Wie uns soziale Vergleiche beeinflussen

28 Januar, 2020
Der Vergleich mit anderen Menschen kann zu Frustration und Ängsten führen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig zu wissen, wie soziale Vergleiche auf positive und nutzbringende Weise eingesetzt werden können. 

Wir vergleichen uns permanent mit unseren Mitmenschen, Menschen aus den sozialen Netzwerken, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und sogar mit fiktiven Personen. Die allgemeine Meinung zu dieser Thematik besagt, dass soziale Vergleiche meist negativ sind und daher um jeden Preis vermieden werden sollten.

Aber wie würdest du reagieren, wenn wir dir sagen würden, dass soziale Vergleiche ein Teil der menschlichen Natur sind?

Müssen wir uns mit anderen Menschen vergleichen?

Der Sozialpsychologe Leon Festinger hat die Theorie des sozialen Vergleichs und die Theorie der kognitiven Dissonanz entwickelt. Darin postuliert er, dass Menschen ihre Meinungen und Fähigkeiten evaluieren müssen. Mit anderen Worten, Menschen wollen wissen, ob sie konsistent sind und ob ihre Entscheidungen und Gedanken valide sind.

Darüber hinaus sagt der Psychologe Joel Feliu, dass Menschen begonnen haben, sich mit anderen zu vergleichen, um eine gewisse Sicherheit darüber zu erlangen, ob ihre eigene Meinung und ihre Fähigkeiten Gültigkeit haben. Sie taten dies, weil sie keine andere Möglichkeit hatten, dies zu überprüfen.

soziale Vergleiche - zwei unterschiedlich große Kinder

Selbst wenn die Dinge relativ klar sind, neigen wir häufig dazu, auf die Meinung anderer Menschen zu vertrauen. Das bedeutet, dass wir der Meinung anderer Menschen mehr Glauben schenken als unserer eigenen, wenn es darum geht, was wir tun, sagen oder denken sollen.

Allerdings betont Feliu, dass diese Vergleiche nicht willkürlich und zufällig erfolgen. Wir vergleichen uns mit den Menschen, von denen wir annehmen, dass sie uns ähnlich sind. Sobald wir eine Ähnlichkeit mit einem anderen Menschen festgestellt haben, vergleichen wir unsere Meinungen und Fähigkeiten mit diesem Menschen.

All diese Überlegungen führen zum Konzept der Gruppenkonformität. Die Tatsache, dass wir verlässliche Meinungen von den Menschen brauchen, die uns ähneln, führt zu einem Bedürfnis nach Uniformität in der Gruppe. Das bedeutet, dass wir mehr wie andere sein wollen und uns gleichermaßen wünschen, dass andere mehr wie wir sind.

Kognitive Dissonanz

Aber was passiert, wenn unsere Einstellungen und Meinungen nicht mit diesen Menschen übereinstimmen? Wenn soziale Vergleiche zu Diskrepanzen führen, können daraus kognitive Dissonanzen entstehen.

Festinger sagt, dass diese Dissonanzen psychischen Stress verursachen. Dieser Stress kann dazu führen, dass wir unsere Entscheidungen, Meinungen, Einstellungen und letztendlich auch unsere kognitiven Systeme verändern.

Soziale Vergleiche: wie schädlich sind sie?

Da wir bereits wissen, dass soziale Vergleiche ein Teil der menschlichen Natur sind, stellt sich noch eine weitere sehr wichtige Frage. Wie beeinflussen uns diese sozialen Vergleiche?

Wenn wir uns mit anderen vergleichen, kann uns dies auf unterschiedliche Art und Weise beeinflussen. Je nachdem, wie viel Bedeutung wir diesem Vergleich beimessen, kann er uns mehr oder weniger stark beeinflussen. Wenn wir unsere eigene Situation mit der anderer Menschen vergleichen, kann dies ernsthafte Auswirkungen auf unser Selbstwertgefühl haben und unser Autonomiegefühl negativ beeinflussen.

Allerdings sollten wir erkennen, dass jeder Mensch aufgrund seiner eigenen schwierigen Erfahrungen eine einzigartige Lebenssituation hat. Jede einzelne Situation in unserem Leben hat dazu geführt, dass unser Leben heute so ist, wie es ist und daher hat jeder Mensch auch eigene Lebensumstände. Wenn wir unser Leben mit dem Leben anderer Menschen vergleichen, kann unser Selbstwertgefühl dadurch ernsthaft beeinträchtigt werden.

Darüber hinaus sollten wir uns an folgendes Sprichwort erinnern: “Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag”. Denke daran, dass der äußere Schein sehr trügerisch sein kann. Die Ärztin und Gesundheitsexpertin Susan Biali weist auf die wichtige Tatsache hin, dass wir unser “Inneres” nicht mit dem “Äußeren” anderer Menschen vergleichen sollten.

Seit der Entstehung sozialer Netzwerke vergleichen wir heute beinahe täglich unser eigenes Leben mit dem der anderen, wenn wir ihre Facebook- und Instagram-Profile betrachten. Dabei vergessen wir allerdings sehr häufig, dass wir uns fast ausschließlich auf die veröffentlichten Fotos verlassen.

Soziale Vergleiche als Inspiration und Anregung

Wir sind alle einzigartig und haben unsere eigenen persönlichen Lebensumstände. Wenn wir uns permanent mit anderen vergleichen, übernehmen wir dadurch bestimmte Erwartungshaltungen, die gar nicht mit unseren eigenen Erfahrungen übereinstimmen. Dennoch gibt es auch eine Möglichkeit, soziale Vergleich auf gesunde und positive Art und Weise zu nutzen: als Inspiration.

 

soziale Vergleiche - Waage aus Menschen

Wenn wir sehen, wie andere Menschen Fortschritte machen und ihre Träume verwirklichen, während wir selber noch sehr viel Arbeit vor uns haben, kann das sehr frustrierend sein und große Ängste in uns auslösen. Allerdings können wir diese Frustration und den Neid auch in etwas Positives verwandeln. Wenn wir uns von den Erfolgen anderer Menschen motivieren lassen, dann wird uns das selber ebenfalls weiterbringen.

Daher solltest du dich beim Vergleich mit anderen Menschen immer darauf konzentrieren, wie du dich selber verbessern und entwickeln kannst. Dadurch wirst du die Menschen aus einer anderen Perspektive betrachten.

Sie werden für dich zu einer Inspiration oder einem Vorbild und werden dir helfen, deine eigenen Ziele zu erreichen. Beobachte und analysiere, was sie getan haben, um das zu erreichen, was sie heute haben. Motiviere dich selbst, indem du dir sagst: “Wenn sie das können, dann kann ich das auch”.

  • Biali, S. (2010). Live a live you love: seven steps to a healthier, happier, more passionate you. Beaufort Books.
  • Festinger, L. (1975). Teoría de la disonancia cognoscitiva. Instituto de Estudios Políticos. España
  • Ibáñez, T., Botella, M., Domènech, M., Feliu, J., Martínez, L.M., Pallí, C., Pujal, M. y Tirado, F.J. (2004). Introducción a la psicología social. Editorial UOC. España: Barcelona.