Übergangsobjekte: Das Spielzeug, auf das dein Kind nicht verzichten kann

21. März 2020
Übergangsobjekte erfüllen eine wichtige Funktion bei der Entwicklung und Reifung von Kindern und der Trennung von ihren Müttern. Heute werden wir dir erklären, was Übergangsobjekte sind und warum sie so bedeutsam sind.

Wir alle haben schon beobachtet, dass Kinder eine ganz besondere Zuneigung oder Vorliebe für ein bestimmtes Stofftier oder eine Kuscheldecke haben. Sie nehmen dieses Objekt überall mit und scheinen nicht ohne es leben zu können. Aber was repräsentieren diese Übergangsobjekte tatsächlich auf psychologischer Ebene?

Was sind Übergangsobjekte?

Der Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott prägte diesen Begriff, der den ersten Besitz bezeichnet, den ein Kind als etwas erkennt, das von ihm selbst getrennt ist.

Übergangsobjekte sind materielle Objekte, zu denen Kinder eine bestimmte Bindung haben. Sie zeigen eine besondere Vorliebe und Zuneigung zu diesem speziellen Objekt und tragen es immer bei sich. Außerdem wenden sie sich diesem Objekt besonders in den Zeiten zu, in denen sie müde oder verärgert sind.

Die Position, die Kinder in Bezug auf Übergangsobjekte einnehmen, ist keine spielerische Haltung. Es geht vielmehr um den Besitz des Objektes. Sie halten das Objekt im Arm, lutschen daran, küssen es, drücken es ganz fest an ihren Körper oder werfen es zu Boden.

Bei einer gesunden psychischen Entwicklung ist es völlig normal, dass Kinder Übergangsobjekte haben. Sie erfüllen eine wichtige Funktion im Prozess der Trennung des Kindes von seiner Mutter. Außerdem sind sie sehr wichtig für die Selbstidentifikation eines Kindes als Individuum.

Übergangsobjekte - Mädchen mit Stoffelefant

Allerdings läuft dieser Prozess bei jedem Menschen unterschiedlich ab, daher entwickeln nicht alle Kinder eine derartige Bindung zu einem Übergangsobjekt.

Welche Merkmale hat ein Übergangsobjekt?

Es gibt eine große Vielzahl an Übergangsobjekten und sie unterscheiden sich von Kind zu Kind. Dennoch haben alle Übergangsobjekte einige gemeinsame Merkmale:

  • Sie haben eine angenehme Textur; normalerweise sind sie weich und kuschelig. Dies hat einen direkten Zusammenhang zu der Stoffmutterfigur in Harry Harlows Bindungsstudien. Er fand heraus, dass alle jungen Lebewesen ein angeborenes Bedürfnis nach Bindung an eine weiche Figur haben, um von ihr Zuflucht und Schutz zu bekommen.
  • Außerdem wählen Kinder ihre Übergangsobjekte zufällig aus. Eltern und Erziehungsberechtigte können ihnen nicht ein bestimmtes Objekt aufdrängen. Die Kinder müssen sich ihre Übergangsobjekte selber auswählen, auch wenn die Eltern ein anderes Objekt bevorzugen würden.
  • Darüber hinaus sind einmal gewählte Übergangsobjekte nicht ersetzbar. So wie es nicht möglich ist, dass die Eltern ihrem Kind ein bestimmtes Übergangsobjekt aufdrängen, können sie es auch nicht durch ein anderes ersetzen. Wenn ein Übergangsobjekt verloren geht, wird das Kind über diesen Verlust extrem traurig sein. Diese Traurigkeit wird auch nicht vorübergehen, wenn die Eltern versuchen, dieses Objekt durch ein anderes zu ersetzen. Nur das Kind alleine entscheidet, ob es noch einmal eine Bindung zu einem anderen Objekt aufbaut oder nicht.
  • Des Weiteren haben Übergangsobjekte einen ganz bestimmten Geruch. Dieser olfaktorische Fingerabdruck hilft den Kindern dabei, ein Gefühl von Vertrautheit zu erfahren. Aus diesem Grunde ist es auch nicht empfehlenswert, dieses Objekt zu waschen.
  • Kinder und ihre Übergangsobjekte sind unzertrennlich. Die Kleinen nehmen sie überall mit, insbesondere wenn die Schlafenszeit gekommen ist. Daher ist es sehr wichtig, dass du deinem Kind dieses Objekt nicht wegnimmst, denn das würde dein Kind sehr traurig machen und es unnötig quälen. Wenn die Kinder älter werden und sich weiter entwickeln, werden diese Übergangsobjekte allmählich ihre Bedeutung verlieren.

Welche Rolle spielen Übergangsobjekte?

Zuerst einmal stellen diese Objekte einen entscheidenden Übergang in der Entwicklung von Kindern dar. Als Säuglinge erleben die Kinder eine völlige Differenzierung in Bezug auf ihre Mutter. Mit anderen Worten, sie nehmen nicht wahr, dass ihre Mutter ein von ihnen getrenntes Lebewesen ist.

Wenn sie heranwachsen, beginnen sie allmählich, diese Trennung zu verstehen und begreifen, dass sie und ihre Mutter zwei unabhängige Wesen sind. Darüber hinaus lernen sie auch, dass ihre Mutter sich nicht immer und zu jeder Zeit um all ihre Bedürfnisse kümmern kann.

Übergangsobjekte begleiten Kinder genau in dieser Veränderungsphase und vermitteln ihnen einen Teil der Sicherheit, die ihnen ihre Mütter bieten. Daher repräsentieren diese Übergangsobjekte die Bindung, die ein Baby für seine Mutter empfindet und übernehmen so eine sehr wichtige Funktion, wenn die Mutter abwesend ist.

Übergangsobjekte sind also eine Quelle der Sicherheit und des Vergnügens. Sie helfen den Kleinen dabei, ihre Trennungsangst zu kontrollieren, emotional unabhängig zu werden und sich Situationen zu stellen.

Übergangsobjekte - schlafender Junge mit Stofftier

Wann sind Übergangsobjekte wichtig?

Diese wichtigen psychologischen Funktionen werden besonders in Momenten deutlich, in denen das Kind Angst hat oder müde ist oder vor dem Schlafengehen. Dann haben Kinder ein noch größeres Bedürfnis, in der Nähe ihrer Bezugsobjekte zu sein.

Außerdem kann es vorkommen, dass Kinder wieder auf ihre Übergangsobjekte zurückgreifen, obwohl sie sie bereits beiseite gelegt hatten. Dies kann bei wichtigen Ereignissen, beispielsweise der Geburt eines neuen Geschwisterchens, der Einschulung, einem Umzug usw. passieren.

Normalerweise wählen Kinder im Alter von 4 bis 6 Monaten ihre Übergangsobjekte aus. Diese Bindung dauert üblicherweise an, bis die Kinder drei oder vier Jahre alt sind.

Sobald die Kinder gelernt haben, ihre Emotionen zu kontrollieren und unabhängiger werden, wird die Beziehung zum Objekt spielerischer, oder sie ersetzen das Übergangsobjekt durch ein anderes Objekt oder Interesse.

 

  • Harlow, H. F. (1962). Development of affection in primates. Roots of behavior: genetics, instinct, and socialization in animal behavior/by thirty-one authors; edited by Eugene L. Bliss.
  • Winnicott, D. W. (1967). Objetos y fenómenos transicionales : Un estudio sobre la primera posesión no Yo. Recuperado de https://www.pep-web.org/document.php?id=revapa.024.0817a