Die Bedeutung der Trauer nach einer Fehlgeburt

27 Dezember, 2020
Wenn du nach einer Fehlgeburt nicht trauerst, um diesen schweren Schlag zu verkraften, kann dein Schmerz chronisch werden.

Den Verlust eines ungeborenen Kindes zu erleben, ist eine der schmerzhaftesten Situationen, die eine Frau erleben kann. Die Trauer nach einer Fehlgeburt ist grundlegend und man sollte sie unbedingt zulassen, um dieses Ereignis verarbeiten zu können.

Der Trauerprozess ist auch nötig, um zu verhindern, dass ernste psychologische Konsequenzen entstehen.

Fehlgeburt: Ein Tabuthema

Aus oft unerklärten Gründen kommt es zu einer Fehlgeburt, die von einer Mauer des Schweigens umgeben ist. Dies ist selbst in unserer modernen Gesellschaft weiterhin der Fall. Jede vierte schwangere Frau ist davon betroffen, trotzdem hört man nur wenig über dieses Thema.

Frauen, die diesen unglücklichen Schicksalsschlag erleben, sind oft alleine in ihrer Trauer und bevorzugen es, nicht darüber zu sprechen. Dies ist auch bei einer geplanten Abtreibung meist der Fall. In diesem Fall kommen noch Schuldgefühle hinzu. Um nicht zusätzlich von der Gesellschaft als schlecht betrachtet zu werden, bewahren viele dieses Geheimnis für sich.

Eine Fehlgeburt ist in jeder Hinsicht ein Verlust (emotional, physisch usw.). Daher ist es wichtig, eine Zeit für die Trauer nach einer Fehlgeburt einzuplanen, um sie auf gesunde Weise in unsere Lebensgeschichte einfließen zu lassen.

Die physischen und psychischen Auswirkungen

Eine Fehlgeburt bedeutet eine große Veränderung in nur sehr kurzer Zeit.  Niemand ist darauf vorbereitet. Die betroffene Frau muss zuerst die physischen Auswirkungen überwinden, die sehr unangenehm sein können. Besonders schwierig sind allerdings die psychologischen Folgen einer Fehlgeburt, denn wenn ein Kind stirbt, gehen mit ihm auch Träume, Erwartungen und die geplane gemeinsame Zukunft verloren.

Die betroffene Frau verliert nicht nur ihr Baby, sondern auch ihre Rolle als Mutter sowie das gesamte soziale Konstrukt, das sie um das Kind herum aufgebaut hat.

Trauer nach einer Fehlgeburt

Die Zeit der Trauer ist deshalb nach einer Fehlgeburt für die betroffene Frau und die ganze Familie sehr wichtig. Sie hilft, diese Situation zu verarbeiten und neue Hoffnung zu fassen. Oft werden die Auswirkungen gesellschaftlich völlig unterschätzt. Es ist jedoch wichtig, dass Eltern (insbesondere Mütter) sich darüber bewusst sind, dass sie mit einer schwierigen Zeit konfrontiert sind und dass sie diese so bewusst wie möglich angehen sollten.

Angesichts all dieser Schmerzen entscheiden sich viele Frauen für schnelle Lösungen, wie sofort wieder schwanger zu werden. Oder aber sie versuchen, den Verlust insgesamt zu leugnen. Dieses Verhalten macht allerdings den Prozess nicht einfacher. Wenn sich die Frau oder die Familie weigert, sich dem Schmerz zu stellen, wird dieser chronisch und noch lange Jahre anhalten.

Die Gefühle der Trauer nach einer Fehlgeburt

Trauer bringt eine Vielzahl von Emotionen mit sich. Einige davon sind:

  • Schuld ist eine der häufigsten Emotionen, die mit einer Fehlgeburt einhergehen. Die betroffene Frau versucht zu verstehen, was passiert ist. Sie gibt sich oft selbst die Schuld und glaubt, nicht vorsichtig genug gewesen zu sein.
  • Minderwertigkeitsgefühle oder Versagen. Angesichts des Schweigens um sie herum, fühlen sich Frauen oft unfähig oder wertloser als andere Frauen, nur weil sie ihr Kind verloren haben.
  • Traurigkeit, Einsamkeit und Unverständnis. Viele wissen nicht, wie sie einer trauernden Mutter gegenüber am besten reagieren können, um sie zu unterstützen. Sie bewirkten mit ihren Versuchen, die trauernde Frau aufzuheitern vielleicht genau das Gegenteil. Die Frau fühlt sich in ihrem Schmerz dann noch einsamer.
  • Angst und Furcht. Durch diese schwierige Erfahrung hat die Frau Angst vor einer weiteren Fehlgeburt, was sie zusätzlich belastet. Frauen können sich jedoch auch davor fürchten, dass sie nicht wieder schwanger werden können.
Nimm dir all die Zeit, die du brauchst, um zu trauern. Selbst wenn die Menschen in deiner Umgebung es nicht verstehen können, solltest du es dir wirklicherlauben, alle Emotionen zu erleben, die dieser Prozess mit sich bringt.

Wie kann man nach einer Fehlgeburt trauern?

  1. Nimm dir all die Zeit, die du brauchst, um zu trauern. Selbst wenn die Menschen in deiner Umgebung es nicht verstehen können, solltest du es dir erlauben, alle Emotionen zu erleben, die dieser Prozess mit sich bringt.
  2. Versuche nicht, den Schmerz zu vertuschen. Stürze dich nicht sofort in eine andere Schwangerschaft oder beschäftige dich zwanghaft mit anderen Dingen.
  3. Drücke dich aus. Sprich mit deinen Lieben, deinem Partner oder finde einer Selbsthilfegruppe, in der du mitteilen kannst, was du fühlst und denkst.
  4. Führe ein Abschiedsritual durch. Womöglich kannst du keine formelle Beerdigung haben, aber es ist trotzdem wichtig, sich auf irgendeine Weise zu verabschieden, auch wenn es symbolisch ist. Wenn du deinem ungeborenen Kind einen Namen gibst, kannst du ihm außerdem einen besonderen Platz in deinem Leben einräumen.
  5. Denke daran, dass jeder Mensch Zeit benötigt, um zu trauern. Denn die Trauer ist kein linearer Prozess, weshalb Höhen und Tiefen völlig normal sind.
  6. Wenn du nach einiger Zeit das Gefühl hast, emotional nicht voranzukommen oder es nicht alleine zu schaffen, zögere nicht, dich in diesem Fall an einen Spezialisten zu wenden.