Es übt seine Autonomie bei der Erkundung der Welt und auch bei seinem ersten “Nein”.

Es ist wichtig, dass Eltern eine Überbehütung vermeiden. Stattdessen sollten sie die Neugierde fördern, die es ihrem Kind ermöglicht, Sicherheit zu gewinnen.

Stadium 3 im Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung: Initiative versus Schuldgefühle (4. bis 5. Lebensjahr)

Das Kind ergreift auch eigene Initiativen und es ist am besten, seine Neugierde zu fördern.

Darüber hinaus beginnt das Kind nun, mehr mit Gleichaltrigen zu interagieren, da es bestimmte Verhaltensnormen verinnerlicht hat. Aufgrund dieser Normen weiß es, dass es für sein Verhalten in Gegenwart anderer verantwortlich ist. Das heißt, dass es andere verletzen kann und sich in diesem Fall entschuldigen sollte.

Stadium 4: Werksinn versus Minderwertigkeitsgefühl (6. Lebensjahr bis Pubertät)

Aufgaben, die Anstrengung erfordern, werden hier hervorgehoben. Nach und nach verliert das Spielen an Bedeutung. Diese Rolle wird auf Tätigkeiten übertragen, die mehr Engagement erfordern oder “produktiver” sind.

Daher ist es in diesem Stadium wichtig, ein Gleichgewicht zwischen dem, was die Kinder tun, und dem, was andere von ihnen erwarten, zu wahren.

Gleichzeitig ist in diesem Stadium die Konsolidierung des Selbstwertgefühls angesichts der Verwirklichung der Ziele besonders wichtig. Wenn dies nicht geschieht, manifestiert sich ein Gefühl der Minderwertigkeit. Daher ist es sehr wichtig, die Kinder und Jugendlichen beim Erlernen von Frustrationstoleranz und dem Umgang mit Emotionen zu begleiten.

Stadium 5 im Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung:  Identität versus Identitätsdiffusion (Jugendalter)

In dieser Phase wird die Persönlichkeit gestärkt. Deshalb steht die Krise, die der Jugendlich durchlebt, mit der Frage “Wer bin ich?” in Zusammenhang. Die Spannungen mit den Eltern beginnen, da der Jugendliche versucht, für sich selbst eine Antwort zu finden und seine eigenen Vorlieben und Interessen zu bestimmen.

Stadium 6: Intimität und Solidarität versus Isolation (frühes Erwachsenenalter)

Hier geht es um den Aufbau von Beziehungen zwischen Nähe und Distanz zu anderen Menschen. Das bedeutet, dass man sich mit anderen wohlfühlen und Vertrauen zu ihnen haben kann. Diejenigen, die diese Krise nicht überwinden können, neigen zu oberflächlichen Beziehungen.

Stadium 7 im Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung:  Generativität versus Stagnation und Selbstabsorption (30 bis 50, Erwachsenenalter)

Dies ist eine Zeit, in der die Menschen mehr Zeit mit der Familie verbringen wollen. Allerdings stellt sich auch manchmal die Frage, ob man genug getan hat oder ob man mit seinen persönlichen Zielen im Rückstand ist.

Stadium 8: Ich-Integrität versus Verzweiflung (nach dem 50. Lebensjahr, reifes Erwachsenenalter)

In diesem Stadium können Erwachsene mit Stolz auf die Vergangenheit und die Gegenwart blicken. Dies erfolgt mit der Fähigkeit, die eigenen Leistungen und Misserfolge mit Weisheit anzuerkennen. Diejenigen, die diesen Konflikt nicht überwinden können, bleiben in Bitterkeit, Nostalgie und Verzweiflung über das, was sie nicht erreicht haben, gefangen.

Die Art und Weise, wie Menschen die mit dem Altern verbundenen Veränderungen bewältigen können, hängt davon ab, wie der Weg und die Stärke des Selbst verlaufen sind.

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Einige Aspekte, die man im Auge behalten sollte

Zunächst einmal denkt Erikson nicht in polaren Gegensätzen und Ausschlüssen. Daher ist es wichtig, Vertrauen zu lernen. Genauso wichtig ist es aber auch, in bestimmten Situationen achtsam zu sein.

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Eriksons Stadien und denen von Freud ist, dass erstere nicht auf das Jugendalter beschränkt sind, sondern bis ins Erwachsenenalter andauern. Das hat seinen Grund, denn das Wachstum stagniert oder endet nicht, sondern dauert bis zum Ende unserer Tage an.

Erikson wiederum konzentriert sich nicht nur auf die psychosexuelle Entwicklung wie Freud, sondern bezieht auch die psychosoziale Dimension mit ein.

Erik Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung: Ein umfassender Ansatz

Neben Eriksons Postulaten und der Art und Weise, wie er die einzelnen Stadien organisiert, ist auch der epigenetische Ansatz des Autors erwähnenswert. Dieser Ansatz betont die Rolle des Individuums in Kombination mit dem sozialen Bereich für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Das heißt, er lädt uns dazu ein, die Subjekte künftigen Umgang mit Widrigkeiten zu verstehen, mit all den Stärken und Schwächen, die dieser mit sich bringen kann. Zweifelsohne ist dies ein genaueres und vollständigeres Modell der menschlichen Realität.

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  • Bordignon, Nelso Antonio (2005). El desarrollo psicosocial de Eric Erikson. El diagrama epigenético del adulto. Revista Lasallista de Investigación, 2(2),50-63.[fecha de Consulta 10 de Noviembre de 2021]. ISSN: 1794-4449. Disponible en: https://www.redalyc.org/articulo.oa?id=69520210
  • Erikson, Erik. (1968, 1974). Identidad, Juventud y Crisis. Buenos Aires: Editorial Paidós.