BeReal, das neue soziale Netzwerk für Teenager

Auf BeReal teilen junge Menschen alltägliche und spontane Bilder aus ihrem Leben. Wir erklären dir, welche Idee hinter diesem sozialen Netzwerk steckt und wie es sich auf deine Kinder auswirken kann.
BeReal, das neue soziale Netzwerk für Teenager
Elena Sanz Martín

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz Martín.

Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2023

Teenager und soziale Netzwerke sind zwei Begriffe, die Hand in Hand gehen. Junge Leute verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, Inhalte im Internet zu posten und zu konsumieren. Sie erkunden Profile und nehmen an den Modetrends des Augenblicks teil. Doch gerade als wir dachten, dass in dieser Welt schon alles erfunden wurde, erschien ein neues soziales Netzwerk auf der Bildfläche. BeReal ist ein origineller und neuartiger Vorschlag, der die Regeln der sozialen Medien auf den Kopf stellt.

Das Ziel von BeReal es, die Antithese zu all der Oberflächlichkeit und Perfektion zu sein, die Plattformen wie Instagram oder TikTok beherrscht. Hier gibt es keine Filter und keine Planung. Die Idee ist, einfach echt zu sein. Und wegen des einzigartigen Ansatzes dieses neuen sozialen Netzwerks ist es bei Jugendlichen immer beliebter geworden. Wenn du also ein Kind hast, das soziale Medien nutzt, solltest du alles über BeReal wissen.

Was ist BeReal?

Wie wir bereits gesagt haben, ist BeReal ein neues soziales Netzwerk, das bei jungen Menschen der Generation Z sehr in Mode gekommen ist. Obwohl es bereits 2020 von den Franzosen Alexis Barreyat und Kevin Perreau gegründet wurde, stieg seine Popularität im Jahre 2022 am stärksten. Das innovative Konzept besteht darin, dass diese Plattform es ermöglicht, andere in alltäglichen Momenten zu zeigen und zu beobachten, ohne die Videos zu bearbeiten und ohne etwas im Voraus zu organisieren.

Die Dynamik ist ganz einfach. Um BeReal zu nutzen, musst du nur die App herunterladen (die für iOS und Android verfügbar ist) und ein Benutzerkonto erstellen. Dann schickt dir die Plattform zu einer zufälligen Tageszeit (die du nicht vorhersagen kannst) eine Benachrichtigung mit der Aufforderung “Es ist Zeit für BeReal”.

BeReal - Jugendliche macht ein Selfie
Wenn die App eine Benachrichtigung schickt, ist es Zeit zu posten. Dazu musst du ein Selfie machen und dann deine Umgebung fotografieren.

Posting-Optionen

An diesem Punkt loggen sich die Nutzer/innen in das soziale Netzwerk ein und haben zwei Minuten Zeit, ein Bild von dem hochzuladen, was sie gerade tun. Bei der Veröffentlichung werden zwei Bilder übereinander gelegt: eines, das mit der Frontkamera (im Selfie-Stil) aufgenommen wurde, und ein weiteres, das mit der Rückkamera aufgenommen wurde und die Umgebung zeigt, in der sich die Person befindet.

Es gibt auch die Möglichkeit, diese Bilder privat zu veröffentlichen, sodass nur deine Freunde sie sehen können. Alternativ kann man sie öffentlich posten. In letzterem Fall kann dich jeder entdecken und deine Beiträge sehen. Allerdings kannst du nur dann auf die Inhalte deiner Freunde zugreifen, wenn du zuvor deine eigenen Fotos veröffentlicht hast. Daher ist es keine Option, als passiver Nutzer im Schatten zu bleiben.

Was unterscheidet BeReal von anderen sozialen Netzwerken?

Mit den obigen Informationen hast du vielleicht schon einige wichtige Unterschiede zwischen BeReal und einigen der anderen bei Jugendlichen beliebtesten sozialen Netzwerke erkannt. Trotzdem hier die wichtigsten Unterschiede.

Nutzungsdauer

In Anwendungen wie TikTok können junge Menschen stundenlang scrollen, und genau das ist die Idee. In diesem Netzwerk geht es darum, die Nutzer/innen dazu zu bringen, so viel Zeit wie möglich auf der Plattform zu verbringen, wofür verschiedene Strategien eingesetzt werden. Bei BeReal hingegen ist das Ziel, die Nutzungszeit zu begrenzen und den Nutzer/innen nur die wirklichen Veröffentlichungen des Augenblicks zu zeigen.

Realität versus Fiktion

Das ist das herausragendste Merkmal, denn bei BeReal gibt es keine Filter, die auf die Bilder angewendet werden können. Außerdem ist es nicht möglich, auf die Galerie zuzugreifen, um bereits aufgenommene Bilder auszuwählen. Die einzige Möglichkeit ist, ein Bild an Ort und Stelle aufzunehmen und es so zu veröffentlichen, wie es ist. Die App erlaubt es dir zwar, mehrere Versuche zu unternehmen, aber die anderen wissen, wie viele du unternommen hast, bevor du das endgültige Foto auswählst.

Damit werden die Nutzer/innen dazu aufgerufen, sich in der Realität zu verankern, gewöhnliche Leben, gewöhnliche Körper und alltägliche Situationen zu teilen und zu betrachten. Das nimmt den Druck, der in anderen virtuellen Umgebungen durch perfekt vorbereitete, retuschierte und verfälschte Montagen entsteht.

BeReal - Mädchen macht Selfie vor dem Spiegel
Das Ziel von BeReal ist es, dass junge Menschen reale Situationen aus dem Alltag teilen, ohne Bilder zu bearbeiten oder zu verfälschen.

Bewegungsfreiheit

In BeReal können die Nutzer/innen nicht veröffentlichen, wann und so viel sie wollen. Sie können es nur tun, wenn die App es ihnen erlaubt. Und das ist einmal pro Tag, nachdem sie die Benachrichtigung erhalten haben. Außerdem kann der/die Nutzer/in die Profile und Beiträge anderer nicht einsehen, wenn diese an diesem Tag keine eigenen Inhalte hochgeladen haben. Die Regeln sind einschränkender als in anderen sozialen Netzwerken.

Lebensdauer der Inhalte

Außerdem werden die Beiträge bei BeReal innerhalb von 24 Stunden gelöscht. Das passiert auch auf anderen Plattformen mit der Option von Stories, aber auf diesen Plattformen ist es möglich, andere Inhalte zu teilen, die dauerhaft sichtbar bleiben. Hier nicht.

BeReal birgt auch Risiken

Kurz gesagt, die Idee von BeReal ist anders und innovativ. Denn diese App hat interessante Punkte, die für sie sprechen. Allerdings ist es keine perfekte Anwendung. Es gibt Leute, die sie nicht richtig nutzen und statt das Bild zu dem Zeitpunkt hochzuladen, zu dem sie dazu aufgefordert werden, warten sie, bis sie sich in einer “idyllischeren” Situation befinden, um die Anwendung aufzurufen und zu veröffentlichen. Dadurch geht der beabsichtigte Realismus verloren.

Gleichzeitig kann die Tatsache, dass die Benachrichtigung zufällig zu einem bestimmten Zeitpunkt des Tages kommt, dazu führen, dass die Nutzer/innen ständig aufmerksam sind und auf die Aufforderung warten, was nicht positiv ist. Nichtsdestotrotz ist es ein interessantes soziales Netzwerk, das dein Teenager wahrscheinlich nutzen wird oder nutzen möchte. Aber wie in jedem anderen Fall ist es wichtig, dass du ihn/sie leitest und beaufsichtigst.

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  • Wilmer, H. H., & Chein, J. M. (2016). Mobile technology habits: patterns of association among device usage, intertemporal preference, impulse control, and reward sensitivity. Psychonomic bulletin & review23(5), 1607-1614.

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