Stressimpfung: Wie kann sie Jugendlichen helfen?

Mit ihrer neugewonnenen Unabhängigkeit werden Jugendliche mit einer Vielzahl von Situationen konfrontiert, die ihnen Stress bereiten können. Diese psychologische Technik kann ihnen bei der Bewältigung helfen.
Stressimpfung: Wie kann sie Jugendlichen helfen?
Elena Sanz Martín

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz Martín.

Letzte Aktualisierung: 03. Januar 2023

Stress ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers, die wir alle irgendwann erleben. So sehr wir uns auch wünschen, dass unsere Kinder ein ruhiges und unbeschwertes Leben führen, werden sie wahrscheinlich zahlreichen Herausforderungen begegnen. Deshalb ist es wichtig, sicherzustellen, dass sie über die richtigen Strategien und Tools verfügen. Und genau darum geht es bei der Stressimpfung.

Die Pubertät ist wegen all der Veränderungen, die sie mit sich bringt, eine besonders komplizierte Zeit. Junge Leute gehen raus in die Welt und geben nach und nach den elterlichen Schutz auf. Daher können sie sich häufig überfordert fühlen. Die Technik, über die wir heute sprechen, bietet ihnen eine klare Anleitung zum Umgang mit Stress.

Was ist Stressimpfung?

Stressimpfung ist keine spezielle Technik. Vielmehr handelt es sich um eine psychotherapeutische Intervention, die mehrere Strategien vereint. Sie dauert ungefähr 10 Sitzungen und besteht aus drei Phasen. Das Hauptziel besteht darin, der Person zu helfen, die Funktionsweise von Stress zu verstehen, Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, um damit umzugehen, und sie bei der Anwendung anzuleiten.

Es handelt sich um eine kognitive Verhaltenstechnik, die erfolgreich bei Kindern angewendet wird. Dennoch erfordert sie, dass Kinder eine gewisse kognitive Entwicklung haben. Daher ist die Adoleszenz eine Phase, in der sie sehr nützlich sein kann. Junge Menschen sind durchaus in der Lage, das Gelernte von klein auf zu verstehen und anzuwenden.

Schritt für Schritt zur Stressimpfung

Stressimpfung - Ein Teenager, der sich von seiner Mutter abwendet.


Psychoedukation

In dieser ersten Phase erklärt die Fachkraft dem Jugendlichen, wie die Stressreaktion funktioniert. Der Teenager lernt zu verstehen, dass Stress natürlich und anpassungsfähig ist, solange er gelegentlich auftritt. Wenn er jedoch chronisch oder übermäßig auftritt, kann er sie daran hindern, ein normales Leben zu führen.

In dieser Phase lernen die Jugendlichen auch, wie ihr konkretes Problem funktioniert. Bei der sozialen Phobie zum Beispiel heißt es, sie entstehe dadurch, dass man sich bei Interaktionen zu sehr auf sich selbst konzentriert. Im Falle von Prüfungsangst erfahren sie, dass übermäßiger Perfektionismus zu schlechteren Leistungen führen kann.

Probephase

Diese Phase ist die längste, aber auch die wichtigste. Hier werden dem Teenager verschiedene Techniken und Strategien vermittelt, die ihm helfen können, mit Stress umzugehen. Im Allgemeinen kommen eine Entspannungs- oder Atemtechnik (um Angst auf physiologischer Ebene zu bewältigen) und eine kognitive Technik zum Einsatz.

Bei der kognitiven Technik geht es darum, den inneren Dialog zu ändern, indem der junge Mensch ermutigt wird, negative Gedanken durch ermutigende und funktionale Gedanken zu ersetzen. Diese neuen Gedanken sollten mental wiederholt werden, wenn man sich der gefürchteten Situation gegenübersieht, damit sie motivierend und beruhigend wirken, um diese zu bewältigen.

Es folgt eine Reihe von Übungen, die es dem Jugendlichen ermöglichen sollen, die neuen Strategien in einem sicheren Umfeld anzuwenden. Dies sollte mit Situationen beginnen, die leichtes Unbehagen auslösen und zu Situationen übergehen, die mehr Angst verursachen.

Im Falle einer sozialen Phobie kann der/die Jugendliche beispielsweise aufgefordert werden, sich eine soziale Szene vorzustellen, die ihm/ihr Angst macht, und sich vorzustellen, wie er/sie mit den neu erworbenen Fähigkeiten bewältigt. Er/sie kann diese Strategien auch mit dem/der Therapeut/in oder Familienmitgliedern üben, bevor er/sie sie im wirklichen Leben anwendet.

Stressimpfung - Ein junges Mädchen sitzt auf dem Boden neben ihrem Bett und drückt ein Kissen an ihre Brust.


Umsetzungsphase

In dieser letzten Phase muss sich der/die Heranwachsende den gefürchteten Situationen im wirklichen Leben stellen und sich jetzt auf das Gelernte verlassen. Es geht darum, die einstudierten Techniken auf reale Szenarien anzuwenden. In unserem Beispiel kann der/die Jugendliche diese also im Umgang mit Mitschülern, Freunden oder Fremden in die Praxis umsetzen.

Stressimpfung, ein großartiges Hilfsmittel

Dieses Verfahren lässt sich bei einer Vielzahl von Problemen anwenden, die mit einem hohen Maß an Angst oder Stress einhergehen. Letztlich ist die Stressimpfung ein Leitfaden für junge Menschen, der ihnen hilft, mit schwierigen Situationen umzugehen und sie zu überwinden. Sie hilft ihnen, ihre eigenen Ressourcen zu kennen und zu nutzen, um schwierige Situationen zu bewältigen.

Sobald Kinder und Jugendliche diese Werkzeuge erworben haben, können sie sie in zahlreichen Szenarien anwenden. Sie werden eine lebenslange Ressource sein, die immer zur Verfügung steht. Außerdem wird das Selbstvertrauen mit jeder erfolgreichen Anwendung deutlich steigen. Es handelt sich also um eine sehr umfassende und wirksame psychologische Intervention.

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