Erziehung in Japan: Warum hören Japaner so sehr auf ihre Eltern?

26. Mai 2018
In Japan gilt eine einzigartige Kindererziehung. Eltern vergleichen ihr Kind mit einer Pflanze, die gegossen, gedüngt und gestutzt werden muss, um richtig zu wachsen. Der Zeitpunkt, zu dem sich bestimmte Fähigkeiten entwickeln, hängt von der Bedeutung ab, die diese für die jeweilige Kultur hat. In Japan werden Dinge wie Empathie und Zurückhaltung geschätzt. Man erwartet daher von den Kindern, diese Gewohnheiten von klein auf zu entwickeln.

Lasst uns einige besondere Eigenschaften der Erziehung in Japan näher betrachten.

Die Erziehung abhängiger Kinder

Die Erziehung in Japan basiert grundsätzlich auf der Vorstellung, dass ein Kind von seiner Mutter abhängig ist. Von Geburt an stellen Mütter eine innige Verbindung zu ihren Babys her und verstärken diese Verbindung während der gesamten Kindheit.

In dem Artikel „Early Childhood Discipline“ (Deutsch: frühkindliche Disziplin) untersuchte die Kansas Association for Children and Early Childhood Mental Health multikulturelle Erziehungsstile. Dabei kam heraus, dass japanische Eltern sich traditionell um die Aufgaben (sich anziehen, baden, den Tisch decken, usw.) ihrer Kindern kümmern. Dies geschieht auch noch bei Jugendlichen und steht im Gegensatz zu einer Erziehung, die auf Unabhängigkeit abzielt.

Kinder in Japan

Diese Entwicklung von extremer Nähe wird einer Erziehung, die auf disziplinarischen Maßnahmen basiert, vorgezogen.

Traditionell vertrauen japanische Mütter auf die intime Beziehung, die sie zu ihren Kindern aufgebaut haben, anstatt zu bestrafen oder angemessenes Verhalten zu erzwingen. 

Die Rolle japanischer Mütter

Japanische Mütter bestimmen die Bildung, Hobbys und sogar die berufliche Laufbahn ihrer Kinder. Auf diesem Wege lernen japanische Kinder, gewissenhaft zu gehorchen. Gleichzeitig sind sie aber auch abhängig von den Eltern als ihre Wegweiser.  

Die Rolle der Mutter konzentriert sich darauf, äußerst vorsichtig und selektiv zu sein, wenn es darum geht, Entscheidung für ihre Kinder zu treffen.

Dinge wie Kindermädchen, Filmabende ohne Baby oder der Wochenendtrip nur für Mama und Papa sind nicht üblich und werden in der japanischen Kultur nicht gern gesehen.

Die Bedeutung von Empathie

In Japan ist man sehr darauf bedacht, die Auswirkungen des eigenen Handels auf andere abzuwägen. Daher ist es entscheidend, eines der wertvollsten Dinge zu bewahren: Harmonie. Dies macht Empathie zum Kern der japanischen Kultur und nicht überraschend auch zum Kern der japanischen Erziehung.

In vielen westlichen Kulturen fordern Eltern oft die Einhaltung bestimmter Regeln durch Befehle oder Bestrafungen. Japanische Mütter hingegen sind dafür bekannt, ihren Kindern ständig beizubringen, wie sich ihre Handlungen auf die Gefühle anderer Menschen oder Tiere auswirken.

Japanische Kinder beginnen schon in jungen Jahren, die Wichtigkeit von Empathie zu erkennen.

Kindliche Disziplin in Japan: Eltern übertragen ihre Werte auf ihre Kinder

Japanische Familie

 

Eltern setzten bei der Erziehung ihrer Kinder auf Nähe. Sie leiten sie in ihrer Entwicklung dahingehend an, Routinen und Verhaltensmuster zu etablieren. Die Anleitung durch die Eltern wird mit der Zeit weniger, da die Kinder in der Lage sind, das Erlernte selbstständig anzuwenden.

Japans Kultur gilt als strikt und weckt die Idee, dass japanische Eltern sehr streng sein müssen. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Westliche Eltern achten mehr auf die Einhaltung der Regeln und die Verhängung von Strafen. Japanische Eltern hingegen stellen mehr Regeln auf und verlassen sich nicht so sehr auf Bestrafung.

Gehorsamkeit und Kooperation gehen Hand in Hand

In Japan sind Kinder Teil von kleinen Gruppen (Sport, Kultur, Vereine in der Schule), die auf Harmonie und Kooperation basieren.

Der soziale Druck dieser Gruppen wirkt als normativer Akteur, der indirekt die Einhaltung von Regeln fordert und die Kinder angemessenes Verhalten und Gehorsam lehrt.

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