Dermatillomanie bei Kindern: Was ist das?

Dermatillomanie bei Kindern ist eine Erkrankung, die zu den Zwangsstörungen gehört. Wenn du mehr über ihre Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten erfahren möchtest, lies einfach weiter!
Dermatillomanie bei Kindern: Was ist das?

Letzte Aktualisierung: 23. Juli 2022

Obwohl es normal ist, sich von Zeit zu Zeit an der Haut zu kratzen, haben manche Kinder die Angewohnheit, dies zwanghaft zu tun. Dies bezeichnet man als Dermatillomanie. Das Problem bei diesem Zustand ist, dass er die Kleinen für das Auftreten von irritierenden und infektiösen Läsionen prädisponiert und sogar dazu führen kann, dass neue Läsionen entstehen.

Neben dem Kratzen können Kinder mit dieser Störung auch aus einem Impuls heraus oder aus Gewohnheit an ihrer Haut zupfen – mit den gleichen Folgen. Willst du mehr über Dermatillomanie bei Kindern erfahren? Dann lies einfach weiter.

Was ist Dermatillomanie?

Dermatillomanie ist ein wiederkehrendes Kratzen der Haut, das zu Hautläsionen, Beschwerden oder Funktionseinschränkungen in dem betroffenen Bereich führt. Diese Erkrankung ist auch als Skin Picking Disorder oder seltener als psychogene oder neurotische Exkoriation  bekannt.

Diese Krankheit kann in jedem Alter auftreten. Dennoch entwickelt sie sich in der Regel zu Beginn der Pubertät. Laut einer Veröffentlichung der International OCD Foundation sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

Obwohl die Dermatillomanie schon lange bekannt ist, wurde sie erst kürzlich als psychiatrische Erkrankung in die das DSM-V Zwangsstörung (OCD) und verwandte Störungen (OCRD) aufgenommen. Allerdings entwickeln nicht alle Kinder mit einer Zwangsstörung eine Skin Picking Disorder. Die Mehrheit der Kinder mit Dermatillomanie leidet jedoch an einer Zwangsstörung.

Dermatillomanie - eine Person kratzt sich die Haut wund
Das Kratzen an exponierten Hautstellen führt zu einigen unerwünschten Folgen, wie z. B. Entzündungen und Infektionen des tiefen Hautgewebes.

Was sind die Ursachen für Dermatillomanie bei Kindern?

Die Auslöser für das Kratzen an der Hautoberfläche können vielfältig sein und variieren von Kind zu Kind, aber die wichtigsten sind die folgenden:

  • Stress
  • Wut
  • Ängste
  • Sitzende Tätigkeiten (Fernsehen und Lesen)
  • Müdigkeit
  • Langeweile

Dermatillomanie kann sich überall am Körper manifestieren und tritt in der Regel an einer Vielzahl von exponierten Stellen auf: Im Gesicht, an den Händen, den Fingern, an den Beinen und den Armen.

Kinder mit einer Skin Picking Disorder bearbeiten Beulen, Schorf, Pickel oder andere Hautläsionen, bis sie sich entzünden oder bluten. Manchmal lassen diese Kinder die aufgekratzten Stellen sogar von selbst abheilen, nur um sie dann erneut aufzukratzen. Wenn sich die Angewohnheit einmal gefestigt hat, ist es schwierig, sie zu überwinden.

Erscheinungsformen der Dermatillomanie bei Kindern

Die Unfähigkeit, trotz wiederholter Bemühungen mit dem Kratzen aufzuhören, ist ein recht häufiger Aspekt dieser Erkrankung. Das kann sogar zu sozialen Hemmungen, Depressionen, Angstzuständen und dem Vermeiden bestimmter Aktivitäten oder Situationen führen, in denen die Hautläsionen sichtbar sind.

Die Läsionen können unauffällig, aber auch sehr sichtbar sein. Deshalb versuchen manche Kinder, sie mit Make-up, Kleidung oder Verbänden zu verdecken.

Zu den wahrscheinlichen klinischen Folgen der Dermatillomanie gehören die folgenden:

  • Infektionen
  • Narben
  • Verletzungen
  • Schwere körperliche Verunstaltung

Die häufigsten Folgen dieser Erkrankung sind Infektionen an den betroffenen Stellen. Der Schweregrad der Dermatillomanie kann davon abhängen.

Die Behandlung von Dermatillomanie bei Kindern

Es gibt zwar nur wenige Studien zur Behandlung dieser Erkrankung, aber eine der vorgeschlagenen Therapieoptionen basiert auf einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung, Medikamenten und einer kognitiven Verhaltenstherapie oder einem Habit-Reversal-Training (HRT).

Obwohl die Behandlung dazu beitragen kann, die Symptome zu kontrollieren und unerwünschte Verhaltensweisen außer Kraft zu setzen, kann es auch zu Rückfällen kommen. Dies ist vor allem nach längeren Phasen der Verhaltensunterbrechung von Bedeutung.

Nicht-pharmakologische Behandlungen

Eine der nicht-pharmakologischen Behandlungen basiert auf kognitiv-behavioralen Interventionen mit kognitiver Umstrukturierung und Psychoedukation. Außerdem wird der Schwerpunkt auf die Rückfallprävention durch die Verbesserung der Selbstwirksamkeit gelegt.

Beim kompetitiven Response-Training wiederum erlernt das Kind, wie es das Kratzen durch eine inkompatible Handlung ersetzen kann. Zum Beispiel mit einer geballten Faust.

Dermatillomanie bei Kindern - Mädchen kratzt sich am Kopf
Im Allgemeinen können Kinder, die darunter leiden, mehrere Stunden am Tag damit verbringen, über das Zupfen oder Kratzen nachzudenken.

Medikamentöse Behandlungen

Antidepressiva können helfen, das selbstverletzende Verhalten zu lindern. Tatsächlich haben mehrere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) das Kratz- und Zupfverhalten nachweislich verbessert. Sogar Lamotrigin, ein Antiepileptikum, kann bei der Behandlung von Dermatillomanie von Nutzen sein.

Es gibt zwar ein wachsendes Interesse am Einsatz von glutaminergen Mitteln, aber bisher gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für ihre Wirksamkeit.

Die Behandlung der Krankheit kann kompliziert sein. Denn das Kind nutzt dieses Verhalten, um sich zu beruhigen und andere negative Gefühle zu vertreiben.

Dermatillomanie ist mehr als eine Hautkrankheit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dermatillomanie eine psychische Störung ist, die mit einem starken, nervösen und häufigen Drang einhergeht, sich an der Haut zu kratzen, zu zupfen und zu ziehen.

Zu den Gründen, warum die Betroffenen keine Hilfe in Anspruch nehmen, gehören soziale Scham und die Annahme, dass die Krankheit eine “schlechte Angewohnheit” sei oder sich nicht behandeln ließe. Tatsächlich gehen Betroffene auf der Suche nach einer therapeutischen Option oft zu einem Hautarzt oder Allgemeinmediziner, bevor sie einen Psychologen oder Psychiater aufsuchen.

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