Die Bindungstheorie nach John Bowlby

8. Januar 2019
Bowlby war ein englischer Psychoanalytiker, der großes Interesse an der kindlichen Entwicklung hatte. Entdecke heute mehr über seine Bindungstheorie. 

Wir alle benötigen Liebe und Zuneigung. Doch die Zärtlichkeit und Wärme der Eltern ist in den ersten Lebensjahren ganz besonders wichtig. Deshalb laden wir dich heute dazu ein, mehr über die Bindungstheorie nach John Bowlby zu erfahren.

Bowlby geht davon aus, dass jedes Baby die angeborene Notwendigkeit hat, zumindest von seiner Mutter so viel Liebe und Aufmerksamkeit wie möglich zu erhalten, um sich auf gesunde Weise entwickeln zu können, sowohl physisch als auch kognitiv und emotional.

Was Babys brauchen

Jedes Baby braucht Zärtlichkeiten, Nahrung, Wärme, Schutz und muss in den Armen getragen werden. Nur so kann es in unserer Welt überleben und positive Beziehungen zu seinen Mitmenschen aufbauen.

Und wie schafft es ein Baby, all dies zu bekommen? Anfangs durch Weinen. Danach entwickelt das Kind allmählich andere Mechanismen, um seine Bedürfnisse auszudrücken. Die Eltern müssen bis dahin wissen, was ihr Kind braucht und es entsprechend pflegen. 

Bindungstheorie zwischen Vater und Baby

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Was bedeutet Bindung?

Wenn wir von Bindung sprechen, beziehen wir uns auf die emotionale Beziehung, die ein Kind zu seinen Eltern (oder anderen Bezugspersonen, von denen es gepflegt und bedingungslos geliebt wird) aufbaut.

Diese Bindung bedeutet also:

  • Zuneigung und Liebe
  • Schutz
  • Verfügbarkeit
  • Begleitung
  • Zufriedenstellung der grundlegenden Bedürfnisse

Die Bindungstheorie nach John Bowlby geht davon aus, dass diese Beziehung grundlegend für eine gesunde, starke und glückliche Entwicklung des Kindes ist.

John Bowlby geht in seiner Bindungstheorie davon aus, dass Angst, Nervosität oder Unsicherheit des Babys auf Qualität und Quantität von Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung schließen lassen, die das Kind von seinen Bezugspersonen erhält: seiner Mutter, seinem Vater oder Pfleger.

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Die Bindungstheorie nach John Bowlby

Der Psychoanalytiker baut seine Theorie auf wissenschaftliche Forschungen im Bereich der Psychoanalyse, Evolution, Ethologie (Verhaltensbiologie) u.a. auf. Zwar hatte er damals viele Gegner, doch heute handelt es sich um ein Axiom, das in jeder Erziehung grundlegend ist. 

Kinder, die eine Bindung aufbauen können, entwickeln sich zu glücklichen, emotional starken und unabhängigen Erwachsenen. Sie sind selbstsicher, bereit, sich zu irren und daraus zu lernen und fähig, gewisse Situationen auf bestmögliche Weise zu bewältigen. 

Familien, die die Bindungstheorie nach John Bowlby in der Erziehung ihrer Kinder berücksichtigen, sollten Folgendes in die Praxis umsetzen:

  • Sie sollten sich viel Zeit nehmen, um ihrem Kind Zärtlichkeit zu geben (man spricht auch von Qualitätszeit).
  • Zärtlichkeiten müssen auf unterschiedliche Weise gezeigt werden, immer altersentsprechend. Kleine Kinder brauchen mehr physischen Kontakt. Doch auch ältere Kinder, die bereits unabhängig werden, benötigen Umarmungen und Küsse.
  • Eltern müssen geduldig sein. Es ist richtig, dass sie schwierige Aufgaben haben, doch sie dürfen sich nicht von den Umständen überwältigen lassen. Vergiss nicht, dass es sich lohnen wird, deinem Kind das Beste von dir zu geben.
  • Auch Ausgleich ist sehr wichtig. Es geht nicht darum, zu jeder Zeit honigsüß oder schmalzig zu sein. Du solltest deinem Kind deine Liebe und Zärtlichkeit ganz natürlich zeigen, wenn es dir danach ist.
  • Die Werteerziehung spielt ebenfalls eine grundlegende Rolle. Außerdem solltest du bereit sein, dich selbst so oft wie nötig umzuerziehen. Gehe den Weg gemeinsam mit deinem Kind, es handelt sich um ein Familienabenteuer.
Mutter, Vater und Kind

Noch mehr über Bindung und Bindungstheorie

Die Bindung beruht vorwiegend auf physischem Kontakt und dem Gefühl der Sicherheit und des Wohlbefindens durch diese Nähe. Damit werden soziale Fähigkeiten entwickelt und gestärkt.

Die Antwort auf das grundlegende Pflegebedürfnis, das respektiert wird, die Antwort auf Schutz und Zuneigung ist emotionale Sicherheit, was Wohlbefinden ermöglicht.

Die Bezugsperson symbolisiert die Säule für fast alle Lernprozesse im Leben. Sie gibt dem Kind auch ausreichend Vertrauen, um die Welt zu erkunden und Erfahrungen zu machen, die über die Komfortzone hinausgehen. So kann sich das Kind entwickeln und wachsen.

Mit anderen Worten: Wenn das Kind an der Seite seiner Bezugsperson keine Angst hat, fühlt es sich glücklich und hat den Wunsch, zu lernen und neue Dinge zu erforschen. Es weiß, dass ihm nichts Schlechtes passieren kann, denn es wird von jener Person geschützt, die es über alles liebt.

In Anwesenheit der Bezugsperson oder anderer Bezugspersonen kann sich das Kind voller Vertrauen und Spontanität verhalten, was es ihm ermöglicht, mit der Umgebung in Kontakt zu treten und seine Persönlichkeit zu entwickeln.

Die Sensibilität der erwachsenen Bezugsperson auf die Liebesbedürfnisse des Kindes bestimmt seine emotionale Gesundheit sowie die Art von Beziehungen, die es mit seinen Mitmenschen aufbauen wird.

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