Hat dein Kind eine Rechenschwäche?

19. September 2019
Rechenschwäche wird auch Dyskalkulie genannt. Damit bezeichnet man eine Beeinträchtigung der Rechenfertigkeiten. Im Folgenden erklären wir dir mehr über diese Erkrankung. Und auch, wie du feststellen kannst, ob dein Kind davon betroffen ist.

Kinder mit Rechenschwäche zählen zu der Gruppe der Schüler mit besonderem Bedarf an pädagogischer Unterstützung. Aus diesem Grund muss die Schule ihnen entsprechende Angebote zur Hilfe zur Verfügung stellen und ihnen darüber hinaus eine besondere fachliche Betreuung zukommen lassen.

Aber es ist auch wichtig, dass die Eltern in der Lage sind, eine Rechenschwäche bei ihrem Kind zu erkennen. Deshalb stellen wir dir im folgenden Artikel Informationen zu diesem Thema vor. Denn so kannst du selber herausfinden, ob dein Kind eventuell eine Rechenschwäche hat.

Diese spezifische Lernstörung betrifft tatsächlich recht viele Kinder. Die Betroffenen weisen Schwierigkeiten beim Erwerb mathematischer Kompetenzen auf. Und diese gehören zu den Grundfertigkeiten für gute schulische Leistungen.

Erwerb von mathematischer Kompetenz

Kinder erwerben die mathematische Kompetenz schrittweise. Daher lernen sie im Laufe der Schulzeit nach und nach immer wieder Neues aus diesen Bereichen dazu:

  • Zahlensystem
  • Reihenbildung
  • Rechnen
  • Problemlösung
  • Durchführung von Logikübungen

Darüber hinaus kann man sagen, dass mehrere kognitive Prozesse beim Erlernen von Mathematik beteiligt sind. Daher müssen also auch folgende Fähigkeiten und Kenntnisse für den Erwerb mathematischer Kompetenz entwickelt werden:

  • Protonumerisches Wissen
  • Kenntnisse über das Zählen und die Zahlen
  • Logische Verknüpfungen
  • Kenntnisse des numerischen Systems
  • Arithmetische Operationen
  • Lösung mathematischer Probleme
Schlechte Note im Mathetest

Dabei ist zu beachten, dass die Autoren Gelman und Gallistel für die Entwicklung des Zählens und des Verständnisses des Zahlensystems fünf Prinzipien definieren. Diese gilt es zu berücksichtigen:

  1. Als Erstes ist die Eins-zu-Eins-Beziehung zwischen den Zahlwörtern und den Objekten zu erlernen.
  2. Das zweite Prinzip liegt darin, die Zahlwörter in einer festen Reihenfolge aufzusagen.
  3. Der dritte Punkt hat mit dem kardinalen Zahlenverständnis zu tun. Das heißt, zu verstehen, dass die letzte Zahl beim Abzählen die Anzahl der Elemente (die Mächtigkeit) der abgezählten Menge angibt.
  4. Als Viertes steht das Prinzip der Abstraktion. Dieses erlaubt es, alles zu zählen.
  5. Die fünfte bezieht sich auf die Irrelevanz der Ordnung. Das bedeutet, dass man mit jeder beliebigen Sequenz zählen kann, ohne das Ergebnis zu verändern.

Wie kann ich feststellen, ob mein Kind eine Rechenschwäche hat?

Rechenschwäche bzw. Dyskalkulie ist eine spezifische Lernstörung. Sie hat Einfluss auf den Erwerb von Wissen über Zahlen und das Rechnen. Dabei ist diese Schwierigkeit nicht auf eine geminderte Intelligenz der Betroffenen zurückzuführen. Ebensowenig auf eine unzureichende oder unangemessene Beschulung. Mit anderen Worten: Man geht bei einem Kind von einer Rechenschwäche aus, wenn es häufig Probleme beim Umgang mit Zahlen und Mengen etc. aufweist.

Im Folgenden findest du einige Symptome, auf die du bei deinem Kind achten solltest. Falls du folgende Dinge bei ihm beobachtest, kann es eventuell eine Rechenschwäche haben:

  • Es benutzt häufig seine Finger, um einfache Rechenvorgänge zu lösen.
  • Außerdem hat das Kind Probleme, den Sinn von Zahlen an sich zu verstehen.
  • Zudem kommt es zu Schwierigkeiten bei der Deutung und Einordnung von Mengen.
  • Auch hat das Kind Probleme beim Schreiben und Lesen von Zahlen.
  • Ebenso ist es schwierig für Kinder mit Rechenschwäche, Vorgänge wie das Multiplizieren zu automatisieren.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass du bei der Einschätzung dieser Symptome auch folgende Faktoren miteinbeziehen musst:

  • Das Alter des Kindes.
  • Sowie seinen aktuellen Entwicklungsstand.

Wenn du den Verdacht hegst, dass dein Kind eine Rechenschwäche haben könnte, solltest du dich unbedingt mit der Schule in Verbindung setzen. Denn so kannst du dann diese Informationen mit den Lehrern besprechen und mit deren Beobachtungen vergleichen. Man kann dann eine umfassende Einschätzung und Bewertung durch die entsprechende Beratungsabteilung durchführen.

Einer der psychometrischen Tests, die Fachleute zur Erkennung von Dyskalkulie einsetzen, ist der TEDI-MATH. Das ist ein Test zur Erfassung numerisch-rechnerischer Fertigkeiten vom Kindergarten bis zur 3. Klasse.

Rechenschwäche: Multiplizieren lernen

So kannst du deinem Kind mit Rechenschwäche helfen

Du kannst deinem Kind mit Rechenschwäche auch zu Hause helfen. Dazu ist es notwendig, dies auf spielerische und unterhaltsame Art und Weise zu tun, ohne das Kind dabei unter Druck oder Stress zu setzen. Dafür gibt es einige gute Ideen. Damit kannst du den Erwerb mathematischer Kompetenzen auch zu Hause üben. Zum Beispiel so:

  • Mache Spiele mit deinem Kind, in denen Zahlen vorkommen.
  • Versuche, ihm das Rechnen näherzubringen, indem du es ihm in anschaulicher Weise vormachst.
  • Auch solltest du Spiele vorschlagen, die die Notwendigkeit beinhalten, kleine Rechenoperationen durchzuführen.
  • Außerdem kannst du einfache praktische Rechnungsaufgaben durchführen. Dabei sollten diese für den Alltag nützlich sein.

Darüber hinaus sollte die Familie prüfen, ob die Schule geeignete Maßnahmen zur Lösung der Lernschwierigkeiten des Kindes ergreift. So haben die betroffenen Kinder in der Regel innerhalb der Schule individuelle Sitzungen mit der entsprechenden Fachkraft des heilpädagogischen Bereichs.

Auf diese Weise können die Kinder mit Rechenschwäche die mathematischen Kompetenzen mit speziellen Materialien trainieren. Dabei kommt eine besondere Didaktik zur Anwendung. Diese konzentriert sich auf die Stärkung und die Unterstützung des Erwerbs dieser Kompetenz.

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