Schule: Ist ein Pausenverbot für Kinder zulässig?

7. Oktober 2019
Manchmal kommt es dazu, dass Kinder in der Schule mit einem Pausenverbot bestraft werden. Dabei wird ihnen das Recht auf diese unterrichtsfreie Zeit vorenthalten. Aber wie genau ist diese Art von Bestrafung eigentlich geregelt? Sind Pausenverbote überhaupt zulässig? In diesem Artikel findest du ein paar Antworten!

In vielen Schulen, um nicht zu sagen, in fast allen, ist es üblich, Kinder mit einem kompletten oder teilweisen Pausenverbot zu betrafen. Warum? Weil sie sich zum Beispiel nicht gut verhalten haben, oder ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Vielleicht konnten sie auch den aufgegebenen Stoff nicht, oder haben einfach zu viel im Unterricht gequatscht.

Es gibt sogar einige Fälle, in denen die Lehrkräfte den SchülerInnen ein Pausenverbot auferlegen, wenn sie während der Stunde auf die Toilette gehen müssen. Doch das Recht auf die Pausen steht allen Kindern zu. Es ist auch eine Notwendigkeit in Hinsicht auf ihre körperliche und geistige Gesundheit. Dennoch ist das Pausenverbot nach wie vor eine übliche Form der Bestrafung.

Im Folgenden findest du mehr Information zu diesem Thema. So kannst du besser verstehen, warum das Pausenverbot für Kinder nicht angebracht ist.

Die Pause: Ein Recht der Kinder

In Artikel 24 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es: „Jeder Mensch hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub„. Und dazu gehören natürlich auch Kinder. Auch sie haben das Recht auf Erholung und eine vernünftige Begrenzung ihrer Arbeitszeit.

Der „Arbeitstag“ für Kinder zwischen 3 und 12 Jahren beträgt ca. 5 Stunden. Es gibt sogar einige, die auch in der Schule Mittagessen, oder für außerunterrichtliche Aktivitäten in der Schule bleiben. Dann kann ihr „Arbeitstag“ bis zu 9 Stunden dauern. Das ist ohne Zweifel ein langer Tag…

Pausenverbot ja oder nein? Spielende Kinder in der Schulpause

Während eines solchen Tags gibt es normalerweise am Vormittag eine Pause von 30 Minuten. Dann ist der Moment für Erholung und Spiel gekommen. Und das ist ein Recht, das alle Kinder haben.

Dieses Recht ist in Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention verankert: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben„.

Daher ist also ein Pausenverbot als ein Missbrauch der Macht des Lehrers oder der Institution anzusehen. Denn die Schulferien gehören nicht allein den Lehrkräften. Sie sind das Recht der Kinder. Daher ist die Lage also so: Kein internes System von Bestrafungen einer Bildungseinrichtung kann sich einfach über das hinwegsetzen, was durch die Verfassung oder internationale Konventionen festgelegt ist.

Warum sind die Schulpausen so wichtig für Kinder?

Durch ein Pausenverbot tut man Kindern wahrlich nichts Gutes. Denn die Schulpausen sind wirklich wichtig für sie: in mentaler, physischer, emotionaler und auch sozialer Hinsicht. Dieser Moment des freien Spiels und unstrukturierter Aktivitäten ist ganz grundlegend für die Entwicklung und Gesundheit der Kinder.

Denn dieser kleine Freiraum ermöglicht es ihnen, ihre sozialen Fähigkeiten zu entwickeln. Und sie lernen dabei auch, etwas mit anderen zu teilen. Zudem sind diese Momente wichtig dafür, ihre kommunikativen Fähigkeiten zu entfalten und auch zu lernen, wie man Probleme lösen kann. Darüber hinaus können sie sich in den Pausen auch einfach etwas austoben und Spannungen abbauen.

Auch aus rein schulischer Sicht sind die Pausen sehr wichtig. Denn um besser zu lernen, brauchen Kinder nach einer Lernphase eine Pause. So können sie die Informationen verarbeiten. Diese Zeit ist genauso wichtig, wie eine Mathestunde oder Sprachunterricht.

Außerdem besteht auch eine Notwendigkeit, Energie aufzuladen. Die Kinder brauchen die Möglichkeit,  körperlich aktiv sein zu können. Denn das trägt positiv zur Verbesserung der Schulleistungen und des Verhaltens der Kinder bei. Zudem ist diese freie Zeit der Erholung besonders nützlich für Kinder mit Verhaltens- oder Lernproblemen. Dazu zählt beispielsweise das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Pausenverbot ja oder nein? Kinder spielen Hüpfgummi

Warum sollten Kinder also nicht mit Pausenverbot bestraft werden?

Die Pausen in der Schule sind ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung der Kleinsten. Und ebenso sind sie von großer Bedeutung für die soziale Interaktion, die Kinder in der Schule haben sollten. Außerdem gibt es ihnen die Möglichkeit, sich von den schulischen Anforderungen zu erholen.

Pausen bieten einen Raum für Erholung und kreative Entwicklung. Ebenso fördern sie, dass die Kinder miteinbezogen werden und bei den verschiedenen Aktivitäten mitmachen. Nicht zuletzt sind die Pausen auch wichtig, weil sie den Kindern körperliche Bewegung ermöglichten.

Für Kinder ist das Spielen eine ganz grundlegende Aktivität. Diese darf man ihnen nicht verbieten oder vorenthalten. Daher sollten Schulen kein Pausenverbot als Form der Bestrafung nutzen. Vielmehr müssen sie nach anderen Methoden suchen, um das Verhalten der Kinder bei Fehltritten positiv zu beeinflussen.

Daher sollten Eltern auf die Erfüllung der Rechte ihrer Kinder achten und gegebenenfalls die Schule bitten, den Kindern kein Pausenverbot als Strafe aufzuerlegen. Denn die Schule sollte mit pädagogischen Maßnahmen auf eventuelle Verhaltensprobleme der Kinder reagieren und nicht mit Zwangsmaßnahmen. Daher ist es notwendig, nach anderen Lösungen zu suchen. Solche, bei denen nicht das Recht der Kinder auf Erholung und Freizeit aufs Spiel gesetzt wird.

Denn durch ein Pausenverbot lernen die Kinder gleichzeitig auch, dass sie sich ungerechten Situationen unterwerfen müssen, ohne ihre Meinung äußern zu können. Ebenso lernen sie auf diese Weise, dass ihre Bedürfnisse keine Rolle spielen; und dass sie etwas, das sie für ungerecht halten, nicht ändern können.