Das Gefühl der Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind: Warum passiert das und wie geht man damit um?

Das Gefühl der Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind kann große Schuldgefühle bei der Mutter und emotionale Schäden beim Kind hervorrufen. In unserem heutigen Artikel erfährst du mehr zu diesem Thema.
Das Gefühl der Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind: Warum passiert das und wie geht man damit um?
Elena Sanz Martín

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz Martín.

Letzte Aktualisierung: 26. November 2022

Die Mutterschaft wird oft als ein idyllischer Zustand voller Glück und bedingungsloser Liebe wahrgenommen. Die Realität ist jedoch, dass ein erheblicher Prozentsatz der Mütter aus verschiedenen Gründen keine emotionale Bindung zu ihrem Baby aufbauen kann. Das Gefühl der Ablehnung gegenüber dem Kind führt zu großen Schuldgefühlen. Und kann der Mutter und ihrem Baby erheblichen emotionalen Schaden zufügen.

Die Suche nach Lösungen ist jedoch kompliziert, vor allem, weil dieses Problem normalerweise nicht offen angesprochen wird. Obwohl viele Mütter diese Ablehnung spüren, werden diejenigen, die es wagen, sie anzusprechen, verurteilt, anstatt Verständnis und Hilfe zu bekommen.

Allerdings kann es diese Last noch schwerer machen, wenn man sie im Stillen trägt. Deshalb wollen wir die häufigsten Ursachen für diese Situation aufzeigen, damit du die Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind besser verstehst und ein paar Werkzeuge bekommst, um damit umzugehen.

Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind - weinende Mutter am Kinderbett

Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind spüren: Warum passiert das?

Wenn eine Mutter Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind verspürt, liegt das meist daran, dass die emotionale Bindung noch nicht richtig aufgebaut wurde. Das kann aus verschiedenen Gründen passieren, aber zu den häufigsten gehören die folgenden.

Ungeplante Schwangerschaft

Die Geburt eines Kindes verändert das Leben einer Frau radikal. Es müssen viele Opfer gebracht und Anstrengungen unternommen werden, um sich angemessen um das kleine Wesen zu kümmern und es gut zu versorgen.

Nicht alle Frauen wollen Mutter werden oder haben das Gefühl, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist. Wenn eine ungeplante Schwangerschaft eintritt, kann es aufgrund der emotionalen Auswirkungen schwierig sein, sich auf diese neue Rolle einzustellen.

Das gilt nicht nur für Erstgebärende, die vielleicht nicht schwanger werden wollten, oder zumindest nicht so bald. Dieses Gefühl kann auch bei späteren Schwangerschaften auftreten. Wenn sich die Frau beispielsweise in einer Lebensphase befindet, in der die Mutterschaft nicht zu ihren Plänen gehörte.

Postpartale Depression

Schätzungsweise 10 bis 20 % der Frauen leiden unter postpartaler Depression. Dabei handelt es sich um einen Zustand, der Ängste, Unruhe, Weinkrämpfe, Schlafprobleme, Isolation, Müdigkeit oder Schuldgefühle auslösen kann.

Vor allem aber behindert er den normalen Aufbau der Bindung zum Baby. Die Angst, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein oder sich von den Herausforderungen der Mutterschaft überfordert zu fühlen, kann zu einer gewissen Ablehnung des Kindes führen.

Viele Mütter erleben diese Art von Emotionen in den ersten zwei Wochen nach der Entbindung. Wenn diese Emotionen jedoch länger anhalten, die Pflege des Babys erschweren oder erhebliche Beschwerden verursachen, ist es notwendig, eine Fachkraft aufzusuchen.

Erwartungen an die Mutterschaft

Ein weiterer wichtiger Grund, der dazu führen kann, dass eine Frau ihr Kind ablehnt, sind unrealistische Erwartungen an die Mutterschaft.

Viele Frauen sind sich erst dann voll bewusst, was die Mutterschaft alles mit sich bringt, wenn sie ein Baby in ihren Armen halten. Für andere ist die Mutterschaft kein echter Wunsch, sondern ein Schritt, den sie aufgrund von sozialem Druck oder in der Absicht unternehmen, ihre Beziehungsprobleme zu lösen. Wenn sie dann mit der Realität konfrontiert werden, fühlen sich viele Mütter überfordert, bereuen es und sind nicht in der Lage, mit der Situation umzugehen.

Manchmal ist es auch das Temperament oder die Persönlichkeit des Kindes, das zu Ablehnung führt. Ein Baby, das übermäßig anspruchsvoll ist, häufig weint und Schwierigkeiten hat, richtig zu essen oder zu schlafen, entspricht vielleicht nicht den Erwartungen der Mutter. Wenn das Kind heranwächst und auch seine Persönlichkeit nicht den Erwartungen entspricht, kann dies zu inneren Konflikten bei der Mutter führen.

Wie verhält man sich, wenn man das Gefühl der Ablehnung gegenüber dem eigenen Kind verspürt?

Zunächst einmal solltest du bedenken, dass du nicht alleine bist. Denn es gibt viele Mütter, die das gleiche Gefühl haben. Deshalb solltest du dich nicht schuldig fühlen, die Umstände können uns alle irgendwann einholen. Allerdings kann die Wunde der Ablehnung bei einem Kind erheblichen emotionalen Schaden anrichten. Daher ist es wichtig, dass du so handelst, dass dein Kind nicht darunter leidet.

Das Gefühl der Ablehnung gegenüber einem Kind - überforderte Mutter

Ein Besuch bei einem Psychologen oder Therapeuten kann dir helfen, die neue Situation zu akzeptieren. Die professionelle Begleitung kann dich dabei unterstützen, dich an die Mutterschaft anzupassen und die Konflikte zu lösen, die du erlebst. Außerdem kann sie dir dabei helfen, mit einer möglichen Wochenbettdepression umzugehen und dir Hilfsmittel anbieten, um Ängste und Gefühle der Einsamkeit zu lindern. Darüber hinaus kannst du so deine Sichtweise auf die Mutterschaft ändern und deine Erwartungen flexibler gestalten.

Denke daran, dass du diese schwierige Situation nicht alleine oder im Stillen durchstehen musst. Es gibt Fachleute, die dir und deinem Kind helfen können, eine gesunde emotionale Bindung aufzubauen. Ihr habt es beide verdient, euch gut zu fühlen.

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