Stereotypien in der Kindheit

14. April 2019
Stereotypien entwickeln sich häufig bereits vor dem zweiten Lebensjahr des Kindes, wobei Jungen häufiger als Mädchen davon betroffen sind. 

Als Stereotypien bezeichnet man repetitive Bewegungen ohne funktionellen oder zielgerichteten Charakter. Es kann sich um einfache Bewegungsabläufe, wie Rumpfschaukeln, Kopfbewegungen, Fingerklopfen oder komplexere Muster handeln.

In der Kindheit sind diese Stereotypien oft Teil der Entwicklung des Kindes und sollten den Eltern deshalb keine zu großen Sorgen bereiten.

Es handelt sich um eine motorische Störung in der Kindheitdie wiederholte, jedoch grundlose Bewegungen auslöst. Meist kommt es dazu im Alter zwischen 2 und 5 Jahren, doch manchmal bleiben diese Bewegungsmuster bis zur Adoleszenz vorhanden.

Stereotypien sind lange Episoden, in denen sich immer wieder dieselben Bewegungen wiederholen. Jungen sind davon häufiger betroffen als Mädchen. Es besteht kein Gehirnschaden, doch die genauen Ursachen für diese Störung sind noch nicht geklärt. 

Normalerweise handelt es sich um Verhaltensweisen, die von der betroffenen Person kontrolliert werden können. Sie können wenige Sekunden oder auch mehrere Stunden lang andauern und sich an einem Tag häufig wiederholen. 

Diese Störungen sind oft während der gesamten Entwicklungsphase vorhanden, können jedoch während des Wachstums des Kindes auch ohne jede Behandlung wieder abklingen.

Typische Situationen, in denen Stereotypien immer wieder vorkommen, sind: auf einer Autofahrt, beim Essen oder beim Fernsehen.

Symptome von Stereotypien in der Kindheit

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um Bewegungen, eine bestimmte Haltung oder einen repetitiven Ausdruck. Es kann sich um einfaches Rumpfschaukeln oder komplexe Bewegungen, wie das Überkreuzen der Beine, handeln. Es können viele verschiedene und sehr ungewöhnliche Bewegungsmuster auftreten.

Stereotypien in der Kindheit

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Diese sich wiederholenden Bewegungen weisen bei kleinen Kindern nicht unbedingt auf eine schwere Bewegungsstörung hin. Komplexe Stereotypien sind weitaus weniger häufig, sie treten nur bei rund 3 bis 4% der Kinder auf. 

Bei jedem Kind äußern sich Stereotypien auf andere Art und Weise. Sie können in bestimmten Situationen, wie Langeweile, Stress, Aufregung oder Erschöpfung auftreten. Manche Kinder können die Bewegungen stoppen, sobald sie darauf aufmerksam werden oder wenn sie abgelenkt werden. Andere wiederum können nicht damit aufhören.

Kinder mit Autismus entwickeln sehr häufig repititive Verhaltensmuster und Stereotypien. Motorische Stereotypien werden auch häufig zusammen mit neurologischen Entwicklungskrankheiten oder intellektuellen Problemen diagnostiziert. Doch sie sind auch bei Kindern zu finden, die sich komplett normal entwickeln.

Was kann man gegen Stereotypien in der Kindheit tun?

Die repetitiven Bewegungen beginnen meist in den ersten drei Lebensjahren. Die genauen Ursachen dafür sind, wie bereits erwähnt, nicht ausreichend erforscht. Doch es gibt gewisse Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Auch bestimmte Medikamente können zu stereotypen Bewegungen führen, doch sobald diese abgesetzt werden, verschwinden sie normalerweise wieder.

Normalerweise werden Kindern mit Stereotypien keine Arzneimittel verschrieben, außer wenn es sich um eine sehr starke Bewegungsstörung handelt. Denn die Nebenwirkungen können schlimmer als die Störung selbst sein.

Die frühzeitige Erkennung und die richtige Behandlung verbessert allerdings die Ergebnisse. Doch meist ist keine Behandlung erfolderlich, da die Bewegungsstörungen wieder spontan abklingen. Bei psychologischen oder psychiatrischen Ursachen kann eine Verhaltenstherapie sehr hilfreich sein.

Stereotypien bei Kindern

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Fazit

Zusammenfassend ist zu erwähnen, dass motorische Stereotypien meist bei kleinen Kindern auftreten und bis zur Adoleszenz vorhanden sein können. Je nach Ursachen können Verhaltenstherapien oder Medikamente eingesetzt werden, doch oft klingen die Bewegungsstörungen von selbst ab.

Die meisten Kinder benötigen keine spezifische Behandlung, da sie gut auf Selbsthilfe-Strategien reagieren. Mit zunehmendem Alter verschwinden dann die Bewegungsstörungen.

Allerdings können sie sich negativ auf die schulische Leistung und die Beziehung zu anderen Kindern auswirken. In diesem Fall entscheiden sich viele für eine Behandlung. 

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